Vitamin-D-Mangel: Jeder zweite bis dritte Erwachsene in Europa betroffen
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 07:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Annahme, dass regelmäßige Aufenthalte im Freien automatisch für eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D sorgen, greift zu kurz. Aktuelle Fachberichte thematisieren zunehmend das Paradoxon, dass selbst in sonnenreichen Regionen eine Unterversorgung weit verbreitet sein kann. Eine reine Sonnenexposition genügt in vielen Alltagssituationen nicht, um den physiologischen Bedarf verlässlich zu decken.
Geografische und physikalische Hürden der körpereigenen Synthese
Für die körpereigene Bildung von Vitamin D in der Haut ist UV-B-Strahlung zwingend erforderlich. In weiten Teilen Mitteleuropas, darunter in Deutschland und Tschechien, reicht die Intensität dieser Strahlung etwa von Oktober bis März jedoch nicht aus. Ein Aufenthalt hinter Fensterscheiben bietet keinen Ausgleich, da herkömmliches Glas die notwendigen UV-B-Strahlen vollständig blockiert.
Als praktische Faustformel für den Alltag gilt die sogenannte Schattenregel: Ist der eigene Schatten länger als die Körpergröße, steht die Sonne zu tief, und die Haut kann praktisch kein Vitamin D synthetisieren.
Zwar ist der menschliche Organismus in der Lage, während der sonnenreichen Monate gebildete Überschüsse im Fett- und Muskelgewebe für kältere Jahreszeiten zu speichern, doch fallen diese Reserven nicht bei jedem Menschen ausreichend hoch aus.
Schätzungen für Europa gehen davon aus, dass rund jeder zweite bis dritte Erwachsene unzureichende Werte aufweist, wobei die Raten im Winter deutlich ungünstiger liegen als im Sommer.
Risikogruppen und diagnostische Kriterien
Bestimmte Bevölkerungsgruppen tragen ein erhöhtes Risiko für eine Unterversorgung. Dazu zählen Menschen, die sich selten im Freien aufhalten, ältere Personen sowie Menschen mit dunklerem Hautton, da deren Pigmentierung die UV-B-Absorption verringert. Auch Personen mit Adipositas oder einem höheren Körperfettanteil sowie aktive Sportler weisen häufiger Defizite auf.
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Ein Mangel äußert sich selten durch ein einzelnes, eindeutiges Symptom. Während leichtere Unterversorgungen oft unspezifisch bleiben, kann ein ausgeprägter Mangel zu Knochenerweichungen wie Osteomalazie sowie zu Muskelschwäche führen. Gewissheit über den Versorgungsstatus liefert eine labormedizinische Bestimmung des 25-Hydroxyvitamin-D-Spiegels im Blut.
Zur Sicherung der Knochengesundheit gilt ein Richtwert von mindestens 50 Nanomol pro Liter beziehungsweise 20 Nanogramm pro Milliliter. Fehlt die körpereigene Synthese vollständig, gibt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) einen Schätzwert für eine angemessene Zufuhr von 20 Mikrogramm pro Tag an, was 800 Internationalen Einheiten entspricht.
Ernährungsgrenzen und Warnung vor Überdosierung
Über herkömmliche Lebensmittel lässt sich der Bedarf nur schwer decken, da nennenswerte Mengen fast ausschließlich in fettreichem Seefisch wie Lachs, Hering und Makrele sowie in geringerem Umfang in Eigelb und Speisepilzen vorkommen.
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Gleichzeitig raten Fachbehörden von einer eigenmächtigen Einnahme hochdosierter Nahrungsergänzungsmittel ab. Die spanische Arzneimittelbehörde AEMPS warnt ausdrücklich vor unkontrollierten Einnahmen ohne vorherige ärztliche Abklärung oder begleitende Bluttests.
Eine dauerhafte Überdosierung kann zu Hyperkalzämie, erhöhter Kalziumausscheidung im Urin und ernsthaften Nierenschäden führen. Eine gezielte Supplementierung sollte daher stets auf gesicherten Laborwerten beruhen.
