Vegane, ErnÀhrung

Vegane ErnÀhrung: DGE nennt 56 Gramm Protein als Richtwert bei 70 Kilo

Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 12:46 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die DGE hĂ€lt eine ausreichende Eiweißversorgung ohne tierische Produkte fĂŒr möglich; Vitamin B12 muss dauerhaft ergĂ€nzt werden.
Verschiedene pflanzliche Proteinquellen wie Linsen, Quinoa, Kichererbsen und NĂŒsse auf einem Holztisch. Illustration mit AI erstellt.

Bei einer rein pflanzlichen Lebensweise gilt Eiweiß aus ernĂ€hrungswissenschaftlicher Sicht als ein potenziell kritischer NĂ€hrstoff. Wie die Deutsche Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung (DGE) feststellt, ist ein Mangel daran jedoch keineswegs zwingend, sofern die Lebensmittelauswahl bedarfsgerecht gestaltet wird.

Richtwerte der DGE und Kombination pflanzlicher Eiweiße

FĂŒr gesunde Erwachsene im Alter von 19 bis unter 65 Jahren empfiehlt die DGE eine tĂ€gliche Zufuhr von 0,8 g Protein je Kilogramm Normalgewicht. Bei einem Körpergewicht von 70 Kilogramm entspricht dies einer Zufuhr von 56 g pro Tag.

FĂŒr Personen ab 65 Jahren liegt der SchĂ€tzwert bei 1,0 g je Kilogramm tĂ€glich. WĂ€hrend tierische Produkte alle neun essenziellen AminosĂ€uren in gĂŒnstiger Zusammensetzung liefern und als vollstĂ€ndige Proteine gelten, weisen viele pflanzliche Quellen ein unvollstĂ€ndigeres AminosĂ€urespektrum auf.

Laut DGE ist es fĂŒr eine vollstĂ€ndige Versorgung jedoch ausreichend, ĂŒber den Tag verteilt verschiedene pflanzliche Proteine aufzunehmen. Eine direkte Kombination unterschiedlicher ProteintrĂ€ger in derselben Mahlzeit sei nicht erforderlich.

Fachleute verweisen in diesem Zusammenhang auf traditionelle Kombinationen von HĂŒlsenfrĂŒchten mit Getreide, etwa Reis mit Bohnen oder Hummus mit Vollkornbrot. Zudem gilt Pseudogetreide wie Quinoa als pflanzliches Lebensmittel, das bereits alle essenziellen AminosĂ€uren in einem gĂŒnstigen VerhĂ€ltnis enthĂ€lt.

NatĂŒrliche Quellen versus angereicherte Produkte

Nach Angaben des Bundeszentrums fĂŒr ErnĂ€hrung (BZfE) liefern bereits traditionelle Lebensmittel beachtliche Proteinmengen: 100 g Tofu enthalten etwa 16 g Protein, gegarte Bohnen, Erbsen oder Linsen je nach Sorte 5 bis 11 g je 100 g. Eine Portion von 60 g Haferflocken steuert rund 8 g bei, 25 g ErdnĂŒsse liefern etwa 7 g.

Verbraucherzentralen bewerten spezielle vegane Proteinpulver, Riegel oder kĂŒnstlich angereicherte Cerealien fĂŒr eine ausgewogene ErnĂ€hrung als weitgehend ĂŒberflĂŒssig, solange der Tagesbedarf ĂŒber regulĂ€re Nahrungsmittel gedeckt wird.

Eine Untersuchung der Verbraucherzentralen von 288 essfertigen HĂŒlsenfrucht-Produkten zeigte, dass 263 Erzeugnisse (91 Prozent) die Kriterien fĂŒr eine Proteinquelle mit mindestens 12 Prozent Energieanteil aus Eiweiß erfĂŒllten.

Über die HĂ€lfte der Fertiggerichte galt als proteinreich mit einem Energieanteil von mindestens 20 Prozent, wenngleich der durchschnittliche Salzgehalt bei 0,9 g je 100 g lag.

Anzeige

Wer sich mit einer bewussten ErnĂ€hrung und der gezielten Auswahl pflanzlicher Lebensmittel befasst, sollte auch die Auswirkungen auf den eigenen Körper im Blick behalten. Dieser kostenlose Report erklĂ€rt, welche Werte wirklich wichtig sind – und welche oft ĂŒberbewertet werden. Was verraten Ihre Blutwerte wirklich?

Wissenschaftlicher Vergleich von Proteinquellen

Eine Analyse von Chris Macdonald von der UniversitÀt Cambridge und dem Better Protein Institute, veröffentlicht im Fachjournal Frontiers in Sustainable Food Systems, verglich 20 Proteinquellen anhand des BPI-Scores hinsichtlich NÀhrwerten und Umweltbilanz.

Tofu erzielte mit 36 von 40 möglichen Punkten das beste Gesamtergebnis. Neben Tofu belegten Chiasamen, Bohnen und Quinoa die vorderen PlÀtze, wÀhrend Rindfleisch, Lamm, Mozzarella und Cheddar am Ende des Rankings lagen.

Hinsichtlich der Treibhausgasemissionen fielen fĂŒr 100 g Protein aus Tofu 0,61 kg Treibhausgase an, verglichen mit 64,19 kg bei Rindfleisch. Auch der FlĂ€chenbedarf lag fĂŒr Tofu bei knapp ĂŒber 2 Quadratmetern, wĂ€hrend Rindfleisch rund 211 Quadratmeter beanspruchte.

EinschrÀnkend wies der Autor darauf hin, dass es sich um eine Einzelforscher-Analyse handele, Preisdaten lediglich aus einer britischen Supermarktkette stammten und Molkenprotein nicht einbezogen wurde.

Spezifische Zielgruppen und weitere kritische MikronÀhrstoffe

Dass die Auswirkungen einer pflanzlichen ErnÀhrung stark von Alter und Lebensphase abhÀngen, zeigt eine Untersuchung der UniversitÀt Maastricht und des Brightlands Campus Greenport Venlo anhand der Daten von 3.570 Personen in den Niederlanden.

Demnach erfordern vor allem Heranwachsende bis 18 Jahre sowie Personen ab 71 Jahren Aufmerksamkeit, da die Eiweißzufuhr bei Ă€lteren Menschen hĂ€ufig bereits im bestehenden ErnĂ€hrungsmuster relativ niedrig ausfalle.

Anzeige

Eine gezielte NĂ€hrstoffversorgung ist die Basis fĂŒr langanhaltende VitalitĂ€t bis ins hohe Alter. Erfahren Sie in diesem Gratis-PDF, wie Sie die entscheidenden Vitalstoff-Werte kennen und fĂŒr Ihre Gesundheit nutzen können. Mit optimalen Laborwerten fit bleiben

Neben der Proteinzufuhr betont die DGE, dass Veganer Vitamin B12 dauerhaft ĂŒber NahrungsergĂ€nzungsmittel einnehmen und ihre Versorgung Ă€rztlich ĂŒberwachen lassen mĂŒssen, da unangereicherte pflanzliche Lebensmittel praktisch kein B12 enthalten. Ebenso sollten NĂ€hrstoffe wie Calcium, Eisen, Jod und Omega-3-FettsĂ€uren gezielt im Blick behalten werden.

Bei Eisen weisen ErnĂ€hrungsexperten darauf hin, dass pflanzliche Phytate in Vollkorn und HĂŒlsenfrĂŒchten die Mineralstoffaufnahme hemmen können; Verfahren wie Einweichen, Keimen, Fermentieren sowie ausreichendes Kochen reduzierten diese Stoffe jedoch wirksam.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70398638 |