Cyber-Angriffe, Bitkom

Gefahr von Cyber-Angriffen auf Unternehmen bleibt hoch

16.08.2023 - 12:30:30

Weiterhin verursachen Cyber-Kriminelle hohe SchÀden in der deutschen Wirtschaft. Ein besserer Schutz der IT-Infrastruktur könne nur mit höheren Investitionen und Kooperation erreicht werden, mahnt das BKA.

Die Gefahr schadensreicher Angriffe auf die IT-Strukturen deutscher Unternehmen und Privatpersonen ist nach EinschĂ€tzung des Bundeskriminalamtes weiterhin sehr hoch. Der in der Kriminalstatistik des Vorjahres ausgewiesene RĂŒckgang inlĂ€ndischer Cybercrime-FĂ€lle um 6,5 Prozent bedeute keine Entspannung, sagte BKA-VizeprĂ€sidentin Martina Link am Mittwoch bei der Vorstellung des Lagebilds Cyber-KriminalitĂ€t 2022.

Der Digitalverband Bitkom verwies auf die von Computer-Angriffen hervorgerufenen SchÀden, die laut einer Studie des Verbandes im vergangenen Jahr 203 Milliarden Euro betragen hÀtten, rund doppelt so viel wie 2019.

Angriffe aus dem Ausland nehmen zu

Link wies auf die InternationalitĂ€t dieser KriminalitĂ€tsform hin. Letztlich könnten deutsche Unternehmen von jedem Punkt der Erde angegriffen werden. ErgĂ€nzende Daten zeigten, dass die Angriffe aus dem Ausland, die nachweislich einen Schaden in Deutschland hervorgerufen haben, um acht Prozent zugelegt hĂ€tten. Sie sind in den 136 865 registrierten FĂ€llen nicht erfasst. Ohnehin geht die Polizei davon aus, nur von etwa jeder zehnten Tat der Kriminellen zu erfahren. «Unsere Statistiken können nur die Spitze des Eisbergs erfassen», sagte Link. VerstĂ€rkt wĂŒrden auch Kommunen und Forschungseinrichtungen ausgespĂ€ht und angegriffen.

Insbesondere Ransomware-Angriffe könnten die Existenz von Unternehmen bedrohen, warnten BKA und Verband. Dabei werden mit Schadprogrammen ganze Datenbanken und IT-Systeme lahmgelegt. Das BKA verwies auf eine globale Studie des Cybersecurity-Unternehmens Coveware, derzufolge 41 Prozent der nach einem derartigen Angriff erpressten Unternehmen ein Lösegeld gezahlt hĂ€tten. Der von der Erpressern zur Lösung angebotene SchlĂŒssel funktioniere hĂ€ufig nicht, warnte Bitkom-PrĂ€sident Ralf Wintergerst.

Forderungen nach besserer Ausstattung der Polizei

Nach einer aktuellen Bitkom-Umfrage erwarten rund zwei Drittel (63 Prozent) der befragten Unternehmen einen Cyberangriff in den kommenden zwölf Monaten, aber nicht einmal die HĂ€lfte von ihnen (43 Prozent) sieht sich gut genug dafĂŒr gerĂŒstet. Zugleich befĂŒrchten 48 Prozent, dass bei einem erfolgreichen Cyberangriff ihre Existenz bedroht sein könnte. 91 Prozent fordern eine bessere Ausstattung, 90 Prozent mehr Befugnisse fĂŒr die Polizei.

BKA und Bitkom warben fĂŒr zusĂ€tzliche Investitionen in die IT-Sicherheit und fĂŒr eine vertrauensvolle Kooperation zwischen Unternehmen und Sicherheitsbehörden. Die Polizei wolle mit ihren Ermittlungen die Unternehmen nicht lahmlegen, sagte Link. Es gehe aber darum, nicht nur den Einzelfall zu beenden, sondern auch die verantwortlichen TĂ€terstrukturen ausfindig zu machen.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) verlangte neben mehr Personal klarere ZustĂ€ndigkeiten zwischen den Landespolizeien und den Bundesbehörden. GdP-Chef Jochen Kopelke forderte Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) auf, das einschlĂ€gige KRITIS-Gesetz schnell mit den LĂ€ndern zu beraten und doppelte Strukturen abzubauen. Der Entwurf sieht auch strengere Schutzvorschriften fĂŒr Einrichtungen der sogenannten kritischen infrastruktur vor.

Die BKA-Vize machte auf die Grenzen der Strafverfolgung einzelner TÀter aufmerksam, die aus sicheren HÀfen agieren könnten. Zunehmende Bedeutung komme daher der Zerstörung krimineller Infrastruktur zu, wie sie bei der Zerschlagung der Schadsoftware Emotet oder der illegalen Verkaufsplattform Hydra Market gelungen sei. Im MÀrz diesen Jahres sei es gelungen, den Bitcoin-Mixer Chipmixer zu zerschlagen und Bitcoins aus kriminellen GeschÀften in Höhe von rund 90 Millionen Euro zu sichern.

@ dpa.de