Wearables in klinischen Studien: Kalorienmessung verfehlt die Genauigkeit
Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 12:04 Uhr | Redaktion boerse-global.deBeim Einsatz handelsĂŒblicher Wearables in klinischen Studien zeigen sich deutliche GenauigkeitslĂŒcken bei der Messung klinischer Endpunkte. Die VerlĂ€sslichkeit der erhobenen Vitaldaten gewinnt vor allem vor dem Hintergrund dezentraler Studienformate an Bedeutung.
Nach Daten des Marktforschungsunternehmens BCC Research lag das weltweite Marktvolumen fĂŒr dezentrale klinische Studien im Jahr 2024 bei 8,8 Mrd. USD. Bis zum Jahr 2030 prognostizieren die Marktforscher ein weiteres Wachstum auf 18,8 Mrd. USD.
Diskrepanzen bei Schlafstadien und physiologischen Parametern
Die messtechnischen Herausforderungen betreffen insbesondere komplexe Biosignale. Ein direkter Vergleich der GerĂ€te Oura Ring Gen3, Fitbit Sense 2 und Apple Watch Series 8 mit einer standardisierten Polysomnographie bei 35 Teilnehmern belegte zwar eine SensitivitĂ€t von ĂŒber 95 Prozent bei der Unterscheidung zwischen Schlaf- und WachzustĂ€nden.
Die Genauigkeit bei der Bestimmung spezifischer Schlafstadien fiel jedoch spĂŒrbar geringer aus und variierte sowohl nach GerĂ€t als auch nach Schlafstadium.
Die US-Gesundheitsbehörde FDA legte in einer Leitlinie zu digitalen Gesundheitstechnologien aus dem Jahr 2023 fest, dass die GerĂ€teauswahl exakt zur geplanten Messung passen muss. Vor dem Einsatz in klinischen PrĂŒfungen ist zudem eine strikte Validierung gegen anerkannte Referenzstandards erforderlich.
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WÀhrend grundlegende Messungen wie Herzfrequenz und Schrittzahl auf den meisten kommerziellen GerÀten als zuverlÀssig gelten, bleibt die Erfassung von Stress anhand der HerzfrequenzvariabilitÀt (HRV) auf Consumer-Smartwatches messtechnisch schwer belegbar. Sowohl die FDA als auch die US-Handelskommission FTC fordern bei entsprechenden Angaben die Offenlegung der genutzten Methodik.
Grenzen bei Kalorienverbrauch und Studienpopulationen
Ein systematischer Review bestĂ€tigt das differenzierte Bild: Die Herzfrequenzmessung erweist sich ĂŒber verschiedene GerĂ€te hinweg als am zuverlĂ€ssigsten. Bei Schlafdaten gelingt die Erkennung von Wach- und Schlafphasen gut, wĂ€hrend Messungen von Tiefschlaf und REM-Schlaf unzuverlĂ€ssig bleiben.
Bei der SchrittzĂ€hlung liefern handelsĂŒbliche Tracker praxistaugliche NĂ€herungswerte, wohingegen der berechnete Kalorienverbrauch laut dem Review bei keinem der untersuchten GerĂ€te eine hinreichende Genauigkeit erreichte. Zudem fehlten in zahlreichen analysierten Studien systematische Angaben zur Hautfarbe der Teilnehmenden, was die allgemeine Ăbertragbarkeit der Validierungsdaten beeintrĂ€chtigt.
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Trotz der methodischen Vorbehalte in der klinischen Forschung wĂ€chst der Endkundenmarkt rasant weiter. Nach Angaben des Global Wellness Institute erreichte die weltweite Wellness-Ăkonomie im Jahr 2024 einen Umfang von 6,8 Bio. USD; fĂŒr das Jahr 2029 wird ein Anstieg auf 9,8 Bio. USD prognostiziert.
Um Consumer-Wearables kĂŒnftig rechtssicher als Datengrundlage in dezentralen Zulassungsstudien nutzen zu können, mahnen Fachleute standardisierte Validierungsverfahren fĂŒr physiologische Messwerte an.
