Vorhofflimmern, KI-Auswertung

Vorhofflimmern: KI-Auswertung steigert Erkennung im EKG von 35 auf 80 Prozent

Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 01:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein KI-System steigerte in vorklinischen Tests die Erkennungsrate von 35 auf 80 Prozent, ohne die 24-stündige Messdauer zu verlängern.
Ein heller, minimalistischer Krankenhausflur mit warmem Licht und klaren architektonischen Linien. Illustration mit AI erstellt.

Vorhofflimmern gilt als die am weitesten verbreitete andauernde Herzrhythmusstörung. Da die Erkrankung von vielen Betroffenen über lange Zeit hinweg unbemerkt bleibt, rücken Kliniken und Fachorganisationen die Aufklärung über Symptome und Therapien in den Mittelpunkt.

Das Westpfalz-Klinikum Kusel widmet sich dieser Thematik mit dem Gesundheitsforum „Vorhofflimmern – die häufigste Herzrhythmusstörung im Fokus“, das um 19:00 Uhr in der Kapelle des Klinikums Kusel bei freiem Eintritt stattfindet.

Als Referenten der Informationsveranstaltung treten Ahmad Al Rifaee, Chefarzt der Inneren Medizin 4 in Kusel, sowie lzv. Prof. Dr. Dr. Robert Bernat, Chefarzt der Inneren Medizin 2 in Kaiserslautern, auf. Im Zentrum der Veranstaltung stehen Symptome, Ursachen, diagnostische Verfahren und Behandlungsoptionen.

Ziel der Aufklärung ist vor allem die Vermeidung schwerer Folgeerkrankungen wie dem Schlaganfall. Chefarzt Ahmad Al Rifaee hob in diesem Zusammenhang hervor, dass viele Menschen mit Vorhofflimmern lebten, ohne davon zu wissen.

Hohe Dunkelziffer und Gefahren für das Herz-Kreislauf-System

Nach Schätzungen, die unter anderem am St. Elisabeth-Hospital Beckum herangezogen werden, leben in Deutschland rund 1,5 bis 2 Millionen Menschen mit der Erkrankung. Die Deutsche Herzstiftung geht von mehr als 1,6 Millionen Betroffenen bundesweit aus. Unbehandelt birgt die Rhythmusstörung ein deutlich erhöhtes Risiko für Herzschwäche sowie für Schlaganfälle, da sich im Vorhof Blutgerinnsel bilden können.

Im Rahmen der bundesweiten Herzwochen im November 2026 unter dem Motto „Vorhofflimmern erkennen und handeln“ stellen mehrere Krankenhäuser das Krankheitsbild vor. Am Klinikum Waldeck-Frankenberg erläutert der Chefarzt der Kardiologie, Serguei Korboukov, im Rahmen eines Vortrags am 3. November 2026 in Korbach Ursachen, Frequenz- und Rhythmuskontrollen sowie den Einsatz von Gerinnungshemmern.

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Eine frühzeitige Diagnose und individuell abgestimmte Behandlung reduziere das Risiko schwerwiegender Folgen deutlich. Am St. Elisabeth-Hospital Beckum informieren die Oberärzte Martin Winters und Christian Weber am 4. November 2026 über das Thema.

Weitere Veranstaltungen begleiten die Aufklärungsinitiative. Am 29. Oktober referiert Dr. Dennis Eckner am Laufer Krankenhaus gemeinsam mit Vertretern regionaler Gesundheitsnetzwerke.

Das St.-Antonius-Hospital Eschweiler bietet am 12. November 2026 eine Veranstaltung unter Leitung des Vorhofflimmern-Zentrums an, die medikamentöse Therapien, Katheterablationen und den Umgang mit Gerinnungshemmern vertieft. Auch im Landkreis Trier-Saarburg finden im November mehrere Termine zur Laienaufklärung statt.

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Neue Ansätze in der Früherkennung und Diagnostik

Neben der klinischen Aufklärung gewinnt die diagnostische Genauigkeit an Bedeutung. Ein zentrales Problem besteht darin, dass Vorhofflimmern oft nur anfallsweise auftritt und in routinemäßigen Kurzzeit-EKGs verborgen bleibt. Herkömmliche mobile Wearables gelten laut Fachleuten derzeit noch als zu ungenau für verlässliche medizinische Befunde.

Eine Forschungsgruppe um Prof. Dr. Patric Eberle an der Hochschule Luzern hat in Zusammenarbeit mit dem Medtech-Startup evismo ein System auf Basis künstlicher Intelligenz entwickelt, das Unregelmäßigkeiten in EKG-Aufzeichnungen auch dann identifizieren kann, wenn die Aufzeichnung auf den ersten Blick unauffällig wirkt.

Das System wurde mit anonymisierten EKG-Daten von 7’000 Personen der Zürcher Firma evismo trainiert, was einer Gesamtmessdauer von 87 Jahren entspricht.

Vorklinische Resultate zeigen, dass die diagnostische Ausbeute bei Vorhofflimmern damit von 35 auf 80 Prozent gesteigert werden konnte, ohne dass die etablierte Messdauer von 24 Stunden verlängert werden musste. Derartige Technologien könnten künftig dazu beitragen, die Dunkelziffer unentdeckter Fälle früher zu senken.

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