Neobanken verstĂ€rkt im Visier von BetrĂŒgern
Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 11:31 Uhr | dpa.de
Digitale Finanzdienstleister wie Neobanken sind zunehmend Ziel von Cyberbetrug. Im vergangenen Jahr gingen bei der Zentralstelle fĂŒr Finanztransaktionsuntersuchungen (Financial Intelligence Unit - FIU) entsprechende 108.158 Verdachtsmeldungen ein. Das war ein Höchstwert und deutlich mehr als im Vorjahr, als es 34.357 waren. Die ĂŒberwiegende Zahl entfalle auf Neobanken, hieĂ es.
Digitale Finanzdienstleister seien innerhalb weniger Jahre von einem Nischensegment zu einer tragenden SĂ€ule neben den klassischen Kreditinstituten geworden. Ihr Anteil an allen Verdachtsmeldungen sei von 13 auf 29 Prozent gestiegen, teilte die FIU in ihrem Jahresbericht mit. Die Dienstleister zeichnen sich den Angaben zufolge durch eine weitgehend digitalisierte Kundenbeziehung, schnellere Kontoeröffnungen sowie eine oft grenzĂŒberschreitende Ausrichtung aus.Â
Die FIU ist eine beim Zoll angesiedelte Behörde mit Sitz in Köln. Datenwissenschaftler, Juristen und Ermittler untersuchen dort verdĂ€chtige Geldströme. Ziel ist, GeldwĂ€sche und Terrorismusfinanzierung zu verhindern. Dazu wertet die Behörde Verdachtsmeldungen nach dem GeldwĂ€schegesetz aus. Die FIU beschĂ€ftigt 587 Menschen.Â
Mehr als 300 Millionen Euro Schaden durch Fake-Abo-BetrĂŒger
2025 verzeichnete die Behörde einen der gröĂten je aufgedeckten
FĂ€lle von Kreditkartenbetrug in Deutschland: die «Operation Chargeback». Kriminelle Netzwerke schufen laut FIU zwischen 2016 und 2021 rund 19 Millionen fingierte Online-Abonnements fĂŒr Erwachsenenunterhaltung, Dating-Plattformen und Streaming-Dienste. Die monatlichen Abbuchungen lagen bei bis zu 50 Euro. Viele Karteninhaber bemerkten dies nicht sofort oder ordneten es einem vergessenen Abonnement zu.Â
Betroffen waren mehr als 4,3 Millionen Menschen in 193 LĂ€ndern. Der Gesamtschaden wurde auf mehr als 300 Millionen Euro geschĂ€tzt. Am 4. November 2025 fĂŒhrten Ermittler in zehn LĂ€ndern Razzien durch und vollstreckten 21 Haftbefehle. Die FIU hatte im Vorfeld rund 14 Millionen Einzeltransaktionen ausgewertet und dabei ein auffĂ€lliges Muster erkannt. Der Fall zeige, «wie Betrug und GeldwĂ€sche in der digitalen Welt zunehmend verschmelzen», sagte Behördenleiter Daniel Thelesklaf.
Die Zuleitung auf entsprechende Portale erfolgte laut FIU hĂ€ufig ĂŒber gezielte TĂ€uschungen. Betroffene berichteten von Kurznachrichten, in denen eine angebliche Paketzustellung angekĂŒndigt und eine geringe ZustellgebĂŒhr verlangt werde. Der enthaltene Link fĂŒhre auf eine Webseite, die bekannte Paketdienstleister nachbilde und die Eingabe der Kreditkartendaten verlange. In anderen FĂ€llen wĂŒrden Gewinnspiele vorgetĂ€uscht. Die Eingabe der Daten fĂŒhre zum versteckten Abschluss eines Abonnements.
41 Prozent mehr VerdachtsfÀlle als im Vorjahr
Insgesamt registrierte die FIU 2025 knapp 374.700 Verdachtsmeldungen - rund 41 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der darin enthaltenen Transaktionen stieg um rund 88 Prozent auf etwa 3,2 Millionen. Der Zuwachs sei vor allem auf den Finanzsektor zurĂŒckzufĂŒhren, heiĂt es.
Die Behörde schrieb insgesamt gut 67.000 Analyseberichte an Ermittlungs- und Sicherheitsbehörden, knapp 24 Prozent weniger als im Vorjahr.
