Wechseljahre, Krafttraining

Wechseljahre: Wie Krafttraining viszerales Bauchfett reduziert

Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 09:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Sinkendes Östrogen verĂ€ndert die Fettverteilung. Krafttraining, Ausdauer, proteinreiche ErnĂ€hrung und weniger Stress können gegensteuern.

Wechseljahre: Warum Bauchfett zunimmt und was dagegen hilft
Ein lichtdurchfluteter, leerer Fitnessraum mit Holzboden und minimalistischer Einrichtung ohne Personen. Illustration mit AI erstellt.

Gesundheitssendungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen rĂŒcken vermehrt die hormonell bedingte Fettansammlung an der Körpermitte wĂ€hrend der Wechseljahre in den Fokus. Formate wie das SWR-Magazin „Doc Fischer“ und die schwedische SVT-Produktion „FrĂ„ga doktorn“ beleuchten in ihren BeitrĂ€gen, warum Frauen in dieser Lebensphase vermehrt viszerales Bauchfett ansetzen und welche Rolle gezielte Bewegung sowie ErnĂ€hrung bei der PrĂ€vention spielen.

Ursachen der verÀnderten Fettverteilung

Ein sinkender Östrogenspiegel verĂ€ndert die Fettverteilung im Körper grundlegend. Dieser Prozess betrifft auch Frauen, die zuvor schlank waren. Laut medizinischen FachbeitrĂ€gen von Krankenkassen wie der Barmer steuern Östrogen und Progesteron den weiblichen Zyklus.

WĂ€hrend Östrogen in jĂŒngeren Jahren die subkutane Fettspeicherung an HĂŒften und Oberschenkeln fördert, fĂŒhrt das Absinken des Hormons dazu, dass Fett vermehrt im Bauchbereich eingelagert wird.

In der Perimenopause, die oft in den frĂŒhen Vierzigern einsetzt, wirken vier biologische Haupttreiber:
- Die Fettverlagerung von HĂŒfte und Oberschenkeln hin zum viszeralen Bauchgewebe
- Ein Nachlassen der zellulÀren Insulinempfindlichkeit
- VerÀnderungen der Schlafarchitektur, die mit einem erhöhten Cortisolspiegel einhergehen
- Ein beschleunigter Verlust an Muskelmasse, der den Grundumsatz senkt

Ohne Gegenmaßnahmen verlieren Frauen ab dem 40. Lebensjahr zwischen 3 und 8 Prozent ihrer Muskelmasse pro Dekade. Fachleute weisen darauf hin, dass ein plötzlicher, unerklĂ€rter Gewichtsanstieg von mehr als 5 bis 10 Pfund innerhalb von ein bis zwei Monaten Ă€rztlich abgeklĂ€rt werden sollte.

Zudem birgt die viszerale Fetteinlagerung gesundheitliche Gefahren. Eine Beobachtungsstudie der UK Biobank mit 458.543 Teilnehmenden ĂŒber einen medianen Zeitraum von fast zwölf Jahren zeigte, dass der Anteil ĂŒbergewichtsbedingter KrebsfĂ€lle bei BerĂŒcksichtigung von Taillenumfang und Taille-HĂŒfte-VerhĂ€ltnis von rund 5,5 Prozent auf bis zu 11,5 Prozent stieg. Viszerales Fett gilt als stoffwechselaktiv und fördert chronische EntzĂŒndungsprozesse.

Die Rolle von Kraft- und Ausdauertraining

Sportwissenschaftler betonen, dass ein lokaler Fettabbau an einer spezifischen Körperstelle physiologisch nicht möglich ist. Der Sportphysiologe Jason Machowsky erklĂ€rt, dass Ausdauertraining zwar absolut mehr Kalorien verbrenne als Krafttraining, es jedoch keine pauschal ĂŒberlegene Cardioform gebe.

Anzeige

Da der Körper mit zunehmendem Alter natĂŒrlicherweise Muskelmasse verliert, ist gezieltes Gegensteuern fĂŒr die langfristige Gesundheit entscheidend. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt Ihnen 6 einfache Übungen fĂŒr zuhause, mit denen Sie effektiv Muskelschwund vorbeugen und Ihre VitalitĂ€t steigern können. Kostenlosen PDF-Ratgeber mit 6 KraftĂŒbungen sichern

Machowsky empfiehlt Trainingsformen, die innerhalb von 10 bis 15 Minuten fordern und ĂŒber 20 bis 30 Minuten durchgehalten werden können, wie etwa Rudern.

Gleichzeitig gewinnt Krafttraining als therapeutisches Mittel an Bedeutung. Eine Studie der brasilianischen UniversitĂ€t UNICAMP zeigte im Tiermodell an adipösen MĂ€usen, dass Krafttraining ĂŒber sieben Tage hinweg die Lipolyse ĂŒber die ABHD5-ATGL-Interaktion reaktivierte und das Fettsynthese-Gen Scd1 drosselte. Dadurch reduzierte sich das mesenteriale Fettgewebe bereits vor einer sichtbaren Gewichtsabnahme.

FĂŒr den Menschen belegen Untersuchungen der Forscherin Abbie Smith-Ryan von der University of North Carolina, dass bereits ein sechswöchiges hochintensives Krafttraining (zweimal wöchentlich rund 30 Minuten) bei perimenopausalen Frauen zu signifikanten Verbesserungen der Kraft, der MuskelqualitĂ€t sowie zu frĂŒhen KnochenverĂ€nderungen fĂŒhrt.

Das Vorurteil, schweres Heben sei im Alter gefĂ€hrlich, gilt als widerlegt; Experten raten zu zwei bis drei Einheiten pro Woche mit VerbundĂŒbungen wie Kniebeugen oder Druck- und Zugbewegungen.

Anzeige

Wer im Alltag fit und schmerzfrei bleiben möchte, profitiert oft schon von einer minimalen, aber regelmĂ€ĂŸigen Trainingsroutine. Entdecken Sie 17 vom Experten entwickelte Übungen, die in nur 3 Minuten tĂ€glich Ihre Muskeln stĂ€rken und Beschwerden vorbeugen. 17 Gratis-WunderĂŒbungen als PDF herunterladen

ErnÀhrung und Lebensstil im Zusammenspiel

Neben der Bewegung bildet die ErnÀhrung eine zentrale SÀule. Forscher Stuart Phillips von der McMaster University empfiehlt Frauen in der Perimenopause eine tÀgliche Proteinzufuhr von 1,2 bis 1,6 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht.

Smith-Ryan rÀt zu etwa 30 Gramm Protein pro Mahlzeit sowie mindestens 25 bis 30 Gramm Ballaststoffen tÀglich. Ein reines Kaloriendefizit ohne ausreichendes Training senke hingegen den Grundumsatz und beschleunige den Muskelabbau.

ZusĂ€tzlich begĂŒnstigen Schlafmangel und chronischer Stress ĂŒber hormonelle Pfade die Fetteinlagerung am Bauch, wĂ€hrend Alkoholkonsum zusĂ€tzliche leere Kalorien liefert. Die Perimenopause wird daher von Medizinern als entscheidendes Zeitfenster betrachtet, um durch eine Kombination aus Muskelaufbau, angepasster ErnĂ€hrung und Stressreduktion metabolischen Erkrankungen vorzubeugen.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70164103 |