Vorhofflimmern: Pulsed Field Ablation schont Gewebe und zielt präziser
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 21:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie interventionelle Kardiologie verzeichnet bei der Behandlung von Herzrhythmusstörungen einen spürbaren Technologiewechsel. Das Klinikum Kaufbeuren setzt in seiner Kardiologie seit August 2026 auf die sogenannte Elektroporation beziehungsweise Pulsed Field Ablation (PFA).
Bislang wird das Verfahren erst an wenigen spezialisierten Zentren praktiziert. Die Methode zielt darauf ab, Vorhofflimmern und andere Rhythmusstörungen gezielter und gewebeschonender zu therapieren als bisherige thermische Ansätze.
Gewebeschonung durch ultrakurze elektrische Felder
Die konventionelle Katheterablation nutzte bislang überwiegend extreme Hitze durch Radiofrequenzenergie oder Kälte durch Kryotechnik, um störendes Herzgewebe zu veröden. Bei der Elektroporation hingegen kommen kurze, hochenergetische elektrische Impulse zum Einsatz. Diese Impulse zerstören gezielt krankhafte Herzzellen, schonen umliegende anatomische Strukturen wie die Speiseröhre, Nervenbahnen sowie Blutgefäße jedoch weitgehend.
PD Dr. Marcus Koller, Chefarzt am Klinikum Kaufbeuren, bezeichnete die Methodik als präziser und schonender im Vergleich zu etablierten thermischen Verfahren. Erste Eingriffe seien im Haus erfolgreich und ohne Komplikationen verlaufen. Für den 14. November 2026 kündigte das Klinikum im Rahmen eines Tages der offenen Tür einen Fachvortrag von Koller über Vorhofflimmern an.
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Die Relevanz wirksamer Therapien ist hoch: Nach Angaben der Deutschen Herzstiftung leben in Deutschland 1,5 bis 2 Millionen Menschen mit Vorhofflimmern. Bei den über 70-Jährigen ist rund jeder Zehnte betroffen.
Zudem gehen laut Stiftung 20 bis 30 Prozent der durch Gefäßverschlüsse verursachten Schlaganfälle auf das Flimmern der Herzvorhöfe zurück. Auch andere Häuser wie die Sana Kliniken Niederlausitz in Senftenberg führten das Verfahren bereits 2025 ein.
Internationale Daten zu Sicherheit und klinischem Nutzen
Groß angelegte Register und Studiendaten untermauern die klinischen Resultate des Verfahrens. Auf der Fachtagung APHRS 2026 im koreanischen Busan legte Medtronic Auswertungen seines weltweiten REAL-PULSE-Registers vor. Die Untersuchung umfasste 1.160 Patienten an 38 Zentren weltweit, darunter 180 Fälle aus Korea.
Direkt nach dem Eingriff mit dem System PulseSelect lag die Erfolgsrate bei der Pulmonalvenenisolation (PVI) global wie auch in der Korea-Kohorte bei 100 Prozent. Innerhalb von sieben Tagen trat eine größere prozedurbezogene Komplikation auf (0,09 Prozent); schwerwiegende kardiovaskuläre PFA-Ereignisse innerhalb von 30 Tagen lagen ebenfalls bei 0,09 Prozent.
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Herzbeuteltamponaden, Schlaganfälle oder Todesfälle blieben aus. Weitere 16 Real-World-Studien mit über 1.572 Patienten wiesen eine Komplikationsrate von 0,3 Prozent auf.
Auch Boston Scientific stellte auf der Konferenz Daten vor: In der OPTION-A-Studie an 36 Zentren im Asien-Pazifik-Raum wurde die PFA mittels Farapulse mit einem interventionellen Verschluss des Vorhofohrs kombiniert. Nach zwei Monaten war das Vorhofohr bei über 99 Prozent der Patienten effektiv verschlossen; Schlaganfälle und Blutungen nach 30 Tagen lagen bei je 0,8 Prozent.
Weltweiter Ausbau der Kapazitäten
Parallel zu den deutschen Kliniken melden auch internationale Einrichtungen wachsende Zahlen. Das Krankenhaus Mazzini im italienischen Teramo wandte als erstes Zentrum in den Abruzzen eine PFA-Technologie der zweiten Generation bei vier Männern im Alter zwischen 41 und 62 Jahren erfolgreich an.
Am Institut de cardiologie de Montréal (ICM) stieg die Zahl der behandelten Rhythmuspatienten durch den Einsatz von zwei PFA-Konsolen binnen zwei Jahren von 370 auf 622. Dr. Peter Guerra vom ICM hob das Verfahren als schneller und potenziell sicherer gegenüber Hitze- und Kälteanwendungen hervor.
