Vegane ErnÀhrung: Vitamin-B12-Mangel verursacht bleibende NervenschÀden
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 12:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine unausgewogene rein pflanzliche ErnĂ€hrung ohne gezielte ErgĂ€nzung essenzieller NĂ€hrstoffe birgt erhebliche gesundheitliche Risiken. Wie Berichte ĂŒber einen Fall aus dem Raum Hangzhou in der chinesischen Provinz Zhejiang verdeutlichen, können gravierende Defizite die Nervenbahnen dauerhaft schĂ€digen.
Dort wurde eine 42-jÀhrige Frau namens Chen mit schwerwiegenden neurologischen Ausfallerscheinungen in das Zweite Volkskrankenhaus Yuhang eingeliefert.
Der Fall Chen: Diagnose nach jahrelangem Verzicht
Den ĂŒber die SĂŒdliche Metropolzeitung bekannt gewordenen Angaben zufolge ernĂ€hrte sich die Patientin drei Jahre lang extrem vegan. Ihr Speiseplan beschrĂ€nkte sich ausschlieĂlich auf Getreide, GemĂŒse, Sojaprodukte und Pilze, wĂ€hrend Fleisch, Eier und Milchprodukte vollstĂ€ndig gemieden wurden.
In der Folge stellten sich schleichend Taubheit und Kribbeln in den Zehen, ein vermindertes Tastempfinden, MuskelschwÀche in den Beinen sowie hÀufiges Umknicken ein. Nachts traten stechende Beinschmerzen auf; spÀter zeigten sich feinmotorische Störungen wie Probleme beim Zuknöpfen von Kleidung und beim Heben von Wasser.
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Nach einem Sturz im hĂ€uslichen Umfeld diagnostizierten die Mediziner im Zweiten Volkskrankenhaus Yuhang einen schweren Serum-Vitamin-B12-Mangel sowie eine subakute kombinierte Degeneration des RĂŒckenmarks.
Die behandelnden Neurologen fĂŒhrten das Krankheitsbild direkt auf die extreme ErnĂ€hrungsweise zurĂŒck, da Vitamin B12 fast ausschlieĂlich in tierischen Lebensmitteln wie Fleisch, Fisch, Eiern und Milch vorkommt. Die FachĂ€rzte wiesen zudem darauf hin, dass selbst nach Einleitung einer Therapie bleibende SchĂ€den an RĂŒckenmark und Nerven als SpĂ€tfolgen zurĂŒckbleiben können.
Medizinische Empfehlungen zur NĂ€hrstoffsubstitution
Fachinstitutionen betonen seit Langem die Notwendigkeit einer bewussten NĂ€hrstoffkontrolle bei pflanzlicher Kost. Das Bundesinstitut fĂŒr Risikobewertung (BfR) rĂ€t Personen, die wenige oder keine tierischen Produkte konsumieren, ausdrĂŒcklich auf eine ausreichende Zufuhr von Vitamin B12, Eisen, Zink und EiweiĂ zu achten.
Laut einer im Deutschen Ărzteblatt veröffentlichten Ăbersichtsarbeit aus dem Jahr 2021 ist eine hochdosierte Substitution von Vitamin B12 insbesondere bei nachgewiesenem Mangel, veganer oder streng vegetarischer Lebensweise, gestörter Darmaufnahme â etwa nach Magenoperationen oder bei Autoimmungastritis â sowie bei Einnahme von Metformin oder Protonenpumpenhemmern angezeigt.
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Ăltere Menschen und Personen mit chronischen Magen-Darm-Erkrankungen profitieren demnach besonders hĂ€ufig von einer gezielten Zufuhr. Zugleich raten das BfR und gesund.bund.de von einer dauerhaften, medizinisch unbegrĂŒndeten Einnahme ab, stufen eine Tagesdosis von 1000 ”g fĂŒr die meisten Menschen jedoch als unbedenklich ein, da das wasserlösliche Vitamin ĂŒber die Nieren ausgeschieden wird.
Im Rahmen einer Online-Fortbildung des IFPE thematisieren die Referenten Dr. Stine Weder und Dr. Markus Keller neben klassischen MĂ€ngeln auch neuere kritische NĂ€hrstoffe wie Kreatin und Taurin sowie spezifische Handlungsanweisungen fĂŒr vulnerable Gruppen wie Schwangere, Stillende und Kinder.
Biochemische Faktoren und Kontraindikationen
Die VertrÀglichkeit und der Erfolg einer rein pflanzlichen Kost hÀngen wesentlich von der individuellen Biochemie ab. Die ErnÀhrungswissenschaftlerin Liliya Galiyeva verweist darauf, dass Pflanzen lediglich Provitamin A in Form von Beta-Carotin liefern.
Liege eine genetisch bedingt reduzierte AktivitĂ€t des Enzyms BCMO1 vor, könne der Körper nicht ausreichend aktives Retinol bilden, was zu BeeintrĂ€chtigungen von Sehkraft, Immunsystem und Hautbild fĂŒhre. Zudem werde pflanzliches Omega-3 aus Leinsamen lediglich zu rund 3 Prozent in die aktiven tierischen Formen umgewandelt.
Ein wesentliches Risiko bestehe laut Galiyeva in einem raschen Abfall des Ferritinspiegels, da Nicht-HĂ€m-Eisen aus pflanzlichen Quellen deutlich schlechter resorbiert werde als HĂ€m-Eisen. Dies könne bis zu einer schweren AnĂ€mie mit Symptomen wie KĂ€lteempfindlichkeit, KonzentrationsschwĂ€chen und Haarausfall fĂŒhren.
Werde das Kaloriendefizit durch einfache Kohlenhydrate kompensiert, drohten Blutzuckerschwankungen, Insulinresistenz sowie Sarkopenie bei gleichzeitigem Zuwachs an viszeralem Fett.
Kontraindiziert sei der vollstĂ€ndige Verzicht auf tierische Produkte unter anderem bei DĂŒnndarmfehlbesiedlung (SIBO) sowie atrophischer Gastritis mit MagensĂ€uremangel, da unvollstĂ€ndig verdautes PflanzeneiweiĂ GĂ€rungs- und FĂ€ulnisprozesse begĂŒnstige. Bei anhaltender Erschöpfung, Zyklusstörungen oder anhaltenden Magen-Darm-Beschwerden raten Experten zur zeitnahen ĂberprĂŒfung der Blutwerte.
