VerkehrslÀrm, Dezibel

VerkehrslÀrm: Mehr als 50 Dezibel erhöhen Herz-Kreislauf-Risiken um bis zu 10 Prozent

Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 09:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Untersuchung mit 108.051 Erwachsenen verknĂŒpft dauerhaften VerkehrslĂ€rm mit mehr Herz-Kreislauf-Risikofaktoren, unabhĂ€ngig von der SchlafqualitĂ€t.
Eine nĂ€chtliche, menschenleere Wohnstraße mit moderner Architektur und gedĂ€mpfter Beleuchtung als Symbol fĂŒr stĂ€dtische LĂ€rmbelastung. Illustration mit AI erstellt.

VerkehrslĂ€rm am Wohnort gilt in der medizinischen Forschung zunehmend als eigenstĂ€ndiger Risikofaktor fĂŒr schwerwiegende Herz-Kreislauf-Ereignisse. Eine groß angelegte Untersuchung des Massachusetts General Hospital, die fĂŒr die wissenschaftliche Tagung der American Heart Association im November 2026 in Chicago vorbereitet wurde, liefert dazu neue statistische Belege.

Demnach schĂŒtzt selbst ein ungestörter und regelmĂ€ĂŸiger Schlaf den menschlichen Körper nicht vor den negativen kardiovaskulĂ€ren Folgen einer dauerhaften GerĂ€uschbelastung.

Belastung ĂŒber 50 Dezibel steigert klinische Risikofaktoren

Die Forschungsarbeit stĂŒtzt sich auf DatensĂ€tze der Mass General Brigham Biobank aus dem Zeitraum von 2010 bis 2020. Insgesamt wurden 108.051 Erwachsene mit einem Medianalter von 57 Jahren erfasst, von denen 58 Prozent Frauen waren.

In der Stichprobe waren 33 Prozent der Personen einem LĂ€rmpegel von ĂŒber 50 Dezibel ausgesetzt, wĂ€hrend 54,5 Prozent ĂŒber 45 Dezibel erreichten. Einen auffĂ€lligen oder ungesunden Schlaf wiesen 34,7 Prozent der Probanden auf.

Die Auswertung ergab, dass eine Exposition von mehr als 50 Dezibel mit einem um acht bis zehn Prozent höheren Risiko fĂŒr die Entwicklung zentraler Herz-Kreislauf-Erkrankungsfaktoren verknĂŒpft war.

Der stĂ€rkste Zusammenhang zeigte sich bei erhöhtem Cholesterin, gefolgt von Bluthochdruck und Typ-2-Diabetes. Der Hauptautor der Analyse, Joseph Nguyen vom Massachusetts General Hospital, unterstrich, dass ein regelmĂ€ĂŸiger Schlaf kein Schutzschild gegen die schĂ€dlichen EinflĂŒsse des LĂ€rms auf das Herz darstelle.

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Der beobachtete Zusammenhang erwies sich bei Menschen mit gesundem Schlaf als Àhnlich ausgeprÀgt wie bei Personen mit Schlafproblemen. Diese Korrelation blieb auch nach der statistischen Bereinigung um Faktoren wie Alter, Geschlecht, Luftverschmutzung, Einkommen sowie depressive Symptome und AngstzustÀnde bestehen.

Gleichzeitig verweist das Forschungsteam auf methodische EinschrĂ€nkungen. Da es sich um Beobachtungsdaten handelt, kann kein kausaler Nachweis gefĂŒhrt werden. Zudem wurde die Belastung als 24-Stunden-Durchschnitt ohne Erfassung kurzzeitiger Spitzenwerte ermittelt, und es erfolgte keine Differenzierung nach einzelnen LĂ€rmquellen.

Das Abstract war zum Vorstellungszeitpunkt noch nicht von unabhÀngigen Fachkollegen begutachtet worden. Keith Churchwell, Sprecher der American Heart Association, hob hervor, dass Umweltfaktoren grundsÀtzlich wesentlich zur Entstehung von Herzkrankheiten beitragen.

Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation und europÀische Schadensbilanz

Die Problematik wird auch durch Richtwerte internationaler Gesundheitsbehörden unterstrichen. FĂŒr einen ungestörten Schlaf empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) einen Schalldruckpegel von maximal 40 Dezibel im Schlafzimmer. FĂŒr StraßenverkehrslĂ€rm rĂ€t die Organisation zu Werten unterhalb von 53 Dezibel wĂ€hrend des Tages sowie unter 45 Dezibel in der Nacht.

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Welche Folgen eine Überschreitung dieser Grenzwerte auf Bevölkerungsebene hat, verdeutlichen SchĂ€tzungen der EuropĂ€ischen Umweltagentur (EEA) fĂŒr das Jahr 2021. Demnach ließen sich in Europa rund 73.000 vorzeitige TodesfĂ€lle, 49.000 Neuerkrankungen an Herz-Kreislauf-Leiden und 23.000 neue FĂ€lle von Typ-2-Diabetes auf die Belastung durch VerkehrslĂ€rm zurĂŒckfĂŒhren.

Zudem liegen nach Angaben der Umweltagentur rund 60.000 Schulen sowie 15.000 KrankenhÀuser und Gesundheitszentren in Zonen mit einer LÀrmbelastung von 55 Dezibel oder mehr.

Rund 560.000 europĂ€ische Schulkinder weisen infolge dieser Bedingungen Leseschwierigkeiten auf. Zudem bringt die EEA rund 485.000 FĂ€lle von Depression sowie Tausende Demenzerkrankungen mit chronischem LĂ€rm in Verbindung. Besonders gefĂ€hrdet seien dabei Ă€ltere BĂŒrger, Kinder sowie Menschen mit gesundheitlichen Vorbelastungen.

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