WaschbÀren in Selters: Gemeinde zahlt JÀgern 25 Euro pro Tier
Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 00:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Mit sinkenden Temperaturen im Herbst suchen zahlreiche Wildtiere Schutz und Nahrung in der NĂ€he menschlicher Siedlungen. Vor allem Stinkwanzen und WaschbĂ€ren dringen dabei vermehrt in GebĂ€ude, GĂ€rten und private Wohnbereiche ein und sorgen dort fĂŒr Herausforderungen. Fachleute und Umweltorganisationen weisen auf wirksame MaĂnahmen hin, um GebĂ€ude zu schĂŒtzen und Konflikte mit den Wildtieren sachgerecht zu lösen.
Stinkwanzen suchen warme Winterquartiere
Sobald die AuĂentemperaturen unter 10 Grad fallen, drĂ€ngen verschiedene Wanzenarten in WohnhĂ€user, um dort zu ĂŒberwintern. Nach Angaben des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) gibt es in Deutschland rund 900 bis 1000 Wanzenarten, wobei die Tendenz steigend ist.
Zu den hĂ€ufigsten Besuchern gehören die GrĂŒne Stinkwanze mit einer KörpergröĂe von 12 bis 14 Millimetern sowie die Graue Gartenwanze, die 14 bis 16 Millimeter misst. Die GrĂŒne Stinkwanze wechselt im Herbst zudem ihre FĂ€rbung von GrĂŒn zu Braun. Ein einzelnes Weibchen kann im Mai und Juni bis zu 450 Eier legen.
Zunehmend tritt auch die aus Asien stammende Marmorierte Baumwanze auf, die 2011 erstmals in Konstanz nachgewiesen wurde. Die 12 bis 17 Millimeter groĂe Art ist mittlerweile unter anderem in Stuttgart, MĂŒnchen, Berlin, Leipzig und Hamburg verbreitet und befĂ€llt ĂŒber 300 Pflanzenarten, darunter Obst- und GemĂŒsesorten wie Ăpfel, Kirschen oder Tomaten.
FĂŒr Menschen sind Stinkwanzen ungefĂ€hrlich, da sie nicht stechen und keine Krankheiten ĂŒbertragen. Bei Gefahr sondern sie jedoch ein intensiv riechendes Sekret ab, weshalb sie weder zerdrĂŒckt noch mit dem Staubsauger aufgesaugt werden sollten. Das Umweltbundesamt rĂ€t ausdrĂŒcklich vom Einsatz chemischer Insektizide ab.
Das NiedersĂ€chsische Landesamt fĂŒr Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) empfiehlt stattdessen prĂ€ventive bauliche MaĂnahmen wie das Anbringen von Fliegengittern, das Abdichten von Mauerritzen sowie die Kontrolle von Brennholz vor dem Hereintragen.
Sobald die Temperaturen unter 10 Grad fallen, drĂ€ngen Stinkwanzen in Wohnungen und WaschbĂ€ren durchwĂŒhlen AbfĂ€lle und nisten sich in DĂ€mmung und DachgebĂ€lk ein. Wer jetzt die ZugĂ€nge abdichtet und die richtigen Hausmittel kennt, spart sich teure SchĂ€den und den Griff zur Chemie. Kostenlosen Herbst-Check anfordern
Gegen eingedrungene Tiere helfen einfache Hausmittel wie ein Gemisch aus Essig, Wasser und SpĂŒlmittel im VerhĂ€ltnis von 4:2:1 oder eine Lösung aus einem Teelöffel Neemöl auf 250 Milliliter Wasser.
WaschbÀren breiten sich in SiedlungsrÀumen aus
Eine gröĂere bauliche und ökologische Herausforderung stellen WaschbĂ€ren dar, die von der EuropĂ€ischen Union als invasive Art eingestuft sind. Die Tiere durchwĂŒhlen AbfĂ€lle, verdrĂ€ngen heimische Arten, ĂŒbertragen Krankheiten und können erhebliche SchĂ€den an der DĂ€mmung oder dem DachgebĂ€lk von WohnhĂ€usern verursachen.
Das Interesse an GegenmaĂnahmen ist groĂ; bei einer Informationsveranstaltung in Bad Oeynhausen lieĂen sich mehr als 100 Teilnehmende ĂŒber SchutzmaĂnahmen und ökologische Folgen aufklĂ€ren.
Viele greifen bei Stinkwanzen zum Staubsauger oder Insektizid â und verschlimmern damit genau das Problem, das sie lösen wollen. Dieser Leitfaden zeigt, wie Sie die Tiere schonend entfernen und mit einfachen baulichen MaĂnahmen dafĂŒr sorgen, dass sie gar nicht erst hineinkommen. PrĂ€ventions-Checkliste jetzt sichern
Auch Kommunen reagieren auf den Zuwachs. Die Gemeindevertretung von Selters im Taunus beschloss eine PrĂ€mie von 25 Euro fĂŒr JĂ€ger je erlegtem WaschbĂ€ren. Die Gemeinde rechnet mit rund 100 Tieren und jĂ€hrlichen Kosten von 2500 Euro. Nach Angaben des NABU und des Landesjagdverbands handelt es sich um die erste hessische Kommune mit einer solchen Regelung.
Im Jagdjahr 2024/2025 wurden in Hessen laut NABU etwas mehr als 41.000 WaschbĂ€ren erlegt. Der Naturschutzbund betont jedoch, dass eine Bejagung nur in EinzelfĂ€llen sinnvoll sei und das Problem im Wohnumfeld vor allem durch bauliche Sicherungen und das Vermeiden offener Futterquellen eingedĂ€mmt werden mĂŒsse.
Mehr zum Thema bei FAZ: âKopfgeld fĂŒr WaschbĂ€ren in hessischer Gemeinde Seltersâ
