Vitamin D gegen Atemwegsinfekte: 46 Studien finden keinen Schutz
Veröffentlicht am: 07.11.2026 um 10:46 Uhr | Redaktion boerse-global.deViele Menschen greifen zur Vorbeugung von Infekten oder zur Förderung des Wohlbefindens zu Nahrungsergänzungsmitteln. Laut einer Umfrage nutzen rund 70 Prozent der Deutschen solche Präparate; über 50 Prozent konsumieren Vitamine und gut ein Drittel Mineralstoffe.
Fachleute und aktuelle Übersichten betonen jedoch, dass Nahrungsergänzungsmittel rechtlich als Lebensmittel und nicht als Arzneimittel gelten. Sie durchlaufen vor dem Verkauf keine behördliche Zulassungsprüfung, sondern lediglich eine Registrierung beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Nach Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung sind sie für gesunde Personen mit ausgewogener Ernährung in der Regel überflüssig.
Begrenzte Schutzwirkung gegen Erkältungen
Wissenschaftliche Analysen relativieren insbesondere die Annahme, Erkältungen ließen sich durch die Zufuhr von Vitaminen zuverlässig abwenden. Eine Auswertung der Cochrane Collaboration ergab, dass eine regelmäßige Einnahme von Vitamin C die Dauer von Erkältungen bei Erwachsenen um etwa 8 Prozent und bei Kindern um 14 Prozent verkürzen kann.
Eine Einnahme erst nach dem Auftreten von Symptomen führe hingegen zu keiner konsistenten Verkürzung. Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2023, die 15 Vergleiche aus zehn randomisierten Doppelblindstudien mit einer Dosis von mindestens einem Gramm Vitamin C pro Tag umfasste, wies auf eine um durchschnittlich 15 Prozent geringere Symptomschwere gegenüber Placebo hin.
Dieser Effekt zeigte sich vor allem bei schweren Symptomen, während leichte Beschwerden nicht signifikant beeinflusst wurden. Zur allgemeinen Vorbeugung senkt das Vitamin die Infektionshäufigkeit in der breiten Bevölkerung laut Cochrane Complementary Medicine jedoch nicht; eine Ausnahme bilden lediglich Personen unter extremer körperlicher Belastung wie Marathonläufer oder Skifahrer.
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Auch für Vitamin D fällt die Bilanz bei akuten Infekten ernüchternd aus. Eine Meta-Analyse von 18 randomisierten kontrollierten Studien mit 3.648 Teilnehmenden zeigte keinen klinisch relevanten Nutzen bei der Behandlung akuter Atemwegsinfekte.
Zwar hatte eine Übersichtsarbeit im Fachblatt The BMJ im Jahr 2017 noch auf ein geringeres Infektionsrisiko durch Supplementierung hingewiesen, eine aktualisierte Meta-Analyse von 46 randomisierten Studien mit 64.086 Teilnehmenden fand jedoch keinen statistisch signifikanten Schutz mehr. Laut dem Gesundheitsportal des Bundes kann eine Zufuhr vor allem dann sinnvoll sein, wenn zuvor ein Mangel diagnostiziert wurde.
Risiken kombinierter Einnahme und Wechselwirkungen
Wer mehrere Präparate gleichzeitig einnimmt, riskiert unerwünschte Wechselwirkungen und Überdosierungen. Die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K werden vom Körper nicht ohne Weiteres ausgeschieden und können sich im Gewebe anreichern. Vitamin A und Vitamin D gelten in der Forschung als biochemische Gegenspieler.
Eine Studie von Johansson und Melhus an gesunden Probanden zeigte bereits 2001, dass Vitamin A die Kalziumreaktion auf Vitamin D abschwächen kann: Nach alleiniger Gabe von Calcitriol stieg der Kalziumspiegel im Blut um 2,3 Prozent, bei gleichzeitiger Gabe von Retinylpalmitat hingegen nur um 1,4 Prozent.
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Zudem bestehen Risiken für Herz-Kreislauf- und Blutwerte. Hohe Dosen von Vitamin E können die Wirkung von Vitamin K beeinträchtigen und das Blutungsrisiko erhöhen, was insbesondere bei der gleichzeitigen Einnahme von gerinnungshemmenden Medikamenten wie Warfarin oder Thrombozytenaggregationshemmern wie Aspirin relevant ist.
Während die empfohlene Zufuhr für Erwachsene bei 15 Milligramm Alpha-Tocopherol liegt, beziffert die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit die tolerierbare Höchstgrenze auf 300 Milligramm täglich.
Auch zwischen Mineralstoffen treten Hemmeffekte auf. Eisen, Zink und Kalzium können sich bei gleichzeitiger Einnahme in ihrer Aufnahme behindern, weshalb Ernährungsexperten eine zeitlich versetzte Einnahme empfehlen.
Zudem verringert der gleichzeitige Konsum von Kaffee oder schwarzem Tee die Aufnahme von Eisen, Magnesium und Kalzium. Gezielte Supplementierungen, etwa von Folsäure in der Schwangerschaft oder Vitamin B12 bei veganer Ernährung, sollten vorab ärztlich abgesprochen werden.
