Welternährungstag: 2,7 Milliarden Menschen können sich gesundes Essen nicht leisten
Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 06:53 Uhr | Redaktion boerse-global.deWeltweit bleibt die Versorgung mit ausreichender und gesunder Nahrung eine der größten globalen Herausforderungen. Anlässlich des Welternährungstags, der an die Gründung der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) am 16. Oktober 1945 erinnert, zeichnen internationale Organisationen ein vielschichtiges Bild der Ernährungslage.
Während die Zahl der chronisch hungernden Menschen laut Schätzungen im vergangenen Jahr bei rund 645 Millionen lag, können sich fast 2,7 Milliarden Menschen keine vollwertige und gesunde Ernährung leisten.
UN-Generalsekretär António Guterres bezeichnete den Zugang zu Nahrung in einer Botschaft zum Leitspruch „Innovationen heute. Ernährung von morgen.“ als grundlegendes Menschenrecht. Dennoch geraten Produktionssysteme und Lieferketten durch geopolitische Krisen und steigende Kosten zunehmend unter Druck.
Teuerung und ungleicher Zugang zu Nahrung
Nach Erhebungen des Weltbank-Monitorings und dem gemeinsamen Bericht zur Ernährungssicherheit der FAO für das Jahr 2026 konnten sich 2025 rund 2,7 Milliarden Menschen keine gesunde Ernährung leisten. Dies waren zwar rund 109 Millionen Menschen weniger als noch 2024, doch in Afrika südlich der Sahara stieg die Zahl von 941 Millionen im Jahr 2024 auf über 954 Millionen im Jahr 2025. Zudem machen tierische Produkte, Obst und Gemüse fast 70 Prozent der Kosten eines gesunden Warenkorbs aus.
Nach Angaben von UNICEF entfallen weltweit 70 bis 75 Prozent der Konsumausgaben für Nahrung auf Aktivitäten nach der landwirtschaftlichen Erzeugung, während rund 70 Prozent der globalen Agrarsubventionen an bestimmte Rohstoffe gebunden sind.
Die Hilfsorganisation World Vision stellte in einer Erhebung in 62 Ländern fest, dass sich weltweit jeder dritte Mensch keine gesunde Ernährung leisten kann.
Die Diskrepanzen sind dabei gravierend: Während in einkommensstarken Ländern wie Irland, den USA oder Großbritannien etwas mehr als eine Arbeitsstunde für den Kauf eines Basiskorbs ausreicht, sind in der Zentralafrikanischen Republik dafür fast 30 Arbeitstage nötig. In 33 von 47 vergleichbaren Staaten stiegen die Kosten für den Warenkorb an.
Nach Angaben von World Vision waren 2025 weltweit 35,5 Millionen Kinder akut mangelernährt, davon knapp 10 Millionen von schwerer akuter Mangelernährung betroffen. Die Organisation Save the Children bezifferte die Zahl der von akuter Mangelernährung betroffenen Kinder unter fünf Jahren weltweit auf rund 43 Millionen.
Auch in Deutschland warnen Fachorganisationen vor Versorgungslücken. Der Verein FIAN Deutschland verwies darauf, dass sich 3,5 Millionen Menschen hierzulande keine vollwertige gesunde Ernährung leisten können.
Während der Grundsicherungsbetrag für Ernährung aktuell bei 6,42 Euro pro Tag liegt, bezifferte die Organisation den Bedarf unter Berücksichtigung von Preissteigerungen auf knapp 10 Euro pro Tag und forderte unter anderem ein kostenfreies Schulessen nach Standards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.
Fast 2,7 Milliarden Menschen können sich keine gesunde Ernährung leisten — in Afrika südlich der Sahara ist die Zahl 2025 sogar auf über 954 Millionen gestiegen. Wer die globale Ernährungslage einordnen will, braucht belastbare Zahlen statt Schlagzeilen. Der kostenlose Report fasst die wichtigsten Befunde zusammen und zeigt konkrete Handlungsoptionen. Report zur globalen Ernährungslage jetzt anfordern
Konflikte und Handelsbarrieren treiben Notlagen
Bewaffnete Konflikte gelten als Haupttreiber akuter Krisen. Nach Angaben von WFP-Vizedirektorin Rania Dagash-Kamara leben 70 Prozent der Hungernden in Konfliktgebieten. Störungen an neuralgischen Schifffahrtsrouten wie der Straße von Hormus, dem Bab al-Mandab und im Schwarzen Meer haben zu logistischen Engpässen geführt.
Bei Getreideexporten über das Schwarze Meer kam es seit Juli 2026 zu Behinderungen, was die Transportkosten des Welternährungsprogramms (WFP) um bis zu 25 Prozent verteuerte.
Jean-Martin Bauer, Experte des WFP, hob hervor, dass weltweite Handelshemmnisse in diesen Korridoren den Handel mit Nahrung, Düngemitteln und Energie beeinträchtigen, während der FAO-Lebensmittelpreisindex im September ein Vierjahreshoch erreichte.
Die Organisation Aktion gegen den Hunger berichtete für 2025 von rund 266 Millionen Menschen in 47 Ländern, die von hoher akuter Ernährungsunsicherheit betroffen waren. Zwei Drittel dieser Fälle konzentrierten sich auf lediglich zehn Staaten, darunter Nigeria, die Demokratische Republik Kongo und der Sudan, die zusammen 82,9 Millionen Betroffene zählten.
Im Sudan waren 2025 rund 24,6 Mio. Menschen akut betroffen, Hungersnöte wurden in Al-Fascher und Kadugli festgestellt. Für 2026 wurden rund 825.000 schwer akut mangelernährte Kinder unter fünf Jahren im Land erwartet.
Langfristige Indikatoren und finanzielle Kürzungen
Der am 15. Oktober 2026 von der Welthungerhilfe, dem IFHV der Ruhr-Universität Bochum und Helvetas veröffentlichte Welthunger-Index zeigt eine strukturelle Stagnation auf. Der Index stieg im Vergleich zum Referenzjahr 2018 von 17,6 auf 18,1 Punkte, was die erste Verschlechterung in der seit dem Jahr 2000 geführten Datenreihe darstellt.
In 32 Ländern nahm der Hunger seit 2018 zu. Sieben der acht Staaten mit sehr ernstem Hungerniveau liegen in Afrika südlich der Sahara, wobei Somalia den höchsten Wert aufwies. Fortschritte gab es hingegen in Staaten wie Uganda und Nepal.
Der Grundsicherungsbetrag für Ernährung liegt bei 6,42 Euro pro Tag, der tatsächliche Bedarf wird auf knapp 10 Euro geschätzt — auch hierzulande können sich 3,5 Millionen Menschen keine vollwertige Ernährung leisten. Der kostenlose Report zeigt, wie sich steigende Preise auf den Einkauf auswirken und welche Schritte Haushalte und Politik gehen können. Kostenlosen Report jetzt sichern
Gleichzeitig verzeichnet die humanitäre Hilfe massive finanzielle Einschnitte. Laut FAO sank die Finanzierung für humanitäre Ernährungshilfe zwischen 2022 und 2025 um 59 Prozent. Das WFP musste in den vergangenen zwei Jahren 5.000 seiner ursprünglich 23.000 Mitarbeiter entlassen.
Angesichts dieser Lage forderten Hilfswerke wie Caritas Internationalis sowie zivilgesellschaftliche Bündnisse wie der Verband Entwicklungspolitik VENRO, der Deutsche Naturschutzring und die Klima-Allianz Deutschland eine Rücknahme der geplanten Budgetkürzungen für humanitäre Maßnahmen und eine verlässliche Finanzierung nachhaltiger Ernährungssysteme.
