Vitamin C bei Blutkrebs: EVITA-Studie verfehlt ihr wichtigstes Therapieziel
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 05:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Interesse an hochdosiertem Vitamin C reicht von der Onkologie bis zur alltĂ€glichen Vorbeugung. Aktuelle FachbeitrĂ€ge und Untersuchungen diskutieren derzeit sowohl das therapeutische Potenzial von AscorbinsĂ€ure bei Tumorerkrankungen als auch die gesundheitlichen Bedenken hinsichtlich einer dauerhaften, unsachgemĂ€Ăen Zufuhr ĂŒber NahrungsergĂ€nzungsmittel wie Brausetabletten.
Erkenntnisse aus der klinischen EVITA-Studie
In der am 21. September 2026 im Fachjournal CANCER der American Cancer Society publizierten Phase-2-Studie EVITA untersuchten Forschende aus DĂ€nemark und den USA die Wirkung einer tĂ€glichen Gabe von 1.000 mg Vitamin C ĂŒber zwölf Monate.
An der doppelblinden Untersuchung nahmen 109 Erwachsene mit Vorstufen von Blutkrebs oder niedrigrisikoförmigen Erkrankungen teil, konkret mit klonaler Zytopenie unbestimmter Signifikanz (CCUS) oder myelodysplastischem Syndrom (MDS).
Keiner der Probanden erhielt wÀhrenddessen eine regulÀre Krebstherapie. WÀhrend mehr als die HÀlfte der Teilnehmenden zu Beginn einen Mangel aufwies, konnte die Zufuhr den Vitamin-C-Spiegel normalisieren.
Das vorab festgelegte Hauptziel â die Hemmung des Wachstums abnormer Blutzellen â wurde im Vergleich zu Placebo jedoch nicht erreicht. Auch ein seltenerer Ăbergang in eine akute myeloische LeukĂ€mie (AML) lieĂ sich nicht nachweisen.
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In einer exploratorischen Analyse nach einem medianen Beobachtungszeitraum von 33,6 Monaten traten allerdings insgesamt 35 TodesfÀlle auf: elf in der Gruppe mit 55 Personen unter Vitamin C und 24 in der Placebogruppe mit 54 Personen.
Zudem verĂ€nderten sich EntzĂŒndungssignale und Zytokin-Spiegel gĂŒnstig, wĂ€hrend schwere unerwĂŒnschte Ereignisse bei 18 von 55 Personen (33 Prozent) unter Vitamin C gegenĂŒber 30 von 53 Personen (57 Prozent) unter Placebo seltener vorkamen. Allerdings traten Magen-Darm-Probleme unter der Einnahme hĂ€ufiger auf.
Laut dem Van Andel Institute und Studienleiterin Kirsten GrĂžnbĂŠk rechtfertigen diese exploratorischen Signale eine gröĂere Phase-3-Studie, stellen jedoch keineswegs eine Empfehlung fĂŒr Vitamin C als Krebstherapie dar. Hochdosiertes intravenöses Vitamin C ist zudem nicht von der US-Arzneimittelbehörde FDA als Krebsmedikament zugelassen und birgt spezifische Risiken wie Nierenversagen bei bestehenden NierenschĂ€den.
Experimentelle AnsÀtze und Warnung vor Brausetabletten
Neben systemischen Anwendungen untersuchte eine klinische Arbeit auch lokale Verabreichungen: Eine 30-prozentige AscorbinsĂ€urelösung im TrĂ€gerstoff Dimethylsulfoxid (DMSO) wurde bei 17 Patienten ĂŒber zwölf Woche zweimal tĂ€glich auf 27 biopsiebestĂ€tigte Plattenepithelkarzinome in situ aufgetragen.
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Bei 56 Prozent der LĂ€sionen zeigte sich eine vollstĂ€ndige histologische Abheilung, wĂ€hrend die durchschnittliche TumorflĂ€che um 71 Prozent von 1,06 auf 0,30 Quadratzentimeter zurĂŒckging. Als Wirkmechanismus vermuten Fachleute eine hohe lokale Konzentration, die im Tumorgewebe prooxidativ wirkt und oxidativen Stress erzeugt.
Dem medizinischen Potenzial steht jedoch die unbedachte Einnahme frei verkĂ€uflicher PrĂ€parate gegenĂŒber. Die EuropĂ€ische Union nennt einen Referenzwert (NRV) von 80 mg Vitamin C pro Tag fĂŒr eine normale Funktion des Immunsystems. Bei Brausetabletten weisen Experten auf die oft unterschĂ€tzte Belastung durch Zusatzstoffe hin.
Ein Marktcheck der Verbraucherzentrale NRW aus dem Jahr 2025 zeigte bei BrauseprĂ€paraten durch Inhaltsstoffe wie Natriumhydrogencarbonat einen Durchschnittswert von 0,67 g Salz pro Tagesdosis. Dies belastet den Natriumhaushalt zusĂ€tzlich zu einer ohnehin oft zu salzreichen ErnĂ€hrung, fĂŒr die Fachgesellschaften eine Grenze von maximal 6 g tĂ€glich empfehlen. Zudem kann eine ĂŒbermĂ€Ăige Zufuhr isolierter NĂ€hrstoffe den Magen-Darm-Trakt belasten und Wechselwirkungen mit bestehenden Medikationen hervorrufen.
