Vogelzug, Atlantiksturmtaucher

Vogelzug: Atlantiksturmtaucher weichen bis zu 15 Grad ab

Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 08:01 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Eine Oxford-Studie zeigt, dass die innere Uhr von Atlantiksturmtauchern bei Ost-West-Flügen aus dem Takt geraten kann. Die Tiere korrigieren die daraus entstehenden Kursfehler jedoch offenbar während des Fluges.

Die Flugdaten der Atlantiksturmtaucher

  • Die Forscher untersuchten Atlantiksturmtaucher von Brutinseln vor Großbritannien und Irland.
  • Die GPS-Daten stammen aus 3.688 Flügen, die über einen Zeitraum von 20 Jahren erfasst wurden.
  • Bei den Vögeln wich die innere Uhr bis zu etwa eine Stunde von der Ortszeit ab.
  • Auch Vögel - hier ein Atlantiksturmtaucher vor der Insel Skomer - können bei Langstreckenflügen wohl von einer Art Jetlag betroffen sein - Bild: Joe Wynn/Eurekalert/dpa
  • Die Forscher werteten GPS-Tracking-Daten aus, die über einen Zeitraum von 20 Jahren bei Atlantiksturmtauchern (Puffinus puffinus) gesammelt wurden – bei insgesamt 3.688 Flügen. - Bild: Joe Wynn/Eurekalert/dpa
Auch Vögel - hier ein Atlantiksturmtaucher vor der Insel Skomer - können bei Langstreckenflügen wohl von einer Art Jetlag betroffen sein - Bild: Joe Wynn/Eurekalert/dpa Die Forscher werteten GPS-Tracking-Daten aus, die über einen Zeitraum von 20 Jahren bei Atlantiksturmtauchern (Puffinus puffinus) gesammelt wurden – bei insgesamt 3.688 Flügen.  - Bild: Joe Wynn/Eurekalert/dpa

Atlantiksturmtaucher zeigen Jetlag bei Langstreckenflügen

Atlantiksturmtaucher können bei langen Flügen über den Atlantik eine Art Jetlag entwickeln. Ihre innere Uhr kann dabei bis zu etwa eine Stunde von der jeweiligen Ortszeit abweichen und die Orientierung am Sonnenstand beeinflussen.

GPS-Daten aus 3.688 Flügen ausgewertet

Forscher der Universität Oxford werteten GPS-Tracking-Daten aus, die über 20 Jahre bei insgesamt 3.688 Flügen gesammelt wurden. Statistische Modelle verglichen die beobachteten Kursabweichungen mit dem jeweiligen Sonnenstand.

Die Flugrichtungen passten zu den erwarteten Folgen einer verschobenen inneren Uhr. Bei Flügen nach Osten wichen die Vögel tendenziell im Uhrzeigersinn von ihrer erwarteten Richtung ab, was nach Einschätzung der Forscher auf eine hinterherhinkende biologische Uhr hindeutet.

Sonnenstand bleibt trotz Küstenlinien entscheidend

Die Abweichungen traten auch auf, wenn die Tiere entlang sichtbarer Küsten flogen. Damit blieb der Sonnenstand offenbar ein wesentlicher Orientierungspunkt, obwohl zusätzliche Landschaftsmerkmale zur Navigation zur Verfügung standen.

Kleine Kursfehler mit begrenzten Folgen

Die festgestellten Abweichungen betrugen bis zu 15 Grad. Auf einem 1.000 Kilometer langen Flug würden bei einer durchschnittlichen Abweichung von sieben Grad nach Angaben der Forscher etwa fünf zusätzliche Flugkilometer entstehen.

Im Verlauf des Fluges bewerten die Vögel ihre Position mutmaßlich wiederholt neu und passen ihren Kurs an. Forschungsleiter Patrick Lewin von der Universität Oxford sagte, es sei erstaunlich, dass Fehler in den inneren Uhren von Zugvögeln zu geringfügigen Kursabweichungen führen könnten.

Jetlag-Effekt bei Ost-West-Strecken

Atlantiksturmtaucher brüten auf Inseln vor der Westküste Großbritanniens und Irlands und legen regelmäßig Hunderte Kilometer auf der Nahrungssuche zurück. Der beschriebene Effekt zeigt sich nach Angaben des Forschers vor allem bei Flügen in Ost-West-Richtung.

Viele Zugvögel sind derzeit zwar eher in Nord-Süd-Richtung unterwegs, legen aber ebenfalls Ost-West-Distanzen zurück, etwa beim Umfliegen der Alpen oder des Mittelmeers. Ob die zeitliche Verschiebung über die Navigation hinaus ihr Verhalten oder ihre Gesundheit beeinflusst, soll weiter untersucht werden.

Die Studie verbindet zwei bislang getrennt betrachtete Aspekte der Vogelmigration: die Orientierung am Sonnenstand und die Anpassung der inneren Uhr an wechselnde Ortszeiten. Bei Ost-West-Flügen entsteht eine Zeitverschiebung, obwohl sich die Tiere nicht in einem Flugzeug bewegen. Entscheidend ist, dass der Sonnenkompass den aktuellen Sonnenstand nur dann korrekt übersetzt, wenn die biologische Uhr ausreichend angepasst ist.

Navigation mit begrenzter Abweichung

Die beobachteten Kursfehler zeigen, dass die innere Uhr ein wichtiger Bestandteil der Navigation bleibt. Zugleich deuten die relativ kleinen Abweichungen darauf hin, dass die Vögel ihre Position während des Fluges wiederholt überprüfen und den Kurs korrigieren können. Sichtbare Küstenlinien reichten in den untersuchten Fällen offenbar nicht aus, um den Einfluss des Sonnenkompasses vollständig zu überlagern.

Für die Forschung ist die Untersuchung auch deshalb relevant, weil viele Zugvögel nicht ausschließlich in Nord-Süd-Richtung wandern. Um geografische Hindernisse wie Alpen oder Mittelmeer zu umgehen, können sie ebenfalls Ost-West-Strecken zurücklegen. Ob eine verschobene innere Uhr neben der Orientierung weitere Auswirkungen auf Verhalten oder Gesundheit hat, bleibt eine offene Frage. Angesichts veränderter Zugzeiten und wachsender Umweltveränderungen könnte die Fähigkeit zur zeitlichen und räumlichen Anpassung künftig stärker in den Blick rücken.

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