Vorsorge in Ă–sterreich: Safe Hearts Allianz fordert fĂĽnf neue Screening-Bereiche
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 15:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die medizinische Vorsorge in Österreich steht vor einer grundlegenden Neuausrichtung. Die Safe Hearts Allianz, ein Zusammenschluss der Fachgesellschaften ÖGIM, ÖDG, ÖKG und ÖGN, hat in Wien ein Konzept zur Modernisierung der bestehenden Vorsorgeuntersuchung präsentiert.
Da die letzte wesentliche Ăśberarbeitung dieses Programms aus dem Jahr 2005 stammt, sieht der Vorschlag vor, den Leistungskatalog an aktuelle medizinische Erkenntnisse anzupassen. Konkret sollen fĂĽnf Bereiche neu in das Screening aufgenommen und acht bestehende Module adaptiert werden.
Fokus auf kardio-renale-metabolische Erkrankungen
Der Vorstoß der Fachgesellschaften reagiert auf die hohe gesundheitsökonomische Relevanz von Herz-Kreislauf-, Nieren- und Stoffwechselerkrankungen. Diese Krankheitsbilder sind laut Angaben der Allianz für etwa ein Drittel aller Sterbefälle in Österreich verantwortlich.
Ein zentraler Bestandteil der Reform ist die EinfĂĽhrung einer FrĂĽherkennung fĂĽr chronische Nierenerkrankungen bei Risikogruppen. HierfĂĽr sollen kĂĽnftig die Laborparameter eGFR und uACR erhoben werden.
Parallel dazu sieht das Konzept Anpassungen bei der Diagnose von Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen sowie Übergewicht und Adipositas vor. Bei Personen mit entsprechendem Risikoprofil wird empfohlen, Nüchternblutzucker und den HbA1c-Wert gemeinsam zu bestimmen.
Hinsichtlich des Fettstoffwechsels plädiert die Allianz für ein vollständiges Lipidprofil inklusive LDL-Cholesterin. Dieses könne ohne zusätzliche Laborkosten berechnet werden. Zudem solle der Wert Lipoprotein(a) einmalig im Rahmen der Vorsorge erhoben werden.
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Demografische Herausforderungen und geschlechtsspezifische Faktoren
Die Notwendigkeit einer präziseren Diagnostik verdeutlichen aktuelle Patientenzahlen. In Österreich leben schätzungsweise 700.000 Menschen mit Diabetes mellitus.
Während rund 19 Prozent der Erwachsenen einen Prädiabetes aufweisen, besteht bei knapp 3 Prozent der Bevölkerung eine bisher nicht diagnostizierte Diabetes-Erkrankung. Der Vorschlag der Safe Hearts Allianz sieht zudem vor, bei Frauen künftig verstärkt geschlechtsspezifische Risikofaktoren in die Untersuchung einzubeziehen.
Ähnliche Bestrebungen zeigen sich international: Die Kardiologische Liga in Belgien wies in einer aktuellen Kampagne darauf hin, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen die häufigste Todesursache bei Frauen seien, was jedoch nur einem Viertel der dortigen Bevölkerung bewusst sei.
Die Kardiologin Sofie Brouwers erläuterte in diesem Zusammenhang, dass Symptome bei Frauen, wie etwa Müdigkeit oder Magenbeschwerden, oft weniger eindeutig ausfielen als bei Männern.
Finanzierung und Beteiligung am Gesundheitssystem
Die Umsetzung der erweiterten Vorsorgeleistungen soll über den Gesundheitsreformfonds financed werden. Eine entsprechende Verordnung vom März 2026 sieht für Screening-Maßnahmen und zielgruppendifferenzierte Vorsorge jährlich zusätzliche 50 Millionen Euro vor. Aktuell nehmen jährlich etwa 1,4 Millionen Menschen an den Untersuchungen teil.
Die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) meldete für das Jahr 2025 rund 1,2 Millionen Teilnehmer, wobei der Frauenanteil bei 56 Prozent lag. Die Relevanz der Untersuchungen belegen die Daten des Vorjahres, in dem bei rund 160.000 Versicherten erstmals Hinweise auf Erkrankungen gefunden wurden, darunter über 75.000 Fälle von Bluthochdruck und knapp 43.000 Diabetes-Diagnosen. Um die Teilnahmerate weiter zu steigern, plant die ÖGK den Versand von 500.000 Einladungsbriefen an Versicherte.
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Diskussion über ergänzende Diagnosemethoden
Über die Vorschläge der Safe Hearts Allianz hinaus fordern Experten weitere Ergänzungen. Sabine Guth, ärztliche Leiterin der Sana Praevention, sprach sich für eine systematische Fettleber-Früherkennung mittels Ultraschall aus.
Diese Untersuchung ist bislang keine gesetzliche Regelleistung. Laut Guth begünstige eine Fettleber, von der in Deutschland etwa 20 Millionen Menschen betroffen seien, das Risiko für plötzlichen Herztod und Krebserkrankungen erheblich.
Bereits im Juni 2026 forderte zudem Heiner Wedemeyer als Präsident der DGVS ein generelles Leberscreening. Dabei solle idealerweise der Fib-4-Wert anhand von Leberwerten und der Thrombozytenzahl ermittelt werden, um Fibrosen frühzeitig zu erkennen. Ob solche Verfahren in den offiziellen Leistungskatalog übernommen werden, bleibt Gegenstand der gesundheitspolitischen Debatte.
