Vollwertkost: Studie misst 116 Kalorien weniger Aufnahme pro Tag
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 15:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Annahme, dass der menschliche Körper Kalorien aus allen Lebensmitteln gleichermaßen verwertet, gerät durch ernährungswissenschaftliche Untersuchungen zunehmend ins Wanken.
Eine im Jahr 2023 in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlichte randomisierte Crossover-Feeding-Studie von Forschern um Corbin und Kollegen zeigt, dass die Verarbeitungsform der Nahrung die tatsächlich aufgenommene Energiemenge maßgeblich beeinflusst.
Untersucht wurden 17 gesunde, gewichtsstabile Erwachsene im Alter zwischen 18 und 45 Jahren – darunter acht Frauen und neun Männer mit einem Durchschnittsalter von etwa 31 Jahren (30,8 Jahre) und einem Body-Mass-Index von rund 25 (25,1) –, die auf einer metabolischen Station des AdventHealth Translational Research Institute in Orlando betreut wurden.
Deutlich geringere Kalorienaufnahme bei identischer Energiezufuhr
Bei einer hinsichtlich Kalorien und Makronährstoffen identischen Ernährung nahmen die Studienteilnehmer unter einer Vollwertkost durchschnittlich 116 Kalorien pro Tag weniger auf als unter einer hochverarbeiteten westlichen Ernährungsweise.
Bei dieser minimal verarbeiteten Vollwertkost, die reich an Ballaststoffen und resistenter Stärke war und größere Nahrungspartikel enthielt, schied der Körper 116 ± 56 Kalorien pro Tag mehr über den Stuhl aus als bei der westlichen Kostform (P < 0,0001).
Der Anteil der absorbierten Kalorien betrug bei der Vollwertkost 89,5 Prozent, während er bei der verarbeiteten Diät bei 95,4 Prozent lag. Dieser Effekt zeigte sich bei 16 der 17 Probanden, wobei die individuelle Spanne zwischen 73 und 390 Kalorien täglich lag.
Auch die Streuung des absorbierten Anteils variierte: Bei der Vollwertkost reichte sie von 84,2 bis 96,1 Prozent, während sie bei der West-Diät mit 94,1 bis 97,0 Prozent deutlich enger ausfiel.
Hungergefühl und Gewichtsveränderungen auf der Station
Trotz der geringeren tatsächlichen Energieaufnahme berichteten die Autoren der Crossover-Studie von keinem messbaren Unterschied bei Hunger, Sättigung oder der Nahrungsaufnahme. Allerdings stiegen die Werte für GLP-1 und das pankreatische Polypeptid an.
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Während des Aufenthalts auf der Station verloren die Teilnehmenden unter der Vollwertkost durchschnittlich etwa 626 Gramm an Gewicht, verglichen mit 134 Gramm unter der westlichen Diät. Die Studienautoren stuften diesen Unterschied im Rahmen des Versuchszeitraums als klinisch insignifikant ein.
Allgemein weisen ernährungswissenschaftliche Daten darauf hin, dass eine ballaststoffreichere Ernährung mit einer um zehn Prozent geringeren Energieaufnahme und einem moderaten Gewichtsverlust assoziiert ist.
Neue Modelle berücksichtigen das Darmmikrobiom
Die biologischen Mechanismen hinter den Absorptionsunterschieden beleuchtete eine Forschungsarbeit von Davis und Kollegen, die 2026 im Fachjournal PLOS One in Zusammenarbeit mit der Arizona State University und dem AdventHealth Translational Research Institute erschien.
Die beteiligten Wissenschaftler, darunter Rosa Krajmalnik-Brown, Bruce Rittmann und Taylor Davis, entwickelten das sogenannte DAMM-Modell (Digestion, Absorption and Microbial Metabolism). Dieses Modell erklärt 95,6 Prozent der Variation der absorbierten Energie, während klassische Atwater-Faktoren lediglich 88,5 Prozent abbilden.
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Das DAMM-Modell wiegt im Mittel um 2,5 Einheiten pro Tag ab, während Atwater-Werte die Energieaufnahme im Schnitt um 22,3 Einheiten unterschätzten – eine signifikante Unterschätzung zeigte sich dabei nur bei der verarbeiteten Kost.
Das Modell schätzt, dass 15 Prozent der aufgenommenen Energie mikrobiellen Ursprungs sein könnten. Mikrobielle Fettsäuren machten etwa 140 Kalorien pro Tag beziehungsweise 7,4 Prozent der absorbierten Energie aus.
Beim Vergleich der Kostformen lagen diese Werte bei 51,9 Einheiten pro Tag unter Vollwertkost gegenüber 33,8 Einheiten unter der westlichen Diät; die mikrobielle Biomasse im Stuhl erreichte 19,6 gegenüber 9,4 Einheiten pro Tag.
Fachliteratur belegt zudem, dass mikrobielle Fermentation von Ballaststoffen und resistenter Stärke kurzkettige Fettsäuren produziert, die bis zu zehn Prozent der Gesamtenergie beitragen können.
Frühere Befunde und methodische Limitationen
Dass standardisierte Kalorienangaben nicht immer der physiologischen Realität entsprechen, zeigte bereits eine Studie des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) aus dem Jahr 2012 an 18 Erwachsenen.
Damals lieferten 28 Gramm ganze Mandeln rund 129 Kalorien statt der vorhergesagten 168 bis 170 Kalorien, was einer Überschätzung um 32 Prozent entsprach; finanziert wurde jene Arbeit vom USDA und dem Almond Board of California.
Trotz der präzisen Messungen unter metabolischen Stationsbedingungen betonen die Autoren Limitationen: Bei der Untersuchung von Corbin und Kollegen handelt es sich um eine einzelne, noch nicht replizierte Studie mit einer kleinen Stichprobengröße von 17 gesunden, gewichtsstabilen Erwachsenen. Zudem beeinflusst die individuelle Zusammensetzung des Mikrobioms die tatsächliche Energieausbeute maßgeblich.
