Vagusnerv-Stimulation, Implantat

Vagusnerv-Stimulation: Implantat soll Entzündungen bei Arthritis bremsen

Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 21:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Klinische Anwendungen, drahtlose Implantate und digitale Programme erweitern die bioelektrische Medizin und Schmerzversorgung.

Bioelektrische Medizin: Neue Implantate und digitale Therapien im Einsatz
Ein moderner, steriler Operationssaal in einer Klinik mit medizinischen Geräten im Hintergrund. Illustration mit AI erstellt.

Die therapeutische Anwendung der bioelektrischen Medizin gewinnt durch aktuelle klinische Implementierungen und technologische Fortschritte an Bedeutung.

Im Sommer 2026 wurden an der Oregon Health & Science University (OHSU) erstmals in der Region Pacific Northwest Vagusnerv-Stimulatoren bei Patientinnen mit rheumatoider Arthritis sowie zur Rehabilitation nach Schlaganfällen eingesetzt. Diese Verfahren nutzen elektrische Impulse, um das Immunsystem zu modulieren oder neuronale Heilungsprozesse zu unterstützen.

Klinische Anwendung bei Entzündungskrankheiten und Schlaganfallfolgen

Im August 2026 erhielt die 48-jährige Brooke Braun aus Wilsonville als erste Patientin in der Region ein SetPoint-Vagusnerv-Stimulator-Implantat zur Behandlung von Arthritis. Der neurochirurgische Eingriff wurde von Ahmed Raslan durchgeführt. Das Verfahren zielt auf die anti-inflammatorische Wirkung der Vagusnerv-Stimulation (VNS) ab, um chronische Entzündungsprozesse zu reduzieren.

Parallel dazu setzten OHSU-Neurochirurgen die Technologie im Bereich der Schlaganfall-Rehabilitation ein. Anfang September 2026 führten Mediziner unter der Leitung von Adam Lipson die ersten zwei ambulanten Eingriffe mit dem sogenannten Vivistim-Gerät durch.

Zu den behandelten Patientinnen gehörten die 47-jährige Lauren Vogel, die 2023 einen Schlaganfall erlitt, sowie die 58-jährige Stacey Leah Melvin nach einem Schlaganfall im Jahr 2022. Die eingesetzten Vagusnerv-Stimulatoren verfügen über eine Zulassung der US-Gesundheitsbehörde FDA.

Technologische Innovationen und drahtlose Netzwerksysteme

Neben den klinischen Anwendungen in den USA zeigen europäische Entwicklungen Trends hin zu minimalinvasiven und tragbaren Systemen. Die Wiener Aurimod GmbH gewann im September 2026 den „Austrian Tech Innovator“-Wettbewerb mit einem tragbaren Gerät zur Neurostimulation am Ohr.

Diese Technologie ist für die medikamentenfreie Therapie von chronischen Rückenschmerzen, Migräne und postoperativen Schmerzen konzipiert. Durch den Sieg im Publikumsvoting sicherte sich das Unternehmen die Teilnahme am globalen Finale beim Web Summit in Lissabon.

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Einen weiteren technologischen Sprung beschreibt eine im September 2026 in der Fachzeitschrift „Science“ veröffentlichte Studie der Georgia Tech. Das entwickelte System SWANS (Smart Wireless Autonomous Networking System) ermöglicht es, elektrische Impulse drahtlos durch Körpergewebe zwischen einem tragbaren Hub und Implantaten zu leiten.

Der Hub sendet dabei Impulse bis zu 12 V über Mikronadelpflaster an winzige Implantate mit den Maßen 3 × 1,1 × 17 mm. In Versuchen mit Ratten konnte nachgewiesen werden, dass Bewegungssensoren an den Vorderbeinen gezielt die Stimulation des Ischiasnervs am Hinterbein auslösen können, ohne das Herzgewebe oder umliegende Zellen dauerhaft zu schädigen.

Ausbau der Studienlage und digitale Versorgungsmodelle

Die klinische Forschung wird zudem durch die ADVENT-Studie der Newronika S.p.A. erweitert. Im September 2026 erhielt der erste Teilnehmer in Monza ein ?DBS-Implantat. Die multizentrische, randomisierte Studie vergleicht adaptive mit konventioneller Tiefer Hirnstimulation bei 104 Parkinson-Patienten in den USA und Europa.

Während das System im Europäischen Wirtschaftsraum bereits CE-gekennzeichnet ist, dient es in den USA aktuell Forschungszwecken unter einer Ausnahmeregelung für Prüfpräparate (IDE).

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Ergänzt werden diese invasiven Methoden durch digitale und virtuelle Ansätze. Das Unternehmen Lin Health berichtete im Rahmen des „Pain Awareness Month“ im September 2026 über ein virtuelles Programm zur Schmerztherapie. Laut Unternehmensangaben erreichten 92 % der Patienten signifikante Verbesserungen.

Auch eine Studie des Uniklinikums Würzburg zur DiGA „Axia-App“ bei axialer Spondyloarthritis (axSpA) belegte eine signifikante Reduktion der Krankheitsaktivität im Vergleich zur Standardversorgung über einen Zeitraum von zwölf Wochen.

Der Bedarf an spezialisierten Therapien bleibt hoch. In Deutschland leiden schätzungsweise 23 Millionen Menschen unter chronischen Schmerzen, wobei die Wartezeit auf einen Erstkontakt in spezialisierten Ambulanzen laut Experten der Schön-Klinik Eckernförde teilweise fünf bis sieben Jahre beträgt. Die Klinik, die im Jahr 2026 über 300 Patienten stationär behandelte, verweist auf eine Erfolgsquote von 75 % bei den dort durchgeführten Therapien.

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