Vegane, ErnÀhrung

Vegane ErnÀhrung ab 65: Studie misst 0,61 Liter weniger Muskelvolumen

Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 08:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Übersichtsarbeiten beleuchten mögliche Stoffwechseleffekte, wĂ€hrend Studien und Leitlinien den Stellenwert ausreichender Proteinzufuhr fĂŒr Muskeln zeigen.

Proteinrestriktion im Alter: Stoffwechselvorteile treffen auf Muskelrisiken
Verschiedene unverarbeitete Lebensmittel wie Linsen, NĂŒsse und frisches GemĂŒse auf einem Holztisch. Illustration mit AI erstellt.

In der Debatte ĂŒber die optimale ErnĂ€hrung im Alter stehen Proteine im Mittelpunkt gegensĂ€tzlicher wissenschaftlicher Perspektiven. WĂ€hrend eine ausreichende Eiweißzufuhr seit Langem als Schutz gegen Muskelschwund gilt, liefern neuere ernĂ€hrungswissenschaftliche Übersichtsarbeiten differenzierte Einblicke in molekulare Stoffwechselwege.

Eine in der Fachzeitschrift Cell Press Blue erschienene Untersuchung der Forschenden Bailey Knopf und Dudley Lamming von der University of Wisconsin-Madison thematisiert die möglichen metabolischen VorzĂŒge einer gezielten Proteinrestriktion, warnt jedoch zugleich vor einer unbedachten Umsetzung im Alltag Ă€lterer Menschen.

WidersprĂŒchliche Signale aus der Stoffwechselforschung

Knopf und Lamming analysierten Mechanismen, nach denen eine verminderte Aufnahme bestimmter AminosĂ€uren die Stoffwechselgesundheit und ein gesundes Altern begĂŒnstigen könnte. Als entscheidende Faktoren gelten dabei einzelne AminosĂ€uren wie Methionin, Leucin, Isoleucin und Valin.

Die Autoren verweisen zudem auf Beobachtungsstudien, die eine höhere Proteinzufuhr mit Erkrankungen wie Diabetes, Krebs und einer höheren Sterblichkeit sowie bei Àlteren Zwillingen mit Sarkopenie in Verbindung brachten.

Gleichzeitig mahnen die Forschenden zur Vorsicht: Die Ergebnisse lassen sich nicht pauschal in die therapeutische Praxis ĂŒbertragen. FĂŒr Personen mit einer ohnehin geringen Proteinzufuhr – wozu viele Ă€ltere Menschen gehören – sowie fĂŒr Schwangere, Kinder und Genesende kann eine Restriktion ernste gesundheitliche SchĂ€den mit sich bringen. Die Festlegung optimaler Mengen bleibt wissenschaftlich ungeklĂ€rt.

Risiken fĂŒr Muskelmasse und bestehende Leitlinien

Den theoretischen Vorteilen einer Proteinreduktion steht das reale Risiko des altersbedingten Abbaus von Skelettmuskelmasse gegenĂŒber. Nach Angaben des National Institute on Aging schrumpft die Muskelmasse ab Beginn des Prozesses um etwa 3 bis 8 Prozent pro Jahrzehnt, wobei sich dieser Verlust ab dem 60. Lebensjahr noch beschleunigt.

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Fachgesellschaften setzen daher vor allem auf eine adÀquate Versorgung: Die European Society for Clinical Nutrition and Metabolism (ESPEN) empfiehlt gesunden Personen ab 65 Jahren 1,0 bis 1,2 Gramm Protein je Kilogramm Körpergewicht pro Tag, was bei einem Körpergewicht von 70 Kilogramm 70 bis 84 Gramm tÀglich entspricht.

Im Krankheitsfall oder bei bestehender MangelernĂ€hrung rĂ€t ESPEN zu 1,2 bis 1,5 Gramm pro Kilogramm (84 bis 105 Gramm bei 70 Kilogramm). In Deutschland gelten fĂŒr Personen ab 65 Jahren 1,0 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht, wĂ€hrend die EuropĂ€ische Behörde fĂŒr Lebensmittelsicherheit (EFSA) den allgemeinen Referenzwert fĂŒr Erwachsene bei rund 0,8 Gramm pro Kilogramm beziffert.

Welche Folgen eine Unterschreitung dieser Zufuhrmengen haben kann, verdeutlichte eine randomisierte niederlĂ€ndische Untersuchung mit 72 gesunden Erwachsenen ab 65 Jahren (Durchschnittsalter 72). Bei einer selbst gewĂ€hlten veganen ErnĂ€hrungsweise sank die tĂ€gliche Proteinzufuhr ĂŒber einen Zeitraum von 12 Wochen von 0,97 auf etwa 0,76 Gramm je Kilogramm Körpergewicht.

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In der Folge ging das Oberschenkelmuskelvolumen um 0,61 Liter und die fettfreie Beinmasse um 1,15 Kilogramm zurĂŒck, wĂ€hrend diese Werte bei Teilnehmenden mit omnivorer Kost weitgehend stabil blieben. Wurde die rein pflanzliche ErnĂ€hrung mit zwei Krafttrainingseinheiten pro Woche kombiniert, verringerte sich der Verlust des Muskelvolumens auf 0,35 Liter.

Die Muskelproteinsynthese lag bei der veganen Gruppe bei 1,09 Prozent pro Tag, bei den Omnivoren bei 1,27 Prozent und bei der veganen Gruppe mit Training bei 1,24 Prozent, wobei die regelmĂ€ĂŸig erhobenen Unterschiede in der Beinkraft statistisch nicht robust ausfielen. Die Studienleitung glich Protein- und Kalorienaufnahme dabei nicht gezielt an.

MakronÀhrstoffe und ErnÀhrungsqualitÀt

Neben der reinen Eiweißmenge rĂŒckt die Gesamtzusammensetzung der Mahlzeiten in den Fokus. Eine vierwöchige Studie der University of Sydney mit 104 gesunden Erwachsenen im Alter von 65 bis 75 Jahren verglich unterschiedliche Mischkostformen.

Eine kohlenhydratreichere und fettĂ€rmere omnivore ErnĂ€hrung, die auf wenig verarbeitete Kohlenhydrate und reichlich Ballaststoffe setzte, fĂŒhrte zu einem biologischen Alterswert nach der Klemera-Doubal-Methode, der um 3,5 bis 4,1 Jahre jĂŒnger geschĂ€tzt wurde als bei einer fettreicheren Kontrollkost.

Die Autoren betonten jedoch, dass es sich dabei um Biomarker-Berechnungen handelte und die kurze Studiendauer keine Aussagen ĂŒber eine tatsĂ€chliche LebensverlĂ€ngerung erlaubt. Die Forschung unterstreicht damit das Dilemma der AltersernĂ€hrung: WĂ€hrend zellulĂ€re Anpassungen fĂŒr eine MĂ€ĂŸigung bestimmter Nahrungsbestandteile sprechen, bleibt die gezielte NĂ€hrstoffdichte zum Muskelerhalt unerlĂ€sslich.

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