Vietnam klassifiziert 46 KI-Systeme als hochriskant: Neue Regeln ab August
06.07.2026 - 12:28:00 | boerse-global.de
Hanoi – Die vietnamesische Regierung hat 46 Künstliche-Intelligenz-Systeme offiziell als „hochriskant" eingestuft. Ein Schritt mit Signalwirkung für die gesamte Region.
Am 30. Juni unterzeichnete Vizepremier Ho Quoc Dung das Dekret 33/2026/QD-TTg, das einen rechtlichen Rahmen für die Überwachung der Technologie in sechs zentralen Wirtschafts- und Sozialbereichen schafft. Die neuen Regeln treten bereits am 15. August 2026 in Kraft.
Verkehrssektor im Fokus
Die hochriskanten Systeme verteilen sich auf die Bereiche Bildung, Ethnien und Religion, Gesundheitswesen, Banken, Justiz und Verkehr. Besonders stark betroffen ist der Verkehrssektor: 31 der 46 gelisteten Systeme fallen in seinen Zuständigkeitsbereich. Dazu gehören etwa automatisierte Fahrzeugsteuerungen, die ohne menschliche Aufsicht operieren.
Entwickler und Betreiber dieser Systeme müssen künftig Risikostufen beim Wissenschaftsministerium melden. Zudem sind formelle Konformitätsbewertungen vorgeschrieben, die menschliche Kontrollmöglichkeiten und die Einhaltung des nationalen KI-Gesetzes sicherstellen sollen.
Die Übergangsfristen variieren: Unternehmen in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Banken haben bis zum 1. September 2027 Zeit zur Umsetzung. Für Verkehr und Justiz gilt bereits der 1. März 2027 als Stichtag.
Während Vietnam eigene Regeln für KI-Systeme einführt, müssen Unternehmen hierzulande bereits die Anforderungen des EU AI Act erfüllen. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden bietet einen kompakten Überblick über alle neuen Pflichten, Risikoklassen und Fristen für Entwickler und Anwender. EU AI Act in 5 Schritten verstehen
Milliardeninvestitionen in die KI-Infrastruktur
Die Klassifizierung ist Teil einer umfassenden Strategie zum Aufbau eines nationalen KI-Ökosystems. Vietnam will bis 2030 zu den drei führenden ASEAN-Nationen in der KI-Forschung gehören.
Das Dekret 260/2026/N?-CP schafft dafür Anreize: Staatliche Fördermittel über die Fonds NAFOSTED und NATIF können bis zu 100 Prozent der Projektkosten abdecken. Forscher an strategischen Technologien erhalten möglicherweise Einkommensteuerbefreiungen, Unternehmen Zinsvergünstigungen von bis zu 70 Prozent.
Die Industrie reagiert bereits: FPT investierte 200 Millionen Euro gemeinsam mit NVIDIA in eine KI-Fabrik. Die großen Telekommunikations- und Technologiekonzerne Viettel, VNPT, VinAI und Zalo entwickeln derzeit vietnamesische Large Language Models (LLMs). Das Wissenschaftsministerium schreibt vor, dass KI-Plattformen in der öffentlichen Verwaltung LLMs nutzen müssen, die von vietnamesischen Unternehmen kontrolliert werden – mit Servern im Inland.
Neue Regeln für Hochschulen
Parallel dazu erließ das Bildungsministerium mit dem Rundschreiben 49/2026/TT-BGD?T erstmals formelle Regeln für KI, Big Data und Cloud Computing in der Hochschulbildung. Verboten werden unter anderem KI-gestützter Betrug, Plagiate und Datenfälschung in Forschung und Prüfungen. Hochschulen müssen interne KI-Verhaltenskodizes erlassen und offenlegen, wann die Technologie in Lehre oder Bewertung eingesetzt wird.
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Erst Anfang Juli startete die VinUni University mit V-Bench AI ein gemeinnütziges Benchmarking-Tool für vietnamesische LLMs. Der Datensatz umfasst über 40.000 Fragen zu regionaler Vielfalt, digitaler Sicherheit und kulturellen Besonderheiten – und bewertet 15 verschiedene Modelle.
Laut Vize-Wissenschaftsminister Bui Hoang Phuong sollen strategische Produkte wie KI-Kameras, autonome Roboter und Drohnen noch vor Jahresende erste kommerzielle Ergebnisse liefern. Das Ministerium prüft derzeit 28 Technologievorschläge, die Bewertungen sollen bis zum 20. Juli abgeschlossen sein.
