Weiterbildung, KI-Bereich

Weiterbildung im KI-Bereich: 43,9 Prozent nutzen keine Arbeitszeit dafür

Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 21:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien verweisen auf mögliche Lernnachteile durch KI-Hilfen; Umfragen zeigen zugleich Lücken bei der beruflichen Qualifizierung.

KI verändert Berufsbilder: Weiterbildung und Führungskompetenz gewinnen an Gewicht
Ein leerer Holztisch in einer Bibliothek mit einem Notizbuch und einem Füllfederhalter, die zum konzentrierten Nachdenken einladen. Illustration mit AI erstellt.

Die voranschreitende Automatisierung und der zunehmende Einsatz künstlicher Intelligenz verändern berufliche Profile grundlegend. Aktuelle Debatten sowie neue Seminarangebote unterstreichen vor diesem Hintergrund die wachsende Bedeutung kontinuierlicher beruflicher Qualifizierung und gezielter Managementkompetenzen, um die technologische Transformation erfolgreich zu bewältigen.

Im Fokus steht dabei die Frage, wie analytische und kognitive Fähigkeiten in einer zunehmend digitalisierten Arbeitswelt bewahrt und gefördert werden können.

Kognitive Risiken durch digitale Assistenten

Der vermehrte Einsatz automatisierter Werkzeuge birgt nach Einschätzung von Fachleuten nicht nur Effizienzpotenziale, sondern auch Risiken für eigene Problemlösungsfähigkeiten. Sibylle Anderl weist in ihrem Buch «Bequeme neue Welt» auf kognitive Kosten häufiger Technologienutzung hin.

Untersuchungen zeigten demnach bei intensivem Einsatz von Hilfssystemen, beispielsweise beim Verfassen von Texten, eine geringere neuronale Vernetzung und ein Nachlassen der Bereitschaft zu geistiger Anstrengung.

Da Lernprozesse Anstrengung erfordern, könnten automatisierte Assistenten eigene Kompetenzen sowie das Gefühl der Selbstwirksamkeit schwächen. Anderl plädiert daher dafür, eigenständiges kritisches Denken zu sichern.

Auf ähnliche Herausforderungen verwies auch Jensen Huang mit Blick auf eine Untersuchung unter 26.000 chinesischen Schülern der Jahrgangsstufen sieben bis zwölf. Beim Einsatz von KI-Werkzeugen stiegen zwar die Ergebnisse bei den Hausaufgaben um bis zu 18 Prozent, während sich die Bearbeitungszeit um 30 Prozent verkürzte.

Allerdings sanken die Ergebnisse monatlicher Leistungstests innerhalb von sechs Monaten um bis zu 20 Prozent, und die Resultate maßgeblicher Aufnahmeprüfungen gingen über zwei Jahre hinweg um 18 bis 24 Prozent zurück.

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Huang warnte vor Einbußen bei Grundlagenwissen und Problemlösungskompetenzen, ordnete die Entwicklung jedoch als generelle Verschiebung kognitiver Arbeit ein, die neue Fähigkeiten in einer KI-geprägten Umgebung erfordere.

Weiterbildungslücken und veränderte Anforderungen

Während sich Tätigkeitsfelder verändern, offenbart der betriebliche Alltag Nachholbedarf bei der Weiterbildung. Eine Umfrage der IU Internationalen Hochschule verdeutlicht die geteilte Wahrnehmung: Rund 41 Prozent der Befragten stimmten der Einschätzung zu, dass KI zunehmend Aufgaben von Einsteigern übernimmt, während ebenso viele widersprachen.

In den vorangegangenen zwölf Monaten nutzten 43,9 Prozent der Befragten keinerlei Arbeitszeit für eine Weiterbildung im KI-Bereich. 14,9 Prozent wandten bis zu zwei Stunden auf, rund 10 Prozent drei bis fünf Stunden, und 14,3 Prozent sahen sich davon nicht betroffen.

Unter den Erwerbstätigen ohne Schulungszeit hielt knapp die Hälfte solche Maßnahmen für unnötig; 24,0 Prozent nannten ein fehlendes Interesse des Arbeitgebers, 21,8 Prozent Informationsmangel, 21,6 Prozent fehlende Angebote und 20,6 Prozent Zeitnot.

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Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung belegen derweil, dass das Automatisierungspotenzial bei akademischen Tätigkeiten zuletzt am stärksten anzog, auch wenn Berufe sich voraussichtlich eher wandeln als vollständig wegfallen. IAB-Experte Enzo Weber hebt vor diesem Hintergrund Eigenschaften wie Anpassungsbereitschaft, kontinuierliches Lernen und Abstraktionsvermögen als zentrale Schlüsselkompetenzen hervor.

Neue Programme für Führungskräfte und Fachkräfte

Um diesen Anforderungen zu begegnen, erweitern Bildungsträger und Netzwerke ihre Formate. Die manager+ academy bietet Schulungsabonnements mit monatlichen Masterclasses zu Führungsfragen und künstlicher Intelligenz an, darunter Einheiten zur Führung von KI-Teams. Pörtner consulting kündigte für den 3. November 2026 den Beginn von Online-Lehrgängen für leitende IT- und Digitalfunktionen an, ergänzt durch eine hybride Fachtagung im April 2027.

Auch Universitäten und Verbände adressieren die Schnittstelle von Technologie und Urteilskraft: Die Universität Witten/Herdecke wurde für ein Seminar ausgezeichnet, in dem Studierende anhand von Szenarien kritisches Denken und ethisches Bewusstsein schulen.

Bei einem Netzwerktreffen des BVMW in Ingolstadt standen wiederum der praktische Einsatz im Mittelstand, Datenschutz und die Mitarbeitereinbindung auf der Agenda, um technologische Instrumente gezielt in Unternehmensstrukturen zu integrieren.

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