Vitamin-B12-Mangel: Über 80 Prozent betroffen, wenn tierische Quellen fehlen
Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 00:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ernährungsratgeber warnen vor kritischen Versorgungsengpässen und Störungen des Fettstoffwechsels, wenn ein Speiseplan ausschließlich auf Gemüse basiert und essenzielle Proteine sowie Fette vollständig ausklammert. Während Gemüse einen festen Bestandteil einer ausgewogenen Kost darstellt, führt ein radikaler Verzicht auf andere Makronährstoffe zu physiologischen Belastungen und erhöht das Risiko schwerer Mangelerscheinungen.
Enorme Mengen und sinkender Energiebedarf
Gemüse zeichnet sich durch eine geringe Energiedichte und einen hohen Wassergehalt aus. Um bei einer reinen Gemüsekost einen Tagesbedarf von 2.000 Kilokalorien zu decken, wären laut Ratgeberangaben täglich etwa 7 bis 10 Kilogramm Gemüse erforderlich. Ein solches Volumen ist im Alltag kaum zu bewältigen, weshalb eine derartige Ernährungsweise fast zwangsläufig mit einem drastischen Kaloriendefizit einhergeht.
In der Folge könne der Grundumsatz des Körpers innerhalb weniger Wochen um bis zu 15 Prozent absinken. Der Ratgeber liefert für diese Angaben allerdings keine konkreten Studienbelege.
Auch andere populäre Berichte über angebliche Nährstoffverluste bei Lebensmitteln bleiben fundierte Daten schuldig. So wurde in Medienberichten behauptet, aufgrund eines Nährstoffschwunds sei die doppelte Menge an Gemüse erforderlich, ohne dass hierfür Nachweise oder Studien angeführt wurden.
Mangel an Proteinen und Vitamin B12
Eine Kostform ohne Fett- und Eiweißquellen gefährdet den Erhalt von Muskelgewebe und lebenswichtigen Enzymsystemen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für Erwachsene zwischen 19 und unter 65 Jahren eine tägliche Zufuhr von 0,8 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht, ab 65 Jahren liegt der Schätzwert bei 1,0 Gramm pro Kilogramm.
Eine Metaanalyse von 30 randomisierten Studien zeigte zudem einen leichten Vorteil tierischer Proteinquellen beim Aufbau und Erhalt der Muskelmasse gegenüber pflanzlichen Alternativen (SMD ?0,20; 95%-KI ?0,37 bis ?0,03). In zehn Krafttrainingsstudien mit 167 beziehungsweise 168 Teilnehmenden lag dieser Wert bei ?0,45 (95%-KI ?0,85 bis ?0,05).
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Noch gravierender fallen die Risiken bei Mikronährstoffen aus: Werden weder tierische noch gezielt angereicherte Lebensmittel verzehrt, entwickeln Ratgeberangaben zufolge über 80 Prozent der Betroffenen nach ein bis zwei Jahren einen schweren Vitamin-B12-Mangel.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung betont daher, dass Personen, die den Konsum tierischer Produkte stark einschränken, besonders auf eine ausreichende Versorgung mit Vitamin B12, Eisen, Zink und Protein achten müssen.
Bedeutung gesunder Fette und gezielter Kontrollen
Ein funktionierender Fettstoffwechsel sowie die Aufnahme fettlöslicher Vitamine setzen die Zufuhr von Nahrungsfetten voraus. Pflanzliche Quellen wie Kerne und Nüsse liefern hierbei wichtige Nährstoffe. Laut der Schweizer Nährwertdatenbank enthalten beispielsweise Kürbiskerne 49,1 Gramm Fett pro 100 Gramm.
Die USDA-Nährwertdatenbank weist für 100 Gramm Kürbiskerne unter anderem 8,36 Milligramm Eisen, 500 Milligramm Magnesium, 6,34 Milligramm Zink sowie 35,10 Milligramm Vitamin E aus. Als Orientierungswert empfiehlt die DGE täglich etwa 25 Gramm Nüsse und Samen.
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Bei stark pflanzenbetonter oder restriktiver Ernährung raten Fachleute von pauschalen Blutbildern ab. Diagnostische Tests sollten sich stattdessen an Vorerkrankungen und Beschwerden orientieren. Zur verlässlichen Überprüfung des Vitamin-B12-Status dienen neben Gesamt-B12 vor allem Holotranscobalamin oder Methylmalonsäure.
Ferritin sollte stets im Zusammenhang mit möglichen Entzündungsmarkern bewertet werden, während der Vitamin-D-Spiegel standardmäßig über 25-OH-Vitamin D erfasst wird. Auffällige Laborwerte und Nahrungsergänzungen bedürfen grundsätzlich einer ärztlichen Einordnung.

