VOSÖ-Care-Programm: 700 Erstklässler trainieren den Umgang mit Gefühlen
Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 18:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Verschiedene Bildungsträger, kommunale Institutionen und internationale Marken reagieren mit neuen Programmen auf die wachsende psychosoziale Belastung von Heranwachsenden und Frauen. Ob durch Schulprojekte, zielgerichtete Mädchenförderung oder digitale Beratungsangebote: Die Maßnahmen zielen darauf ab, Alltagsbewältigung, Resilienz und das frühzeitige Erkennen von Problemen systematisch zu fördern.
Prävention und Emotionsregulierung im schulischen Alltag
In Österreich hat die Vereinigung von Ordensschulen Österreich (VOSÖ) das Projekt „VOSÖ-Care-Programm“ für Kinder und Jugendliche zwischen 3 und 14 Jahren ins Leben gerufen. Das Angebot richtet sich an Schüler, Eltern sowie Lehrkräfte und stützt sich auf den Einsatz von Mediatoren, Schulpsychologen, Sozialarbeitern und Seelsorgern.
VOSÖ-Geschäftsführerin Martha Mikulka betonte im Rahmen einer Pressekonferenz, dass Zukunftsängste, Leistungsdruck und Einsamkeit spürbar zunehmen, wobei Mädchen im Schnitt stärker belastet seien als Buben.
Bislang wurden 95 Schulleitungen und pädagogische Fachkräfte geschult. Zudem nahmen rund 700 Erstklässler an elf Volksschulen in Niederösterreich und Wien an einem gezielten Training zur Emotionsregulierung teil. Das Programm soll künftig an 85 Standorten etabliert werden.
Auch öffentliche Stellen in Niederösterreich setzen Schwerpunkte an Schulen: Die Fachstelle für Prävention stattet anlässlich des Welttags der psychischen Gesundheit am 10. Oktober 100 Einrichtungen mit Begleitmaterialien und Broschüren zur Resilienzförderung aus, unter anderem die Schule SMS Wölbling. Bildungs-Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister übergab die Materialien im Zuge des Abschlusses der Aktion „Yellow September“.
Gezielte Angebote für Mädchen und Familien
Auf regionaler und kommunaler Ebene gewinnen Projekte zur Stärkung weiblicher Heranwachsender an Bedeutung. Die Direktion für Frauen- und Familiendienste der Gemeinde Akdeniz in der türkischen Provinz Mersin startete ein psychosoziales Programm für sechs- bis 14-jährige Mädchen und deren Mütter in ländlichen Regionen.
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Nach Angaben von Psychologin Günay Duygu Ate? liegt der Schwerpunkt darauf, dass Mädchen lernen, eigene Grenzen wahrzunehmen, sich sicher zu verhalten und sich bei Bedarf Unterstützung zu suchen. Parallel dazu erhalten Mütter Schulungen zur Erziehungskompetenz, Suchtprävention und vertrauensvollen Kommunikation.
In Deutschland organisiert das femina vita Mädchenhaus Herford gemeinsam mit dem Jugendzentrum AREA34 einen dreitägigen Kurs für zehn- bis zwölfjährige Mädchen vom 20. bis 22. Oktober 2026 in Kirchlengern. Unter der Leitung von Erika Nauhart und Elena Durasamy behandeln die Teilnehmerinnen Themen wie Selbstvertrauen, Grenzziehung und gegenseitigen Rückhalt.
Globale Kampagnen und digitale Anlaufstellen
Neben regionalen Trägern engagieren sich auch weltweite Marken im Bereich der mentalen Gesundheit. Maybelline New York stellte vor dem Welttag der psychischen Gesundheit mit „Together We're Brave“ den jüngsten Baustein seines Programms „Brave Together“ vor. Über die seit 2020 laufende Initiative erhielten bislang mehr als 4 Millionen Menschen kostenlose individuelle Hilfen.
Das Unternehmen arbeitet mit über 45 Organisationen in 37 Ländern zusammen, stellte bisher fast 10 Millionen US-Dollar bereit und sagte weitere 20 Millionen Dollar an Spenden für die kommenden fünf Jahre zu. Für die Umsetzung in den USA kooperiert die Marke mit der National Alliance on Mental Illness (NAMI).
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Ergänzend entstehen niedrigschwellige digitale Angebote. Im baden-württembergischen Rems-Murr-Kreis wurde die kosten- und werbefreie App „Between The Lines“ in eine zweijährige Pilotphase überführt.
Nach Angaben von Landrat Richard Sigel bietet die von der Stiftung der Kreissparkasse Waiblingen finanzierte Plattform Jugendlichen anonyme Informationen zu lokalen Beratungsstellen und Praxen. Im Landkreis Wittenberg können sich Schüler ab der 5. Klasse über ein neues digitales Meldesystem direkt an das Jugendamt wenden, um Belastungen, Gewalt oder Vernachlässigung zeitnah mitzuteilen.
