Vietnam regelt KI in Schulen: Neue Verordnung ab 15. August
06.07.2026 - 23:31:38 | boerse-global.de
Hanoi – Vietnam hat als eines der ersten Länder Südostasiens einen rechtlichen Rahmen für Künstliche Intelligenz in Schulen und Hochschulen geschaffen. Die neuen Regeln sollen digitale Transformation ermöglichen, ohne akademische Standards zu opfern.
Das Bildungsministerium erließ am 30. Juni die Verordnung Nr. 49/2026/TT-BGD?T, die den Einsatz von KI, Big Data, Cloud-Computing und Virtual Reality in Ausbildung, Prüfungen, Forschung und Hochschulverwaltung regelt. Die Vorschriften treten am 15. August in Kraft und definieren vier Hauptformen des Lernens: Präsenzunterricht mit digitaler Unterstützung, reines Online-Lernen, Mischformen sowie personalisierte Bildungswege, die auf Daten und KI basieren.
Akademische Integrität als Kern der neuen Regeln
Ein zentraler Punkt der Verordnung ist die Sicherstellung wissenschaftlicher Redlichkeit. Das Ministerium verbietet ausdrücklich den Einsatz von KI zum Betrug, Plagiat oder zur Fälschung von Forschungsdaten. Jede Universität und Berufsschule muss einen eigenen KI-Verhaltenskodex entwickeln und veröffentlichen.
Die Regulierung kommt nicht von ungefähr. Eine aktuelle Umfrage der Dong A Universität ergab, dass 95 Prozent der Studenten und 89 Prozent der Dozenten ChatGPT bereits genutzt haben. Die Studie offenbarte jedoch auch erhebliche Wissenslücken: Nur 12,5 Prozent der Dozenten und 28,6 Prozent der Studenten verfügten über ein klares Verständnis der Technologie. Als größtes Hindernis für verantwortungsvollen Einsatz nannten die Lehrenden das Fehlen offizieller Leitlinien. Eine Mehrheit der Studenten äußerte zudem Bedenken hinsichtlich der Zuverlässigkeit KI-generierter Inhalte.
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Hochrisiko-KI-Systeme unter besonderer Beobachtung
Parallel dazu unterzeichnete Vizepremierminister Ho Quoc Dung am 30. Juni den Beschluss Nr. 33/2026/QD-TTg, der 46 KI-Systeme in sechs kritischen Sektoren als hochriskant einstuft. Im Bildungsbereich fallen drei Anwendungen unter diese Kategorie: selbstlernende Inhaltsvermittlung, automatisierte Bewertungssysteme und Werkzeuge zur Überwachung des Studentenverhaltens.
Diese Hochrisiko-Systeme müssen dem nationalen KI-Gesetz entsprechen und unterliegen einer verpflichtenden menschlichen Aufsicht. Organisationen, die solche Technologien einsetzen, müssen Risiken dem Wissenschaftsministerium melden, detaillierte Risikomanagementpläne vorlegen und regelmäßige Konformitätsprüfungen durchführen. Die Behörden haben die Befugnis, jedes System zu sperren, das ein nicht gemindertes Risiko darstellt.
Gestaffelte Übergangsfristen für Bestandssysteme
Die Regierung hat für bereits bestehende KI-Systeme eine gestaffelte Übergangsphase eingerichtet. Systeme, die vor dem 15. August in Betrieb waren, müssen bis zu bestimmten Stichtagen vollständig konform sein. Für Hochrisiko-Systeme in Bildung, Gesundheitswesen und Bankensektor gilt der 1. September 2027 als Frist. Systeme in anderen Sektoren – der Verkehrssektor umfasst 31 der 46 Hochrisiko-Kategorien – müssen bis zum 1. März 2027 nachgerüstet sein.
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Flankiert wird der Regulierungsvorstoß durch lokale Initiativen zur Festlegung technischer Standards. Am heutigen Montag startete die VinUni-Universität das gemeinnützige Tool V-Bench AI, das die vietnamesische Sprachkompetenz und kulturelle Nuancen großer Sprachmodelle (LLMs) bewertet. Das Tool nutzt einen Datensatz von über 40.000 Aufgaben, um regionale Vielfalt, digitale Sicherheit und praktische Anwendungen zu prüfen.
Diese Entwicklungen fallen in eine Zeit, in der das Bildungsministerium grundlegende Infrastrukturprobleme lösen muss. Berichte vom Juni 2026 zeigen, dass dem nationalen Bildungssystem rund 45.000 Lehrer und 27.000 Klassenzimmer fehlen. Die vorhandene Lehrtechnologie deckt nur die Hälfte des erforderlichen Bedarfs.
