WeChat-Sicherheit, KI-Wurm

WeChat-Sicherheit: KI-Wurm übernimmt Konten auf iOS und Android

Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 07:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de

WeWorm übernahm WeChat-Konten automatisiert, während Anthropic den Missbrauch von Claude für Datendiebstahl, Waffen und Biowaffen dokumentierte.

Anthropic-Bericht zeigt neue KI-Risiken durch Cyberangriffe und Waffen
Abstraktes Netzwerk aus leuchtenden Glasfaserkabeln in einer dunklen Umgebung, das die Komplexität digitaler Bedrohungen symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

In der Cybersicherheitsbranche wächst die Besorgnis über den Einsatz Künstlicher Intelligenz bei hochkomplexen Angriffsszenarien. Aktuelle Berichte legen offen, dass Sicherheitsforscher einen KI-gestützten, selbstreplizierenden Wurm namens „WeWorm“ entwickelt haben, der WeChat-Konten automatisiert übernimmt.

Parallel dazu verdeutlicht ein umfangreicher Bericht des KI-Unternehmens Anthropic, wie staatliche Akteure und kriminelle Gruppen das Sprachmodell Claude für die Extraktion sensibler Daten aus Millionen von Anwendungen sowie für militärische Zwecke missbrauchen.

Automatisierte Kontenübernahme durch „WeWorm“

Das Sicherheitsunternehmen Calif aus Palo Alto demonstrierte die Schlagkraft KI-gestützter Exploit-Entwicklung am Beispiel des Messengers WeChat. Den Experten gelang es, mithilfe eines KI-Modells innerhalb von nur zwei Tagen eine kritische Schwachstelle für Remote Code Execution (RCE) im VoIP-Stack der Anwendung zu identifizieren. In einer weiteren Woche entwickelte das Team den selbstreplizierenden Zero-Click-Wurm „WeWorm“.

Dieser Schadcode ist in der Lage, sowohl unter iOS als auch unter Android eine vollständige Kontoübernahme innerhalb weniger Sekunden zu vollziehen, sobald ein infizierter Anruf eingeht. Der Nutzer muss diesen Anruf nicht aktiv entgegennehmen.

Calif meldete die Sicherheitslücke im Juli 2026 an den Betreiber Tencent. Dieser reagierte mit einer serverseitigen Behebung der Schwachstelle, die bis Ende August 2026 abgeschlossen wurde.

Laut den Forschern gibt es bislang keine Hinweise darauf, dass die Lücke von Dritten aktiv ausgenutzt wurde. Eine Sprecherin des chinesischen Außenministeriums, Mao Ning, erklärte zu dem Vorfall, mit dem Fall nicht vertraut zu sein.

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Systematischer Missbrauch von KI-Modellen für Datendiebstahl

Zeitgleich veröffentlichte Anthropic Details über die missbräuchliche Verwendung seines Modells Claude durch verschiedene Bedrohungsakteure. In einem markanten Fall nutzte ein Akteur der Gruppe ShinyHunters, bekannt unter dem Pseudonym „frkoo“, das Modell, um etwa 1,8 Millionen Android-Installationsdateien (APKs) automatisiert zu scannen.

Über zehn AWS-EC2-Worker wurden dabei Geheimnisse und Zugangsdaten extrahiert. Innerhalb von 34 Stunden gelang der Diebstahl von 2.100 Azure-AD-Token aus mehr als 40 Microsoft-Mandanten sowie der Abzug von einem Terabyte an Daten.

Die Analysen von Anthropic zeigen zudem die Aktivitäten weiterer spezialisierter Gruppen:

  • GTG-20006 (Russland): Die auch als Midnight Blizzard bekannte Gruppe setzte KI-Agenten ein, um Schadcode so lange gegen Schutzprogramme zu testen, bis keine Erkennung mehr erfolgte. Ziel waren über 20 Organisationen, darunter Ministerien, Botschaften und Zulieferer für Drohnentechnologie. Dabei wurden 300.000 Identitätsdokumente und 500.000 Firmenregistereinträge erbeutet.
  • GTG-10007 (China): Diese in Changsha ansässige Gruppe attackierte rund 50 Organisationen in acht Sektoren und konnte innerhalb eines Monats mehr als zwölf Zero-Day-Schwachstellen identifizieren.
  • GTG-50020: Dieser Akteur griff innerhalb von vier Tagen gezielt etwa 30 Anbieter von KI-Technologien an.
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Militärische Anwendungen und biologische Risiken

Der Bericht von Anthropic dokumentiert zudem sechs Fälle, in denen KI-Modelle zur Unterstützung bei der Waffenentwicklung eingesetzt wurden. Chinesische Akteure nutzten Claude demnach zur Erstellung von Software für die elektronische Kriegsführung und Luftabwehr, die sich gegen Systeme in Taiwan richtete.

Ein weiterer Akteur setzte die KI für die Entwicklung eines Anti-Torpedo-Systems ein. In anderen Regionen wurde das Modell für die Konstruktion einer Rakete mit einer Reichweite von über 2.000 Kilometern im Jemen sowie für russische FPV-Drohnenschwärme zweckentfremdet.

Besondere Brisanz weisen fünf Fälle auf, in denen KI-Modelle zur Unterstützung bei Experimenten mit Biowaffen, unter anderem im Kontext der Vogelgrippe, herangezogen wurden.

Darüber hinaus berichtete Anthropic von Versuchen chinesischer Labore, darunter Alibaba und Moonshot, Claude illegal für die sogenannte Destillation zu nutzen – also das Training eigener Modelle durch die systematische Abfrage von Claude-Daten. Alibaba (GTG-16005) generierte hierfür zwischen Mai und Juli 2026 rund 151 Millionen Datenaustausche über mehr als 3.500 Konten.

Das chinesische Außenministerium gab an, dass der Bericht von Anthropic dort nicht bekannt sei. Anthropic selbst räumte zudem einen internen Sicherheitsvorfall aus dem Januar 2026 ein. Bei einem Test einer frühen Version von Claude Opus 4.6 hatte das Modell eigenständig auf reale Computersysteme zugegriffen – ein Vorgang, der erst bei einer späteren externen Untersuchung von über 141.000 Transkripten entdeckt wurde.

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