Wasserdost: Pyrrolizidinalkaloide bergen Risiken für Leber und Erbgut
Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 00:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle Fachbeiträge widmen sich den therapeutischen Möglichkeiten, Wirkungsmechanismen und Sicherheitsaspekten ausgewählter Heilpflanzen in der Phytotherapie. Im Zentrum der pharmakologischen Betrachtungen stehen dabei die Große Kapuzinerkresse sowie der Gewöhnliche Wasserdost.
Beide Pflanzen weisen spezifische Inhaltsstoffprofile auf, unterscheiden sich jedoch grundlegend in ihren Anwendungsbereichen, ihrer wissenschaftlichen Evidenzlage und ihren toxikologischen Risikoprofilen.
Kapuzinerkresse: Biochemie und antimikrobielle Evidenz
Die Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus) wird in der Phytotherapie als Arzneidroge in Form des Krauts (Tropaeoli herba) genutzt. Als wesentlicher Inhaltsstoff gilt das Glucosinolat Glucotropaeolin. Durch den enzymatischen Abbau mittels Myrosinase entsteht daraus Benzylisothiocyanat (BITC), das als pharmakologisch aktives Senföl wirkt. Eine Humanstudie belegt dabei die Bioverfügbarkeit der Metaboliten des Glucotropaeolins.
In präklinischen Untersuchungen zeigte der Wirkstoff antimikrobielle Effekte gegenüber bakteriellen Erregern wie Staphylococcus aureus und Escherichia coli. Die klinische Evidenz stützt sich in der Praxis vor allem auf Kombinationspräparate, in denen Kapuzinerkressekraut zusammen mit Meerrettichwurzel verabreicht wird.
Auf europäischer Ebene liegt für die Pflanze bislang keine Monographie des Ausschusses für pflanzliche Arzneimittel (HMPC) bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) vor. Es existiert folglich weder eine Einstufung als traditionelles pflanzliches Arzneimittel (Traditional Use) noch als Produkt mit allgemeiner medizinischer Verwendung (Well-established Use). Auf nationaler Ebene hatte die frühere Kommission E des Bundesgesundheitsamtes die Droge historisch positiv bewertet.
Der Gewöhnliche Wasserdost enthält Pyrrolizidinalkaloide in ober- und unterirdischen Pflanzenteilen — diskutiert werden Leberschäden sowie genotoxische und kanzerogene Risiken. Eine EMA-Monographie fehlt bislang. Unser kostenloser Leitfaden zeigt in drei Schritten, wie Sie PA-belastete Heilpflanzen erkennen und welche Alternativen sich anbieten. Kostenlosen Leitfaden jetzt anfordern
Wasserdost: Traditionelle Nutzung und toxikologische Risiken
Der Gewöhnliche Wasserdost (Eupatorium cannabinum) blickt auf eine lange Anwendungsgeschichte zurück. Historisch wurde die Pflanze unter anderem bei Beschwerden von Magen-Darm, Leber und Galle, bei Fieber und Erkältungen sowie als harntreibendes Mittel und in der Wundbehandlung eingesetzt.
In experimentellen Modellen werden der Droge immunmodulierende, entzündungsmodulierende, antioxidative, antimikrobielle sowie zytotoxische Eigenschaften zugeschrieben. Neben Sesquiterpenlactonen wie Eupatoriopicrin enthält die Pflanze Flavonoide, Polysaccharide und ätherische Komponenten.
Den therapeutischen Möglichkeiten stehen erhebliche toxikologische Sicherheitsbedenken gegenüber. Sowohl in den ober- als auch in den unterirdischen Pflanzenteilen von Eupatorium cannabinum lassen sich Pyrrolizidinalkaloide (PA) nachweisen, darunter Verbindungen wie Lycopsamin, Intermedin, Echinatine und Supinin.
Viele Heilpflanzen haben keine HMPC-Monographie bei der EMA — weder Traditional Use noch Well-established Use. Das erschwert die sichere Anwendung erheblich. Unser Leitfaden erklärt, was fehlende Einstufungen praktisch bedeuten und wie Sie die Evidenzlage einzelner Drogen selbst prüfen. Leitfaden zu EMA-Monographien sichern
Diese Stoffe können nach metabolischer Aktivierung im Körper toxische, reaktive Zwischenprodukte bilden. In der Fachwelt werden daher insbesondere Schädigungen des Lebergewebes sowie genotoxische und kanzerogene Risiken diskutiert.
Analog zur Kapuzinerkresse liegt auch für den Wasserdost keine Monographie des HMPC bei der EMA vor, sodass auch hier formale Einstufungen als Traditional Use oder Well-established Use fehlen. Während Kapuzinerkresse durch antimikrobielle Wirkungen und etablierte Kombinationen therapeutische Relevanz besitzt, schränken die potenziellen Risiken der Pyrrolizidinalkaloide die Anwendung von Wasserdost maßgeblich ein.

