Vitamin D: Stiftung Warentest warnt vor 5 zu hoch dosierten PrÀparaten
Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 00:31 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der medizinischen Fachwelt und im Apothekerwesen wĂ€chst die Besorgnis ĂŒber den unsachgemĂ€Ăen Gebrauch von hochdosierten Vitamin-D-PrĂ€paraten. Ein aktueller Vorfall in Neuss verdeutlicht die potenziell schwerwiegenden Folgen: Dort erlitt ein SĂ€ugling eine Vitamin-D-Vergiftung, nachdem ihm ein fĂŒr Erwachsene konzipiertes PrĂ€parat verabreicht worden war. Dieser Fall löste erneute Warnungen von Pharmazeuten vor unkontrollierten KĂ€ufen im Internet aus.
Gefahren durch dubiose Online-Angebote
Apotheker in Neuss weisen in diesem Zusammenhang auf die Risiken hin, die mit dem Erwerb von NahrungsergĂ€nzungsmitteln und Medikamenten ĂŒber nicht zertifizierte Online-KanĂ€le verbunden sind. Neben Vitamin-D-PrĂ€paraten stĂŒnden auch Abnehm-Pillen, insbesondere Semaglutid-Tabletten mit einem angekĂŒndigten Marktstart im September, im Fokus der Kritik.
Fachleute betonen, dass gerade bei potenten Wirkstoffen eine Rezeptpflicht sowie eine fundierte pharmazeutische Beratung unerlÀsslich seien, um Fehl dosierungen und gesundheitliche SchÀden zu vermeiden.
Die Problematik der Ăberdosierung wird durch Ergebnisse der Stiftung Warentest untermauert. In einer Untersuchung aus der Ausgabe 1/2026 wurden insgesamt 25 Vitamin-D-PrĂ€parate unter die Lupe genommen. Das Fazit der Tester fiel kritisch aus: Die Mehrheit der Produkte sei zu hoch dosiert. FĂŒnf der getesteten PrĂ€parate erhielten sogar die Bewertung ânicht geeignetâ, da bei ihrer Einnahme ein erhöhtes Risiko fĂŒr NierenschĂ€den bestehe.
Empfehlungen und Testergebnisse zur Dosierung
Lediglich zwei Produkte konnten im Test der Stiftung Warentest als geeignet eingestuft werden. Dabei handelt es sich um das Produkt GSE âVitamin D compactâ mit einer Dosierung von 200 IE pro Tag sowie âVital Vitamin Dâ von RotkĂ€ppchen (auch als RotbĂ€ckchen gefĂŒhrt) mit 400 IE pro Tag. Diese Werte liegen deutlich unter vielen frei verkĂ€uflichen Hochdosis-PrĂ€paraten, die langfristig die Nierenfunktion beeintrĂ€chtigen können.
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Offizielle Stellen wie das Bundesinstitut fĂŒr Risikobewertung (BfR) empfehlen fĂŒr die tĂ€gliche Aufnahme eine Höchstmenge von 20 ”g, was 800 IE entspricht. Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) zeigen zudem, dass eine flĂ€chendeckende Supplementierung nicht zwingend notwendig ist: Demnach sind etwa 44 % der Erwachsenen in Deutschland bereits ausreichend mit Vitamin D versorgt.
Neue Markteintritte und wissenschaftliche Diskurse
Trotz der Warnungen vor Ăberdosierungen bleibt Vitamin D ein zentraler Bestandteil neuer Produkte im Gesundheitssektor. So bringt das Unternehmen Medice im September das NahrungsergĂ€nzungsmittel Perenterol protect auf den Markt. Es soll zur Vorbeugung von Antibiotika-assoziierter Diarrhö dienen und enthĂ€lt neben 200 mg Saccharomyces boulardii CNCM I-745 und 47 mg Vitamin C auch eine moderate Dosis von 7 ”g Vitamin D3. Der Hersteller weist jedoch ausdrĂŒcklich darauf hin, dass das Produkt fĂŒr immunsupprimierte Personen nicht geeignet ist.
In der Forschung werden unterdessen auch die Effekte höherer Dosierungen untersucht. Eine Studie der Emory University im Bereich der Schlafmedizin befasste sich mit 54 Àlteren Erwachsenen mit einem Durchschnittsalter von 67,2 Jahren, die unter leichten kognitiven BeeintrÀchtigungen (MCI) und Schlafproblemen litten.
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Hierbei wurde beobachtet, dass die tÀgliche Einnahme von mindestens 5.000 IE Vitamin D mit um 13 % höheren Werten in kognitiven Tests (MoCA-Test) verbunden war. Die Forscher betonten jedoch, dass damit keine KausalitÀt belegt sei und bei niedrigeren Dosen kein vergleichbarer Effekt eintrat.
Kontroversen um Grenzwerte und Messmethoden
Die Diskussion um den âoptimalenâ Vitamin-D-Spiegel wird auch in der Ganzheitsmedizin gefĂŒhrt. Kritiker merken an, dass herkömmliche Serumspiegel-Messungen MĂ€ngel verschleiern könnten, da diese Werte vom Körper streng reguliert werden. Eine Vollblutanalyse (RBC) könne hingegen zellulĂ€re Defizite besser aufdecken. WĂ€hrend der offizielle Grenzwert oft bei 20 ng/ml liegt, halten einige Fachleute Werte zwischen 40 und 50 ng/ml fĂŒr optimal.
Eine Biologin und Fachberaterin fĂŒr Vitamin D berichtete in einem dokumentierten Selbstversuch von einer Steigerung ihres Spiegels auf 80 ng/ml und bezeichnete diesen Wert als unbedenklich. Sie verwies auf wissenschaftliche Beobachtungen aus dem Jahr 2019, wonach eine Dosierung von 10.000 IE pro Tag zu einer verstĂ€rkten Genexpression gefĂŒhrt habe.
Eine toxische Wirkung sei nach ihrer EinschÀtzung erst ab Werten von 150 ng/ml zu erwarten. Dennoch unterstreichen Mediziner, dass solche Dosierungen ohne engmaschige Kontrolle und medizinische Notwendigkeit erhebliche Risiken bergen.
