Vitamin, Präparaten

Vitamin D: Von 25 Präparaten gelten nur zwei als geeignet

Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 20:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Hoher Supplementkonsum trifft auf Dosierungsrisiken, bedenkliche Inhaltsstoffe und verstärkte Maßnahmen gegen irreführende Werbung.
Ein leeres Laborarbeitsplatz-Setup mit einem Glasbecher und einer Waage auf einer weißen Oberfläche. Illustration mit AI erstellt.

Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel verzeichnet im Fitness- und Freizeitsportbereich seit Jahren ein starkes Wachstum. Behörden blicken jedoch zunehmend kritisch auf diese Entwicklung. Gleichzeitig warnen Fachleute vor gesundheitlichen Risiken und unerwünschten Wechselwirkungen, wenn verschiedene Mikronährstoffe unbedacht miteinander kombiniert werden.

Hohe Nachfrage und Konsum bei jungen Zielgruppen

Die Nachfrage nach Supplementen steigt international kontinuierlich an. Laut Berichten erreichte der kumulierte Umsatz mit Nahrungsergänzungsmitteln in Frankreich im Jahr 2025 drei Milliarden Euro. Als Motive der Verbraucher gelten vor allem Gesundheit, Hautpflege, Schlafqualität, Verdauung sowie die Regeneration nach dem Sport.

In Spanien haben nach Angaben von Fernando Hidalgo Zarzo vom Colegio Oficial de Farmacéuticos de Granada mehr als 70 Prozent der Bevölkerung im vorangegangenen Jahr entsprechende Präparate konsumiert.

Der spanische Markt umfasst mehr als 2.000 Millionen Euro bei jährlichen Zuwachsraten von sechs bis sieben Prozent. Hidalgo Zarzo wies darauf hin, dass natürliche Substanzen keineswegs harmlos seien. Nahrungsergänzungsmittel unterlägen als Lebensmittel keinen klinischen Wirksamkeits- und Sicherheitsstudien vor der Vermarktung.

Besonders unter Jugendlichen gewinnt der Konsum an Bedeutung. In Deutschland greifen immer mehr junge Menschen zu Proteinprodukten wie Riegeln oder Shakes, während Fachleute vor einer zu hohen Proteinzufuhr sowie überteuerten Angeboten warnen.

Eine Umfrage der Arbeiter-Kammer Wien und der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung unter fast 600 Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 14 bis 25 Jahren ergab, dass fast zwei von drei Befragten in den vorangegangenen drei Monaten mindestens ein Nahrungsergänzungsmittel eingenommen hatten.

Viele nutzten mindestens vier verschiedene Präparate. Besonders verbreitet waren Whey-Protein, Vitamine und Mineralstoffe bei jeweils etwa der Hälfte der Befragten sowie Omega-3-Fettsäuren bei etwas weniger als der Hälfte. Neun von zehn Befragten vertrauten dabei Informationen aus dem Internet.

Gefahren durch Überdosierungen und bedenkliche Stoffe

Fachleute weisen regelmäßig auf Gefahren durch Überdosierung hin. So ist Magnesium das in Deutschland am häufigsten genutzte Mineralstoff-Supplement. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt eine Höchstdosis von maximal 250 Milligramm pro Tag über Nahrungsergänzungsmittel.

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Eine Marktstichprobe der Verbraucherzentrale ergab jedoch, dass mehr als die Hälfte der untersuchten Produkte über 400 Milligramm pro Tag enthielt. Der Sportwissenschaftler Ingo Froböse betonte, dass Freizeitsportler bei einer ausgewogenen Ernährung in der Regel keine Supplemente benötigten.

Zudem könne eine Überdosierung zu Durchfall führen. Schlafmediziner warnen zudem vor Wechselwirkungen von Magnesium mit bestimmten Antibiotika, Bisphosphonaten, Diuretika sowie Antazida.

Auch bei Vitaminen treten Dosierungsprobleme auf. In einer Untersuchung aus der Ausgabe 1/2026 von 25 Vitamin-D-Präparaten erwiesen sich die meisten Produkte als zu hoch dosiert. Fünf Mittel wurden als nicht geeignet eingestuft, da eine langfristige Einnahme zu Nierenschäden führen könne; lediglich zwei Produkte galten als geeignet.

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Die niederländische Verbraucherorganisation Consumentenbond wies darauf hin, dass in den Niederlanden Supplemente mit mehr als 21 Milligramm Vitamin B6 pro Tagesdosis verboten sind. Dennoch seien bei Online-Händlern zehn Präparate entdeckt worden, die diesen Grenzwert überschritten.

Besonders drastisch sind die Risiken bei nicht zugelassenen Substanzen. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) betonte, dass lithiumhaltige Nahrungsergänzungsmittel in der Europäischen Union nicht verkehrsfähig sind.

BVL-Präsidentin Prof. Dr. Gaby-Fleur Böl erklärte, dass schon eine moderate Erhöhung des Lithiumspiegels schwere gesundheitliche Konsequenzen nach sich ziehen könne. Zu den Vergiftungssymptomen zählen unter anderem starker Durst, Zittern, Koordinationsstörungen, Verwirrtheit und in schweren Fällen Koma.

Behörden gehen gegen irreführende Werbung vor

Aufgrund unhaltbarer Versprechen greifen Aufsichtsbehörden vermehrt durch. Die bulgarische Verbraucherschutzkommission erließ Anordnungen gegen Apotheken und Händler wegen unzulässiger Heilversprechen bei Nahrungsergänzungsmitteln, Kräutern und Pilzen. Dort drohen bei unlauteren Praktiken Sanktionen von bis zu 4 Prozent des Jahresumsatzes.

In Südkorea beanstandete die Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde 23 Unternehmen, die herkömmliche Lebensmittel unzulässig als konzentrationsfördernde Mittel für Prüflinge oder gegen ADHS beworben hatten. Dabei wurden 410.000 Packungen im Wert von rund 7,1 Milliarden Won verkauft, von denen das meistverkaufte Produkt pro Beutel 100 Milligramm Koffein aus Guarana-Extrakt enthielt.

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