Wasserkrise, Garten

Wasserkrise im Garten: 80 Kommunen verbieten Befüllung und Bewässerung

Veröffentlicht am: 31.07.2026 um 19:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Über 80 deutsche Kommunen verbieten die Wasserentnahme. Landwirte und Gärtner müssen sich auf neue Regeln und Bußgelder einstellen.

Wasserknappheit in Deutschland: 80 Kommunen erlassen Bewässerungsverbote
Modernes Tröpfchenbewässerungssystem auf einem Feld bei Sonnenuntergang mit Fokus auf feuchte Erde und grüne Pflanzen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Angesichts steigender Temperaturen und veränderter klimatischer Bedingungen gewinnt die effiziente Wasserbewirtschaftung in der Landwirtschaft sowie im privaten Gartenbau massiv an Bedeutung. Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) belegen eine deutliche Zunahme der Hitzebelastung: In den vergangenen 70 Jahren stieg die Zahl der Sommertage um 21 an, während sich Tage mit Temperaturen über 30 Grad Celsius verdreifachten. Diese Entwicklung zwingt Kommunen und Landwirte gleichermaßen zu neuen Anpassungsstrategien.

Kommunale Regulierungen und Trinkwasserressourcen

In Deutschland haben im Juli 2026 bereits über 80 Kommunen Verbote zur Wasserentnahme erlassen. Betroffen sind unter anderem Landkreise in Baden-Württemberg wie Biberach, Esslingen und Konstanz sowie Regionen in Bayern und Brandenburg. In München wurde beispielsweise ein Befüllverbot für Pools ausgesprochen, während die Bewässerung von Grünflächen auf das Zeitfenster zwischen 19:00 und 09:00 Uhr begrenzt ist. Verstöße gegen diese Auflagen können mit Bußgeldern von bis zu 10.000 Euro geahndet werden. Ausnahmen bestehen häufig für die Bewässerung von Bäumen sowie für die Nutzung von Regentonnen und Tropfbewässerungssystemen.

In Schleswig-Holstein, wo das Trinkwasser zu 100 Prozent aus Grundwasser gewonnen wird, verdoppelte sich der Verbrauch beim Zweckverband Ostholstein (ZVO) während einer Hitzeperiode Ende Juni auf 37.000 Kubikmeter pro Tag. Während landesweit derzeit kein akuter Wassermangel herrscht, setzen einzelne Organisationen wie der Kleingartenverein Pinneberg bereits seit fast fünf Jahren auf ein striktes Schlauchverbot und eine Verpflichtung zum Sammeln von Regenwasser, wobei 1.000 Liter Kapazität pro Parzelle vorgeschrieben sind.

Agrarwirtschaftliche Herausforderungen und Schutzmaßnahmen

Die Landwirtschaft sieht sich mit Phänomenen konfrontiert, die früher vornehmlich aus südlicheren Klimazonen bekannt waren. Ein Agrarberater wies darauf hin, dass Sonnenbrand bei Nutzpflanzen zunehmend ein Problem darstelle. In Mecklenburg-Vorpommern nutzt der Apfelbauer Jakob Oestreicher in Boddin eine Frostschutzberegnung zur Kühlung seiner 100 Hektar großen Anlage, sobald die Schalentemperatur der Äpfel kritische 40 Grad erreicht. Die Wasserversorgung erfolgt hierbei ausschließlich über Regenwasser-Teiche.

In der bayerischen Kartoffelproduktion führt die Hitze zu einem Verlust der Keimruhe und drohender Kindelbildung. Zudem belasten Zikaden, die Krankheiten wie SBR oder Stolbur übertragen, die Bestände in über 40 Landkreisen. Experten empfehlen hier den Einsatz von Blattdüngern zur Stabilisierung, wenngleich sich die Dämme trotz Beregnung oft über 30 Grad Celsius erhitzen.

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Optimierte Pflege von Garten- und Balkonpflanzen

Für den privaten Bereich empfehlen Fachleute eine priorisierte Bewässerung. Topfpflanzen auf Balkonen sowie frisch gepflanzte Bäume und Sträucher benötigen Vorrang. Ein einfacher Fingertest in zwei bis drei Zentimetern Tiefe gibt Aufschluss über den Feuchtigkeitsbedarf. Wasser sollte bis zu 15 Zentimeter tief in den Boden eingebracht werden, wobei das Benetzen der Blätter zu vermeiden ist.

Besondere Aufmerksamkeit erfordern Zucchini und Tomaten:
* Zucchini: Bei der sogenannten Hitzewelke hängen die Blätter mittags schlaff herab, erholen sich jedoch abends eigenständig. Ein Gießen ist nur notwendig, wenn die Blätter auch morgens schlaff bleiben. Pro Pflanze werden zwei- bis dreimal wöchentlich 5 bis 10 Liter Wasser empfohlen.
* Tomaten: Während regelmäßiges Ausgeizen der Durchlüftung dient, sollte bei Temperaturen über 35 Grad Celsius darauf verzichtet werden, da das Laub als Sonnenschutz und zur Verdunstungskühlung fungiert. Ab 38 Grad Celsius sollte kein Beschnitt mehr erfolgen, um Sonnenbrand zu vermeiden.

Für die Rasenpflege gilt die Ein-Drittel-Methode: Der Schnitt sollte nicht zu kurz erfolgen, idealerweise bleibt die Halmlänge einen Zentimeter über dem üblichen Niveau.

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Zur Automatisierung der Bewässerung bietet der Markt solarbetriebene Systeme an. Ein Modell von Gardena, das im Test bei Fachmagazinen als Sieger hervorging, ermöglicht die Versorgung von bis zu 30 Pflanzen ohne Wasseranschluss mittels einer Pumpe aus Regentonnen. Der Preis für solche Sets liegt bei etwa 125,90 Euro.

Neben der Flora leidet auch die Fauna unter der Trockenheit. Fachleute und Kommunen wie die Stadt Heidelberg raten dazu, flache Wasserstellen für Insekten, Vögel und Kleinsäuger einzurichten. Diese sollten mit Steinen oder Stöckchen versehen werden, um ein Ertrinken der Tiere zu verhindern.

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