Vitamin D im Winter: Weniger Sonne kann Schuppenflechte und Ekzeme verschlimmern
Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 10:03 Uhr | Redaktion boerse-global.deMit dem Beginn der kĂ€lteren Jahreszeit geht die IntensitĂ€t der natĂŒrlichen UV-Strahlung spĂŒrbar zurĂŒck. Fachleute weisen darauf hin, dass diese jahreszeitliche VerĂ€nderung die körpereigene Bildung von Vitamin D bremst und damit bestehende Hauterkrankungen verschlimmern kann.
Wie Dr. Ayda Kart A?kar vom Medicana Bursa Hastanesi darlegt, sinkt der Vitamin-D-Spiegel im Winterhalbjahr deutlich ab, was bei Betroffenen chronischer Dermatosen zu spĂŒrbaren SchĂŒben fĂŒhren kann.
VerstÀrkte Symptome bei Schuppenflechte und Ekzemen
Nach Angaben von Kart A?kar machen sich die Folgen des jahreszeitlichen UV-RĂŒckgangs besonders bei entzĂŒndlichen Hautkrankheiten bemerkbar. Bei Psoriasis (Schuppenflechte) verdicken sich demnach die typischen Plaques, wĂ€hrend Rötungen und Schuppenbildung zunehmen.
Auch bei Ekzemen komme es zu hĂ€ufigeren SchĂŒben; Betroffene leiden unter verstĂ€rkter Hauttrockenheit und intensivem Juckreiz. Zudem zeigen sich fettige Schuppungen an Kopfhaut, Augenbrauen und NasenflĂŒgeln.
Ein weiteres Symptom, das sich vor allem beim Ăbergang der Jahreszeiten verstĂ€rkt, ist vermehrter Haarausfall. DarĂŒber hinaus verweist die Dermatologin auf systemische Auswirkungen einer Unterversorgung: Neben einem erhöhten Osteoporose-Risiko und MuskelschwĂ€che drohen Stimmungsschwankungen, depressive Episoden, eine gesteigerte InfektanfĂ€lligkeit sowie kardiovaskulĂ€re Risiken.
Auch Dr. Wu Zhiqiang, Chef der Dermatologie am Changsha Fourth Hospital, betont, dass KĂ€lte, trockene Heizungsluft und abrupte Temperaturschwankungen im Herbst und Winter das RĂŒckfallrisiko bei Schuppenflechte erhöhen. Zur Vorbeugung rĂ€t er neben der strikten Einhaltung verordneter Medikamente zu einer sanften Reinigung sowie intensiver Feuchtigkeitspflege.
Eine parfĂŒmfreie medizinische Creme sollte idealerweise innerhalb von 3 Minuten nach dem Baden aufgetragen werden. ErgĂ€nzend seien geregelter Schlaf, eine ausgewogene ErnĂ€hrung, der Verzicht auf Rauch- und Alkoholkonsum, atmungsaktive Baumwollkleidung, der Einsatz von Luftbefeuchtern und konsequenter Infektionsschutz ratsam.
NatĂŒrliche Versorgung und Risiken von NahrungsergĂ€nzungsmitteln
Um den Vitamin-D-Spiegel auf natĂŒrlichem Weg zu unterstĂŒtzen, empfiehlt Kart A?kar, Gesicht und Arme an drei bis vier Tagen pro Woche jeweils fĂŒr 15 bis 20 Minuten der Mittagssonne auszusetzen.
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Bei der ErnÀhrung können fettige Fischarten wie Lachs und Sardinen sowie Eigelb, Leber und angereicherte Milchprodukte einen Beitrag leisten. NahrungsergÀnzungsmittel sollten jedoch keinesfalls unkritisch eingenommen werden, sondern erst nach einem laborchemischen Bluttest und unter Àrztlicher Kontrolle.
Vor den Gefahren einer unkontrollierten Einnahme warnt auch die Internistin Dr. ?rem Köro?lu. Hochdosierte Vitamin-D-PrĂ€parate könnten im Herbst und Winter zu NierenschĂ€den sowie Vergiftungserscheinungen fĂŒhren.
Zu den Symptomen einer solchen ToxizitĂ€t gehören HyperkalzĂ€mie, Ăbelkeit, Erbrechen, ĂŒbermĂ€Ăiger Durst und hĂ€ufiges Wasserlassen. Da ein Mangel oft ohne spezifische Beschwerden verlĂ€uft, lĂ€sst sich der Status verlĂ€sslich nur ĂŒber einen 25(OH)D-Bluttest bestimmen, dessen Indikation von Medizinern geprĂŒft werden sollte.
Zu den Risikogruppen zĂ€hlen Personen mit geringem Aufenthalt im Sonnenlicht, Menschen mit dunkler Haut, Patientinnen und Patienten mit Resorptionsstörungen, Personen mit Adipositas sowie Ă€ltere Menschen. Eine anlasslose Routinetestung fĂŒr die breite Bevölkerung wird nicht befĂŒrwortet.
Medizinische Richtlinien und Dosierungsempfehlungen
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FĂŒr die medikamentöse Therapie hat nach Auskunft des Internisten und Endokrinologen Dr. Stephan Scharla die tĂ€gliche Zufuhr von Vitamin D klare Vorteile gegenĂŒber intermittierenden StoĂtherapien. Wöchentliche Depotgaben seien lediglich bei ausgeprĂ€gtem Mangel, wie etwa einer Osteomalazie, angezeigt.
In solchen FĂ€llen kommen zunĂ€chst Einzeldosen von 10.000 bis 20.000 IE zum Einsatz, bevor auf eine regulĂ€re Erhaltungsdosis umgestellt wird. Der geschĂ€tzte tĂ€gliche Bedarf belĂ€uft sich auf 800 IE. In Mittel- und Nordeuropa ist von November bis Februar ohnehin keine ausreichende körpereigene Bildung ĂŒber die Haut möglich.
Ein test von 25 frei verkĂ€uflichen PrĂ€paraten ergab, dass der GroĂteil im Handel zu hoch dosiert ist. FĂŒnf Produkte wurden aufgrund des Risikos von NierenschĂ€den bei einer Langzeiteinnahme als nicht geeignet bewertet; lediglich zwei PrĂ€parate â âVitamin D compactâ von GSE mit einer Tagesdosis von 200 i.E. und âVital Vitamin Dâ von RotkĂ€ppchen mit 400 i.E. â erfĂŒllten die Kriterien.
Das Bundesinstitut fĂŒr Risikobewertung empfiehlt, ĂŒber NahrungsergĂ€nzungsmittel maximal 20 ”g beziehungsweise 800 i.E. pro Tag aufzunehmen. Laut Daten des Robert Koch-Instituts sind 44 Prozent der Erwachsenen in Deutschland gut versorgt, ein diagnostischer Bluttest schlĂ€gt mit rund 20 bis 50 Euro zu Buche.
Internationale Leitlinien stĂŒtzen diese ZurĂŒckhaltung: GemÀà der Clinical Practice Guideline 2024 der Endocrine Society wird gesunden Erwachsenen unter 75 Jahren ohne spezifische medizinische Indikation weder eine routinemĂ€Ăige Testung noch eine Supplementierung empfohlen.
Erst ab dem 75. Lebensjahr rĂ€t das Gremium zu einer niedrig dosierten Gabe. Vor diesem Hintergrund bleibt die gezielte UnterstĂŒtzung der Hautbarriere durch konsequente Basispflege, kombiniert mit einer Ă€rztlich abgestimmten Diagnostik, die verlĂ€sslichste Strategie fĂŒr die Wintermonate.
