Seltene Funde von einem gekaperten Schiff der FÀröer-Inseln
01.03.2024 - 05:07:28 | dpa.de
Ein Forschungsteam hat fĂŒnf verschlossene Pakete eines vor mehr als 200 Jahren gekaperten Schiffs der FĂ€röer-Inseln entdeckt.
«Das ist sehr besonders, weil von den Inseln sehr, sehr wenig Material erhalten ist», sagte Lucas Haasis von der UniversitÀt Oldenburg, der Historiker und Forschungskoordinator des Projekts «Prize Papers» ist. Die versiegelten Pakete und rund 200 verschlossenen Briefe befÀnden sich im Originalzustand im Londoner Nationalarchiv. «Das ist eine Zeitkapsel», sagte Haasis.
Rot-blauer Strickpullover
Die nun in London entdeckten Pakete wurden auf dem Handelsschiff «Anne Marie» transportiert, das nach Angaben der Forscher Anfang des 19. Jahrhunderts unter dÀnischer Flagge segelte. Am 2. September 1807 wurde das Schiff auf dem Weg von den FÀröer-Inseln nach Kopenhagen von Briten gekapert, ein Teil der konfiszierten Ladung lagert bis heute in London.
Darunter befinden sich auch die versiegelten Pakete, die das Forschungsteam aus Oldenburg, GroĂbritannien und von den FĂ€röer-Inseln am Mittwoch zum ersten Mal öffneten. «Das war wie an Weihnachten, weil man vorher nicht wirklich weiĂ, was darin ist», erzĂ€hlte Haasis. In einem Paket sei ein rot-blauer Strickpullover mit traditionellen Mustern fĂŒr eine Frau gefunden worden. «Der sieht noch so aus, als wĂ€re er gestern verschickt worden», sagte der 39-JĂ€hrige. «Das war ja verpackt ĂŒber Jahrhunderte.»Â
AuĂerdem fanden die Wissenschaftler in den Paketen vier Paar weiĂe StrĂŒmpfe, Getreide und persönliche Briefe an Familienmitglieder. In einem Brief seien auch MĂŒnzen gewesen, sagte der Forscher aus Oldenburg. «Das hatten wir so auch nicht erwartet.» Das Team fotografiere und katalogisiere nun die Funde, verwahre sie wieder und stelle die Daten online. Derzeit gebe es noch GesprĂ€che, ob die Pakete auch ausgestellt werden.
Projekt soll bis 2036 laufen
Die Arbeit ist Teil des Oldenburger Projekts «Prize Papers», das von der Göttinger Akademie der Wissenschaften gefördert wird. Seit 2018 untersuchen Wissenschaftler rund 500.000 Dokumente im Londoner Nationalarchiv. «Unser Ziel ist, alles zu digitalisieren und weltweit zugÀnglich zu machen», sagte Haasis. Das Projekt soll noch bis 2036 laufen.
Die historischen Unterlagen stammen allesamt von Schiffen, die die Briten in den Jahren 1652 bis 1815 kaperten. In dieser Zeit sei das Erobern von Schiffen im Krieg erlaubt gewesen. «Man musste vor Gericht nur den Beweis erbringen, dass es sich bei dem gekaperten Schiff tatsÀchlich um ein verfeindetes Schiff handelt», sagte der Oldenburger Wissenschaftler.
Deshalb hĂ€tten die Briten bei ihren RaubzĂŒgen Fahnen, SchiffspĂ€sse und andere Dokumente mitgenommen und teilweise bis heute gelagert. «Das Besondere bei den Prize Papers ist, dass es wirklich Dokumente von ganz unterschiedlichen Ecken der Welt gibt - von KolonialmĂ€chten, aber auch von kleineren Staaten oder HansestĂ€dten.»
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