Vitamin-D-Mangel: 67 Prozent von über 9.500 Patienten in Litauen betroffen
Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 04:55 Uhr | Redaktion boerse-global.deKlinische Referenzwerte für Vitamin D dienen im Gesundheitswesen als zentrale Grundlage, um eine Unterversorgung oder einen Mangel bei verschiedenen Altersgruppen präzise zu identifizieren. Weil die körpereigene Synthese stark von Sonnenstrahlung und Breitengraden abhängt, definieren Fachgesellschaften und Gesundheitsbehörden international spezifische Schwellenwerte für Blutkonzentrationen sowie Empfehlungen für die tägliche Zufuhr.
Nationale und internationale Empfehlungen im Vergleich
In Deutschland stuft die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) einen Blutwert von unter 25 bis 30 nmol/l (10 bis 12 ng/ml) als mangelhaft ein. Als anzustrebende Konzentration gilt ein Wert ab 50 nmol/l (20 ng/ml).
Bei unzureichender körpereigener Bildung empfiehlt die DGE bei Bedarf eine Zufuhr von 20 µg täglich, was 800 Internationalen Einheiten (IE) entspricht.
In den USA empfiehlt das National Institutes of Health (NIH) für Erwachsene im Alter von 19 bis 70 Jahren täglich 15 µg (600 IU) Vitamin D und ab einem Alter von 71 Jahren 20 µg (800 IU). Die Obergrenze für Erwachsene aus allen Quellen liegt laut NIH bei 100 µg (4.000 IU) pro Tag.
Auch die indonesischen AKG-Richtlinien veranschlagen 15 µg (600 IU) täglich für Erwachsene und 20 µg (800 IU) für Personen über 65 Jahre; als sichere Höchstmenge ohne ärztliche Anordnung gelten dort ebenfalls 100 µg (4.000 IU) täglich.
In Finnland sieht die offizielle Empfehlung für Menschen unter 75 Jahren von Oktober bis März bei Bedarf 10 µg pro Tag vor. Der Spezialarzt Hannu Vierola hält diese Empfehlung für zu niedrig und schätzt, dass rund eine Million Menschen in Finnland unter der Mangelgrenze von 50 nmol/l liegen – darunter jede sechste Frau und jeder dritte Mann.
Die Ernährungstherapeutin Johanna Kaipiainen sieht mindestens 75 nmol/l als besseren Wert für die Gesamtgesundheit an und nennt eine Zufuhr von 100 µg täglich als sichere Obergrenze für Erwachsene.
Daten zu Sonnenstunden und Unterversorgungen
Die geografische Lage beeinflusst die körpereigene Bildung deutlich. In Litauen liegt die mittlere Sonnenscheindauer gemäß der Klimanorm von 1991 bis 2020 bei jährlich 1917 Stunden, mit nur etwa 29 Stunden im Dezember sowie je rund 283 Stunden im Mai und Juli – verglichen mit etwa 3000 Stunden im Jahr in Portugal.
Eine litauische Auswertung von über 9500 Patienten ergab bei 67 Prozent einen Vitamin-D-Mangel; die niedrigsten Werte traten von Januar bis April auf, die höchsten im August und September. Eine Analyse aus dem Jahr 2025 in Vilnius über mehr als 14.000 Tests wies im Mittel Werte im Insuffizienzbereich aus.
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In der russischen Region Irkutsk besteht nach Daten der Jahre 2014 und 2015 von September beziehungsweise Oktober bis März oder Mai eine UV-Unterversorgung.
Eine dortige Studie zu 25(OH)D3 mit 3261 Analysen, veröffentlicht in der Zeitschrift Acta biomedica scientifica (Band 2, Nr. 5, Seiten 43 bis 48), zeigte bei 68 Prozent der Kinder eine Insuffizienz oder einen Mangel. Die niedrigsten Werte wiesen Jugendliche und über 70-Jährige auf.
Studienlage zu therapeutischen Effekten
Große Untersuchungen relativieren teils vermutete Schutzeffekte. In der US-amerikanischen VITAL-Studie an über 25.000 Teilnehmenden senkte eine Dosis von 2000 IU täglich das Krebs- und Herz-Kreislauf-Risiko bei gesunden Probanden nicht eindeutig, und Knochenbrüche traten nicht seltener auf. Allerdings zeigten sich Autoimmunerkrankungen um etwa 22 Prozent seltener.
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Ein Umbrella-Review der DGE aus dem Jahr 2020 über 73 Studien ergab, dass ein niedriger Vitamin-D-Status statistisch mit einem erhöhten Risiko für akute Atemwegsinfektionen verknüpft ist, was auf eine mögliche präventive Wirkung, aber keinen sicheren Schutz hindeutet.
Eine australische Studie aus dem Jahr 2021 mit mehr als 21.000 Menschen im Alter von 60 bis 84 Jahren stellte bei monatlicher Vitamin-D-Gabe im Vergleich zu einem Placebo keinen signifikanten Unterschied bei Atemwegsinfektionen fest.
Risiken von Überdosierungen und Einnahmeregeln
Eine Überdosierung tritt fast ausschließlich durch Nahrungsergänzungsmittel und nicht durch Sonnenstrahlung auf. Hochdosis-Präparate sind keine Alltagslösung: Eine langfristige Überdosierung kann eine Hyperkalzämie auslösen, die mit Übelkeit, Schwäche, häufigem Harndrang sowie Nierensteinen oder Nierenschäden einhergehen kann.
Hochrisikogruppen und Verwender hoher Dosen sollten Blutwerte sowie die Dosierung ärztlich abstimmen lassen. Ein routinemäßiges Blutbild bei jedem gesunden Erwachsenen ist nicht vorgesehen; Müdigkeit oder Schmerzen allein reichen nicht für eine Diagnose aus. Durch Fensterglas kann die Haut bei Sonneneinstrahlung kein Vitamin D bilden. Zudem sind Wechselwirkungen unter anderem mit Statinen und Kortikosteroiden zu beachten.
