Waymo kündigt Uber-Partnerschaft auf: Eigenständiger Dienst ab 2028
Veröffentlicht am: 27.07.2026 um 18:40 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der US-Markt für autonome Fahrdienste ist in Bewegung. Tesla bringt seine Robotaxis ohne Sicherheitsfahrer nach Florida – und Waymo kündigt die Partnerschaft mit Uber auf.
Florida wird zum Schauplatz des autonomen Wettstreits
Tesla hat am 21. Juli 2026 seinen fahrerlosen Fahrdienst auf Orlando und Tampa ausgeweitet. Nach dem Start in Miami Anfang des Monats ist es bereits der dritte Markteintritt in Florida. Die Besonderheit: Die Fahrzeuge operieren ohne Sicherheitsfahrer – Passagiere buchen die Fahrt per App.
Die Servicezonen sind noch überschaubar. In Orlando umfassen sie rund 20 bis 25 Quadratkilometer, in Tampa lediglich etwa fünf Prozent des Stadtgebiets. Dennoch setzt Tesla auf sein kamerabasiertes System als günstigere Alternative zu herkömmlichen Fahrdiensten.
Der Vorstoß in Tampa ist bemerkenswert: Erstmals erreicht Tesla einen Markt vor Waymo. Branchenbeobachter sprechen von einer gestiegenen Expansionsgeschwindigkeit – auch wenn die tatsächliche Fahrzeugzahl gering bleibt. Schätzungen zufolge umfasst Teslas fahrerlose Flotte landesweit nur rund 21 Fahrzeuge, die meisten davon in Austin.
Doch Waymo gibt sich nicht geschlagen. Der Alphabet-Konzern hat ebenfalls Tampa, San Diego, Las Vegas und Denver ins Visier genommen. In Tampa testet Waymo bereits sein neues Modell „Ojai", das gemeinsam mit Geelys Marke Zeekr entwickelt wurde – zunächst allerdings nur für Mitarbeiter.
Ende einer Ära: Waymo kündigt Uber-Partnerschaft auf
Ein weitreichender Schritt zeichnet sich ab: Waymo hat Uber über die Absicht informiert, ab Januar 2028 in Austin und Atlanta einen eigenständigen Dienst zu starten. Das würde das Ende der bisherigen Exklusivpartnerschaft bedeuten.
Die Beziehung zwischen beiden Unternehmen hatte zuletzt gelitten. Schon im Mai 2026 war die gemeinsame Zusammenarbeit in Phoenix ausgelaufen – Streitpunkte waren unter anderem die Fahrzeugreinigung, Routenplanung und Sicherheitsvorschriften.
Waymo zeigt sich unzufrieden mit Ubers operativer Abwicklung. Uber wiederum beklagt unwirtschaftliche Bedingungen und Probleme mit der Fahrzeugverfügbarkeit bei schlechtem Wetter. Hinzu kommt interner Druck: Uber setzt sich zunehmend für den Schutz seines Fahrernetzwerks ein. In New Jersey lobbyiert der Konzern für ein „Hybrid-Netzwerk"-Gesetz, wonach mindestens 85 Prozent aller Fahrten in Pilotprojekten von Menschen durchgeführt werden müssten. Trotz des Zerwürfnisses hält Uber an Investitionen von umgerechnet rund neun Milliarden Euro in verschiedene Robotaxi-Partnerschaften fest.
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Zwei Welten: Flottengröße und Technik im Vergleich
Der auffälligste Unterschied zwischen den Rivalen bleibt die Größenordnung. Waymo betreibt rund 4.000 Fahrzeuge mit Lidar-Sensoren in mehr als zehn US-Städten und wickelt wöchentlich über 500.000 bezahlte Fahrten ab.
Teslas „Cybercab"-Initiative steckt dagegen in einer Wachstumsphase mit niedrigem Volumen. Im zweiten Quartal 2026 verzeichnete das Unternehmen rund 1,4 Millionen Kilometer an bezahlten Robotaxi-Fahrten – ein Wert, der im Vergleich zum Vorquartal stagnierte.
Auch die Technik steht unter politischer Beobachtung. In New Jersey liegt ein Gesetzesentwurf vor, der Lidar- und Radarsensoren für alle Robotaxis vorschreiben würde. Das wäre ein Problem für Tesla, das ausschließlich auf Kameras setzt. Zudem prüft die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA Teslas „Full Self-Driving"-System und fordert interne Unterlagen zur Rolle des Radars bei autonomen Sicherheitsfunktionen an.
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Finanzen und Ausblick: Tesla unter Druck, Waymo mit Milliardenpolster
Tesla expandiert in einem schwierigen finanziellen Umfeld. Der Umsatz im zweiten Quartal 2026 stieg zwar auf umgerechnet rund 25 Milliarden Euro – ein Plus von 26 Prozent im Jahresvergleich. Doch der Gewinn von 0,33 Euro pro Aktie enttäuschte die Analysten. Der freie Cashflow war mit rund einer Milliarde Euro negativ, bedingt durch hohe Investitionen in die autonome Infrastruktur.
Tesla peilt für Ende 2026 oder Anfang 2027 die Freigabe der Software FSD v15 mit zehn Milliarden Parametern an. Waymo hingegen baut seine Marktführung weiter aus. Nach einer Finanzierungsrunde über 14,5 Milliarden Euro im Februar 2026 – das Unternehmen wurde damals mit umgerechnet 114 Milliarden Euro bewertet – bereitet Waymo den ersten internationalen Schritt vor: Noch in diesem Jahr soll der Dienst in London starten.
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