Vegane Ernährung, Klimaschutz

Vegane Ernährung senkt CO2-Ausstoß beim Essen um bis zu 60 Prozent

Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 06:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Weniger Fleisch, Milchprodukte und andere tierische Lebensmittel kann den ernährungsbedingten Treibhausgasausstoß deutlich senken. Experten betonen zugleich, dass Flugreisen, Autofahrten und politische Rahmenbedingungen die Klimabilanz stark mitbestimmen.

Ernährungsdaten aus der dpa-Meldung

  • Der Ernährungsreport 2025 weist rund zwei Prozent Veganer und sieben Prozent Vegetarier in Deutschland aus.
  • Bei den 18- bis 29-Jährigen ernähren sich 2,7 Prozent vegan und knapp acht Prozent vegetarisch.
  • Tierische Produkte verursachen laut ifeu 60 bis 65 Prozent der ernährungsbedingten CO2-Emissionen.
  • Alternativen zu tierischen Produkten gibt es immer mehr.(Archivbild) - Bild: Silas Stein/dpa
  • Wer vegan isst, verkleinert seinen CO2-Fußabdruck. (Archivbild) - Bild: Sina Schuldt/dpa
  • Die Zahl der Menschen, die vegane Produkte kaufen, wächst. (Archivbild) - Bild: Marijan Murat/dpa
  • Bei Haferdrink-Produktion fällt weniger CO2 an als bei Kuhmilch. (Archivbild) - Bild: Jens Kalaene/dpa
Alternativen zu tierischen Produkten gibt es immer mehr.(Archivbild) - Bild: Silas Stein/dpa Wer vegan isst, verkleinert seinen CO2-Fußabdruck. (Archivbild) - Bild: Sina Schuldt/dpa Die Zahl der Menschen, die vegane Produkte kaufen, wächst. (Archivbild)  - Bild: Marijan Murat/dpa Bei Haferdrink-Produktion fällt weniger CO2 an als bei Kuhmilch. (Archivbild)  - Bild: Jens Kalaene/dpa

Vegane Ernährung senkt den Ernährungs-Fußabdruck

Millionen Menschen in Deutschland leben vegetarisch oder vegan und verzichten damit ganz oder teilweise auf tierische Produkte. Experten zufolge kann eine überwiegend pflanzliche Ernährung den persönlichen Beitrag zum Klimawandel deutlich verringern.

Der Kölner Musiker Ben, 26, ernährt sich seit mehreren Jahren vegan. Begonnen habe er aus einer persönlichen Herausforderung heraus, inzwischen stünden für ihn vor allem Tierwohl und Klimaschutz im Vordergrund.

Tierische Lebensmittel prägen die Klimabilanz

Nach Angaben des Geoökologen Nils Rettenmaier vom Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg entfallen bei einer durchschnittlichen Ernährung 60 bis 65 Prozent der ernährungsbedingten CO2-Emissionen auf tierische Produkte. Fleisch wiege dabei etwas schwerer als Milchprodukte.

Besonders emissionsintensiv ist Rindfleisch, weil Rinder Methan ausstoßen. Ein vegan lebender Mensch könne im Bereich Ernährung gegenüber einer durchschnittlichen deutschen Ernährungsweise 55 bis 60 Prozent der Treibhausgas-Emissionen einsparen, erläutert Rettenmaier.

Jüngere greifen häufiger zu pflanzlichen Produkten

Wie viele Menschen in Deutschland genau vegan oder vegetarisch leben, wird unterschiedlich erfasst. Der Ernährungsreport 2025 des Landwirtschaftsministeriums nennt rund zwei Prozent Veganer und sieben Prozent Vegetarier.

Unter den 18- bis 29-Jährigen liegen die Anteile dem Nationalen Ernährungsmonitoring nemo 2025 zufolge höher: 2,7 Prozent ernähren sich vegan, knapp acht Prozent vegetarisch. Das wachsende Angebot in Supermärkten, Discountern und Restaurants deutet zugleich auf eine anhaltende Nachfrage nach pflanzlichen Produkten hin.

Flüge und Transporte verändern die Bilanz

Eine pflanzliche Ernährung allein garantiere jedoch keine klimafreundliche Gesamtbilanz. Mehrere Flugreisen könnten die Einsparungen beim Essen wieder zunichtemachen, warnt Rettenmaier. Auch per Flugzeug eingeführte Avocados oder Mangos können pro Kilogramm eine ähnliche klimaschädliche Wirkung wie Rindfleisch haben.

Beim Einkauf spielt zudem die Anfahrt eine Rolle. Wer mit dem Auto nur wenige Kilogramm Gemüse beim Hofladen kauft, kann dadurch eine schlechtere Bilanz erreichen als beim Transport von Gemüse im voll beladenen Lastwagen.

Politik soll Rahmenbedingungen setzen

Die Verantwortung liegt nach Einschätzung des Forschers nicht allein bei den Verbrauchern. Als Beispiel nennt er die Mehrwertsteuer: Kuhmilch wird derzeit mit sieben Prozent besteuert, Haferdrink mit 19 Prozent.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt aus gesundheitlichen Gründen eine Kost mit einem hohen Anteil pflanzlicher Lebensmittel und weniger tierischen Produkten. Für die Kölner Physiotherapeutin Lynn, die seit 13 Jahren vegan lebt, standen zunächst Tierwohl und Klimaschutz im Mittelpunkt; heute verbindet sie damit auch ein gutes persönliches Wohlbefinden.

Die Ernährung gehört neben Wohnen, Mobilität und sonstigem Konsum zu den Bereichen, über die private Haushalte ihren Klimaeinfluss mitbestimmen. Innerhalb des Ernährungsbereichs entstehen besonders viele Emissionen durch tierische Produkte. Das liegt unter anderem an der Haltung von Tieren, der Futtermittelproduktion und bei Rindern an Methanemissionen.

Die dpa-Meldung ordnet vegane Ernährung deshalb nicht als alleinige Klimaschutzmaßnahme ein. Entscheidend ist die Gesamtbilanz des Lebensstils: Mehrere Flugreisen oder unnötige Autofahrten können Einsparungen beim Essen übertreffen. Auch die Herkunft und der Transport einzelner Produkte spielen eine Rolle, wobei der Transport per Flugzeug besonders klimaschädlich ist.

Politischer Rahmen bleibt entscheidend

Für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet das: Ein größerer Anteil pflanzlicher Lebensmittel kann den ernährungsbedingten Fußabdruck deutlich senken, ohne dass jede Mahlzeit vollständig vegan sein muss. Gleichzeitig hängen klimafreundliche Entscheidungen von Preisen, Verfügbarkeit, Kennzeichnung und Ernährungswissen ab.

Die Debatte betrifft daher nicht nur individuelles Verhalten. Steuerliche Unterschiede zwischen Kuhmilch und pflanzlichen Drinks, das Angebot in Kantinen sowie Vorgaben für öffentliche Einrichtungen können beeinflussen, welche Optionen im Alltag leicht zugänglich sind. Eine pflanzenbetonte Ernährung verbindet dabei Klimaschutz mit gesundheitlichen Zielen, sofern sie ausgewogen zusammengestellt wird.

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