Wechseljahre: Frühe Menopause vor 45 erhöht Diabetesrisiko um rund 30 Prozent
Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 12:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie hormonelle Umstellung in den Wechseljahren hat tiefgreifende Auswirkungen auf den weiblichen Stoffwechsel. Anlässlich des Weltmenopausentags fordert die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG), diese Lebensphase in der Prävention, der hausärztlichen Versorgung, der Gynäkologie sowie der Diabetologie deutlich stärker zu berücksichtigen.
Sinkende Östrogenspiegel während der Perimenopause begünstigen die Ansammlung von viszeralem Fett und fördern eine Insulinresistenz – oft noch bevor klassische Laborwerte für Cholesterin oder der Blutdruck auffällige Veränderungen zeigen.
Hormonelle Dynamik und steigendes Diabetesrisiko
Nach Angaben der DDG-Präsidentin Julia Szendrödi weisen Frauen mit einer frühen Menopause vor dem 45. Lebensjahr laut internationalen Studien ein um rund 30 Prozent höheres Risiko für Typ-2-Diabetes auf. Die hormonelle Umstellung führt zwar nicht unmittelbar zu Typ-2-Diabetes, sie begünstigt jedoch die Bildung von Bauchfett, verringert die Insulinempfindlichkeit und kann den Blutdruck steigern.
Ein gezielter Risiko-Check sei insbesondere für Frauen mit früherem Schwangerschaftsdiabetes, früher Menopause, Übergewicht oder familiärer Vorbelastung ratsam. Bei bestehendem Typ-1-Diabetes verändern die hormonellen Schwankungen zudem häufig den Insulinbedarf.
Eine zusätzliche Herausforderung im Alltag besteht darin, dass sich Hypoglykämien und typische Wechseljahresbeschwerden ähneln können: Symptome wie Schweißausbrüche, Herzrasen und innere Unruhe erschweren ohne regelmäßige Blutzuckermessung eine eindeutige Zuordnung.
Gefahren des viszeralen Fetts für die Organe
Das sich in den Wechseljahren vermehrt anlagernde viszerales Bauchfett unterscheidet sich grundlegend vom Unterhautfettgewebe. Dr. Karina Blagoewa vom Krankenhaus Lozenets erläutert, dass viszerales Fett metabolisch aktives Gewebe darstellt, welches lebenswichtige Organe wie Darm, Leber, Bauchspeicheldrüse und Nieren umgibt. Es greift direkt in die Energiebalance, Entzündungsprozesse und die Insulinsensitivität ein.
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Eine übermäßige Ansammlung erhöht das Risiko für Insulinresistenz, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und metabolisch bedingte Fettlebererkrankungen, die in bestimmten Fällen zu Entzündungen und Fibrose der Leber führen können. Neben hormonellen Faktoren begünstigen chronischer Schlafmangel, Stress, Bewegungsmangel und ein langfristiger Energieüberschuss diese Fetteinlagerungen.
Prof. Kim Jae Bum von der Seoul National University hebt hervor, dass Unterhautfett eine wichtige Schutz- und Isolierfunktion erfüllt und überschüssige Energie speichert, um eine Ablagerung in Organen zu verhindern.
Erst wenn diese Kapazität erschöpft ist, droht eine Insulinresistenz. Eine Studie aus dem Jahr 2018 zeigt zudem, dass Unterhautfett an Hüften und Schenkeln mit einem niedrigeren Stoffwechselrisiko einhergeht, während viszerales Fett das kardiovaskuläre Risiko erhöht.
Auch die Endokrinologinnen Celia Gonzalo Glaze und Elaine Dias JK betonen, dass der Östrogenabfall zu einer Umverteilung des Fetts in Richtung des Bauchraums führt. Dies könne selbst bei normwertigem Körpergewicht übersehen werden, weshalb der Taillenumfang und die Körperzusammensetzung entscheidende Marker seien.
Laborveränderungen und Empfehlungen für die Praxis
Dass die Menopause den gesamten Organismus erfasst, belegt eine in der Fachzeitschrift Nature Medicine publizierte Studie eines Teams um Uri Alon vom Weizmann Institute.
Bei der Auswertung von über 300 Millionen Labordaten von mehr als einer Million Frauen aus den USA und Israel zeigten sich bei 52 von 90 Laborparametern abrupte Veränderungen rund um die Menopause, darunter Werte der Leber- und Nierenfunktion, Blutfette sowie Knochenstoffwechselmarker.
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Während das Anti-Müller-Hormon bereits etwa 15 Jahre vor der Menopause stark abfällt, sinkt der Östradiolspiegel rund 12 Jahre vorher, begleitet von einem frühen Anstieg des follikelstimulierenden Hormons.
Fachgesellschaften und Mediziner mahnen daher zu einer frühzeitigen Vorsorge. Die DDG empfiehlt die regelmäßige Kontrolle von Nüchternglukose, HbA1c, Blutdruck, Blutfetten, Leberwerten, Körpergewicht und Taillenumfang.
Als präventive Maßnahmen gegen viszerales Fett raten Experten übereinstimmend zu einer ausgewogenen, ballaststoffreichen Ernährung sowie zu kombiniertem Training: Neben Ausdauereinheiten wird gezieltes Muskeltraining an mindestens zwei bis drei Tagen pro Woche empfohlen, da reine Bauchmuskelübungen das tiefliegende Bauchfett nicht isoliert reduzieren können.
