VER-01, Cannabisextrakt

VER-01: Cannabisextrakt gegen neuropathische Rückenschmerzen zugelassen

Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 07:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Zulassung von VER-01 beruht auf Studien zur Schmerzlinderung; der Cochrane-Review sieht für Cannabispräparate insgesamt keine verlässlichen Belege.

VER-01 gegen chronische Rückenschmerzen in Deutschland und Österreich zugelassen
Ein heller, minimalistischer Behandlungsraum in einer medizinischen Einrichtung mit weichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Die therapeutischen Möglichkeiten für Patienten mit chronischen Rückenschmerzen erfahren durch die Zulassung des Cannabis-Vollspektrumextrakts VER-01 eine Erweiterung. Das von Vertanical und Exilby entwickelte Präparat wurde in Deutschland und Österreich für die Behandlung von Erwachsenen zugelassen, die unter chronischen Schmerzen im unteren Rücken mit einer neuropathischen Komponente leiden. Damit steht ein weiteres standardisiertes Arzneimittel auf Cannabisbasis zur Verfügung, dessen Wirksamkeit in klinischen Untersuchungen belegt wurde.

Studienergebnisse und klinische Wirksamkeit von VER-01

Die Zulassung stützt sich unter anderem auf eine in der Fachzeitschrift Nature Medicine veröffentlichte Studie, an der 820 Betroffene teilnahmen. In dieser Untersuchung wurde die application von VER-01 mit einem Placebo verglichen.

Die Ergebnisse zeigten, dass die Gruppe, die das Extrakt erhielt, im Durchschnitt eine signifikant stärkere Schmerzlinderung erzielte. Eine Studienautorin hob hervor, dass die Wirkung insbesondere bei neuropathischen Schmerzen sowie bei Patienten mit einer Schmerzdauer von mindestens zehn Jahren ausgeprägter war.

Neben der reinen Schmerzreduktion wurden auch Verbesserungen der Schlafqualität und der allgemeinen körperlichen Funktionen beobachtet. Die Verträglichkeit wurde als positiv bewertet: Die auftretenden Nebenwirkungen waren überwiegend leicht bis moderat ausgeprägt. Zudem gab es im Rahmen der Studie keine Hinweise auf die Entwicklung einer Abhängigkeit oder auf Entzugssymptome nach Absetzen des Präparats.

Marktverfügbarkeit und wirtschaftliche Rahmenbedingungen

In Deutschland erfolgte die Markteinführung von VER-01 bereits Anfang September 2026. Für den österreichischen Markt gibt es hingegen noch keinen konkreten Starttermin. Die Einführung in Österreich ist maßgeblich von einer Einigung über den Erstattungspreis durch die Sozialversicherungsträger abhängig.

Der wirtschaftliche Aspekt spielt in der Cannabistherapie eine zentrale Rolle: Schmerzmediziner weisen darauf hin, dass die Kosten für derzeit verfügbare cannabisbasierte Arzneimittel für Patienten 1.000 Euro oder mehr pro Monat betragen können.

Wissenschaftliche Einordnung und differenzierte Studienlage

Trotz der spezifischen Studienerfolge von VER-01 bleibt die wissenschaftliche Bewertung von Cannabis in der Schmerztherapie komplex. Ein aktualisierter Cochrane-Review, der 21 randomisierte Studien mit insgesamt 2.187 Erwachsenen auswertete, mahnte zur Differenzierung.

Die Autoren fanden keine verlässlichen Belege dafür, dass THC-, CBD- oder Kombinationspräparate neuropathische Schmerzen generell besser lindern als Placebos, und verwiesen auf methodische Mängel in vielen Bestandsstudien.

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Bei THC/CBD-Kombinationen bewerteten laut dem Review 268 von 1.000 Behandelten ihren Zustand als deutlich verbessert, im Vergleich zu 197 von 1.000 in der Placebogruppe. Gleichzeitig traten Nebenwirkungen im Bereich des Nervensystems bei etwa zwei Dritteln der THC/CBD-Gruppe auf, während dies in der Placebogruppe nur bei einem Viertel der Fall war. Die Rate für Verwirrtheit oder psychotische Symptome lag bei rund 11 % gegenüber 3 % unter Placebo.

Forschungen der Universitäten Oxford und des King's College London ergänzen dieses Bild. In einer Studie mit 121 Teilnehmenden, denen 1,5 mg isoliertes THC verabreicht wurde, berichteten 50 % der Probanden über Paranoia, während dieser Wert in der Placebogruppe bei 30 % lag.

Auch Untersuchungen der Washington State University deuten darauf hin, dass das subjektive Entspannungsgefühl beim Inhalieren von Cannabis nicht zwingend mit einer körperlichen Entspannung einhergeht; so sank zwar das Cortisol kurzfristig, der Puls stieg jedoch bei vielen Teilnehmenden an.

Gesellschaftliche Akzeptanz und regulatorische Anpassungen

In der deutschen Bevölkerung stößt die medizinische Nutzung von Cannabis auf eine breite Akzeptanz. Eine Umfrage von Appinio im Auftrag von DrAnsay im August 2026 ergab, dass 76,6 % der Befragten medizinisches Cannabis als reguläre Behandlungsoption anerkennen.

Rund 62,6 % würden eine solche Therapie auf ärztliche Empfehlung in Erwägung ziehen. Als Hauptbedenken wurden mögliche Abhängigkeiten (27,4 %) sowie körperliche (25,2 %) und psychische Nebenwirkungen (23,2 %) genannt.

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Parallel zu den neuen Behandlungsoptionen gibt es regulatorische Änderungen in der Abrechnung. Im Bereich der kassenärztlichen Versorgung soll die vertragsärztliche Stellungnahme zum Cannabis-Genehmigungsantrag (GOP 01626) künftig nur noch dreimal je Krankheitsfall abgerechnet werden können. Hintergrund ist eine Reduktion des THC-Therapeutikaspektrums innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung.

Experten der Deutschen Schmerzgesellschaft betonen unterdessen, dass die Behandlung chronischer Schmerzen – definiert als Schmerzen von mehr als drei Monaten Dauer – stets ganzheitlich erfolgen sollte. Da bis zu 80 % der Patienten auch unter Schlafstörungen leiden, werden neben medikamentösen Ansätzen wie VER-01 auch individuell angepasste Bewegung, Entspannungstechniken und interdisziplinäre Behandlungsmodelle empfohlen.

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de | wissenschaft | 70181706 |