Wartezeiten, Facharzt

Wartezeiten beim Facharzt: Jeder dritte gesetzlich Versicherte ist unzufrieden

Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 21:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der GKV-Spitzenverband verlangt gleiche Chancen auf Facharzttermine nach medizinischem Bedarf. Politik und Verbände streiten über Reformen und Folgen.

Facharzttermine: GKV-Spitzenverband fordert Vergabe nach Dringlichkeit
Ein leerer, minimalistischer Wartebereich in einer modernen Arztpraxis mit hellem Tageslicht und schlichten Sitzmöbeln. Illustration mit AI erstellt.

Der GKV-Spitzenverband hat gefordert, Arzttermine künftig ausschließlich nach medizinischer Dringlichkeit zu vergeben – unabhängig davon, ob Patienten gesetzlich oder privat versichert sind. Laut einem Bericht vom 22. September 2026 ist jeder dritte gesetzlich Versicherte mit den Wartezeiten auf einen Facharzttermin unzufrieden.

Terminplattform und Frageverbot als konkrete Vorschläge

Der Verband schlägt eine gesetzlich geregelte, tagesaktuelle Terminplattform vor, auf der alle Praxen einen festzulegenden Anteil ihrer Kassentermine anbieten müssten. Zudem fordert der GKV-Spitzenverband ein Verbot, bei der Terminvergabe nach dem Versicherungsstatus zu fragen.

Langfristig soll eine digital gestützte Primärversorgung den Zugang für gesetzlich Versicherte grundlegend verbessern. Auch taz.de und die Pharmazeutische Zeitung berichteten am 22. September 2026 übereinstimmend über die Forderung nach einem diskriminierungsfreien Zugang zu Facharztterminen.

Politische Reaktionen auf Bundes- und Länderebene

Die Debatte erhielt zusätzlichen Auftrieb durch Kanzler Friedrich Merz, der laut einem Bericht vom 23. September 2026 beklagte, Privatversicherte erhielten schneller Arzttermine als gesetzlich Versicherte, und den unterschiedlichen Zugang als Gerechtigkeitsproblem bezeichnete.

Merz kündigte zudem an, GKV-Entscheidungen wirkungsgleich auf die private Krankenversicherung übertragen zu wollen, blieb dabei aber konkrete Maßnahmen schuldig. Ein Kanzlersprecher stellte anschließend klar, dass damit keine Abschaffung der PKV gemeint sei.

CSU-Chef Markus Söder lehnte eine Abschaffung der privaten Krankenversicherung ab. Die SPD wirbt unterdessen für eine Bürgerversicherung und brachte einen Risikoausgleich zwischen privater und gesetzlicher Pflegeversicherung ins Gespräch. Die Grünen schlagen einen Einbezug der PKV in den GKV-Risikoausgleich vor, während die Linke die Überwindung des sogenannten Zwei-Klassen-Systems fordert.

Kritik von PKV-Verband und Ärzteschaft

Der PKV-Verband warnt vor einer Einschränkung oder Abschaffung des dualen Systems und verweist auf die Alterungsrückstellungen der privaten Versicherer.

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PKV-Verbandsdirektor Florian Reuther kritisierte, schlechte Wahlergebnisse dürften kein Anlass sein, langjährige Unionspositionen aufzugeben. Der Verband beziffert die zusätzlichen Einnahmen des Gesundheitssystems durch Privatversicherte auf jährlich 15,5 Mrd. Euro.

Das Wissenschaftliche Institut der PKV bezifferte den modellierten Mehrumsatz für 2024 auf gut 15,5 Mrd. Euro – dabei handelt es sich um eine Ausgaben-Differenzrechnung und keine tatsächliche Überweisung an die GKV, darunter mehr als 1 Mrd. Euro bei Arzneimitteln und mehr als 3 Mrd. Euro bei zahnärztlichen Leistungen. Für 2023 lag der PKV-Mehrumsatz laut Institut bei 14,46 Mrd. Euro.

Bundesärztekammer-Präsident Klaus Reinhardt warnte, ein Gesundheitssystem ohne PKV bedeute weniger Geld für alle, da private Praxiserlöse auch Ausstattung finanzierten, die allen Versicherten zugutekomme. Er bezifferte die jährlichen Einnahmen des Systems durch Privatversicherte ebenfalls auf 15,5 Mrd. Euro und forderte zugleich Reformen der GKV, die über reine Sparmaßnahmen hinausgehen.

Kassenärztliche Bundesvereinigung lehnt starre Fristen ab

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) lehnt eine politisch festgelegte Termingarantie ab. Fristen müssten sich nach medizinischer Dringlichkeit richten und ließen sich angesichts von Fachkräftemangel und begrenzten regionalen Kapazitäten schwer einhalten, so die KBV. Nach ihren Angaben wartet rund jeder vierte Patient länger als drei Wochen auf einen Facharzttermin.

Zahlen zu Wartezeiten und Versichertenstruktur

Eine GKV-Versichertenbefragung aus dem Jahr 2025 zeigt laut einem Bericht vom 23. September 2026, dass die Hälfte der befragten gesetzlich Versicherten binnen zehn Tagen einen Facharzttermin erhielt, während jeder Zehnte mindestens 90 Tage warten musste.

Beim Hausarzt bekamen drei Viertel der Befragten innerhalb von drei Tagen einen Termin, zehn Prozent warteten mindestens acht Tage. Wartezeiten von Privatversicherten waren in dieser Erhebung nicht enthalten.

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Eine nicht repräsentative Stichprobe auf der Plattform Doctolib fand demnach eine größere Terminauswahl für Privatversicherte, wobei auch GKV-Termine binnen weniger Tage verfügbar waren. Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe verwies darauf, dass Wartezeiten unter anderem von der medizinischen Dringlichkeit abhängen.

Zur Größenordnung der betroffenen Gruppen: Nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa sind 58,7 Mio. beitragszahlende Mitglieder und 15,8 Mio. Mitversicherte gesetzlich krankenversichert, 8,8 Mio. Menschen sind privat versichert.

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