Vitamin, Zink

Vitamin C und Zink: 16 von 21 Präparaten fallen bei Öko-Test durch

Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 14:36 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Produkttest bemängelt häufig überhöhte Dosierungen und Zusatzstoffe; für die Erkältungsvorbeugung zeigt sich kaum ein Nutzen.
Leere Laborbecher und eine Waage auf einem sauberen, hellen Labortisch in einer sterilen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Kombinationspräparate aus Vitamin C und Zink werden zur Erkältungszeit häufig nachgefragt. Eine Untersuchung des Verbrauchermagazins Öko-Test für die Ausgabe 11/2026 zeigt jedoch erhebliche Mängel in dieser Produktkategorie auf. Die Prüfer sahen für die gesunde Allgemeinbevölkerung keinen echten Mehrwert in den Mitteln.

Von 21 getesteten Nahrungsergänzungsmitteln fielen 16 mit den Noten mangelhaft oder ungenügend durch. Als bestes Ergebnis im Testfeld vergaben die Tester lediglich einmal die Note befriedigend an die Cetebe Abwehr Fit Vitamin C + Zink Lutschtabletten.

Deutliche Überschreitungen der Höchstmengenempfehlungen

Die Untersuchung umfasste Kapseln, Tabletten, Lutschtabletten, Brausetabletten sowie ein Flüssigkonzentrat aus Drogerien, Supermärkten, Apotheken und Online-Shops. Die Spanne der Kosten pro höchster empfohlener Tagesdosis reichte von 0,03 bis 1,93 Euro.

Bei den Dosierungen ergab sich ein uneinheitliches Bild: Die enthaltenen Mengen lagen pro Tagesdosis zwischen 12 und 1.000 mg Vitamin C sowie zwischen 2,25 und 15 mg Zink. Lediglich vier Produkte bewegten sich innerhalb der Orientierungswerte des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR).

Das BfR empfiehlt für Nahrungsergänzungsmittel Höchstmengen von maximal 250 mg Vitamin C und 6,5 mg Zink pro Tag. Im Test überschritten 13 von 21 Präparaten den Richtwert für Vitamin C, während 11 Produkte über der Empfehlung für Zink lagen. Fünf Mittel wiesen mit 1.000 mg Vitamin C pro Tagesdosis das Vierfache des BfR-Werts auf.

Vier Präparate lieferten 15 mg Zink, was mehr als das Doppelte der Empfehlung darstellt. Mehr als 2.000 mg Vitamin C, was Durchfall auslösen kann, erreichte keines der getesteten Mittel. Zudem empfiehlt das BfR ab einer Tagesdosis von 3,5 mg Zink einen Warnhinweis auf der Verpackung, der bei zehn Präparaten fehlte.

Bedenkliche Zusatzstoffe und toxikologische Risiken

Neben hohen Dosierungen beanstandeten die Prüfer bedenkliche Inhaltsstoffe in zehn Produkten. Fünf Präparate enthielten Talkum, für das ein Vorschlag der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) zur Einstufung als wahrscheinlich krebserregend vorliegt. In jeweils drei Produkten wurden Phosphatverbindungen sowie Polysorbat 80 oder Carboxymethylcellulose nachgewiesen. Vier Brausetabletten enthielten Süßstoffe.

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Hinsichtlich der Zinkaufnahme verweist die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) auf eine tolerierbare tägliche Gesamtaufnahme von maximal 25 mg Zink inklusive der Zufuhr über Lebensmittel. Dauerhaft höhere Mengen bergen das Risiko eines Kupfermangels, der die Blutbildung beeinträchtigen kann.

Die empfohlene tägliche Zufuhr für Erwachsene liegt bei 8 bei 11 mg Zink, regelmäßig sollten nicht mehr als 40 mg konsumiert werden. Zudem warnt die US-Arzneimittelbehörde FDA vor Zink-Nasensprays wegen des Risikos eines dauerhaften Geruchsverlusts. Zu den allgemeinen Nebenwirkungen einer Zinkzufuhr zählen schlechter Geschmack, Übelkeit und Durchfall.

Wissenschaftliche Evidenz zur Infektionsprävention

Fachleute bewerten die Wirksamkeit routinemäßiger Einnahmen skeptisch. Der Zinkexperte Lothar Rink von der Universitätsmedizin Aachen wies darauf hin, dass sich aus Studien zur Zinksupplementierung bei akuten Erkältungen keine eindeutige Empfehlung ableiten lasse.

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Für messbare Effekte seien teils Dosen eingenommen worden, die bei einer dauerhaften Zufuhr toxisch wirken könnten. Ein Cochrane-Review aus dem Jahr 2024, der 34 Studien mit Dosierungen von 0,044 bis 296 mg Zink pro Tag auswertete, fand kaum bis keinen Nutzen einer regelmäßigen Einnahme zur Vorbeugung.

Bei der Behandlung deutete sich eine Verkürzung der Erkältungsdauer um rund 2,4 Tage gegenüber Placebo an, allerdings bei geringem Vertrauen in die Evidenz. Eine frühere systematische Übersichtsarbeit von Hemilä aus dem Jahr 2011 ergab erst bei Tagesdosen von über 75 mg Zink Effekte auf die Krankheitsdauer, während Dosierungen darunter wirkungslos blieben.

Ernährungsmediziner stufen Präparate ohne festgestellten Mangel als überflüssig ein. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) existiert in Industrieländern praktisch kein Vitamin-C-Mangel.

Laut BfR nehmen Menschen in Deutschland über die Nahrung durchschnittlich rund 130 mg Vitamin C täglich auf. Die DGE verweist darauf, dass eine halbe rote Paprika und ein kleines Glas Orangensaft genügen, um den täglichen Bedarf zu decken. Raucher benötigen laut DGE rund 40 Prozent mehr Vitamin C als Nichtraucher.

Fachärzte weisen darauf hin, dass gesunde Erwachsene meist bis zu 2.000 mg Vitamin C pro Tag vertragen. Magen-Darm-Beschwerden wie Blähungen oder Oberbauchschmerzen treten laut DGE ab drei bis vier Gramm täglich auf.

Bei Vorerkrankungen wie Nierenschäden oder einer Neigung zu Nierensteinen sollte die Zufuhr von Ascorbinsäure ein Gramm pro Tag nicht überschreiten, bei Störungen der Eisenverwertung wie der Eisenspeicherkrankheit maximal 500 mg.

Eine gezielte Supplementierung mit Zink kann nach ärztlicher Absprache bei bestimmten Gruppen wie Schwangeren, Stillenden oder Personen mit vegetarischer und veganer Ernährungsweise sinnvoll sein.

Mehr zum Thema bei FAZ: „Öko-Test: Präparate mit Zink und Vitamin C überschätzt“

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