Weltmenopausetag, Frauen

Weltmenopausetag: 71 Prozent der Frauen leiden unter Muskel- und Skelettschmerz

Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 11:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Studien zeigen hĂ€ufige Schmerzbeschwerden in den Wechseljahren sowie gesundheitliche und berufliche Belastungen fĂŒr Frauen.
Ein ruhiger, minimalistischer Raum mit weichem Tageslicht und sanften Schatten auf einer hölzernen OberflÀche. Illustration mit AI erstellt.

Der jÀhrlich am 18. Oktober begangene Weltmenopausetag, der 2009 von der International Menopause Society (IMS) ins Leben gerufen wurde, stellt die gesundheitliche Lage von Frauen in der Lebensmitte in den Mittelpunkt.

Die Fachgesellschaft betont, dass Betroffene in dieser Phase hĂ€ufig unter Schlafmangel sowie Schmerzen leiden und der Zugang zu kompetenter fachĂ€rztlicher Beratung und UnterstĂŒtzung ein grundlegendes Recht darstellt. Der Weltmenopausetag 2026 widmet sich dabei schwerpunktmĂ€ĂŸig dem Thema chronischer Schmerz in der Lebensmitte.

Chronische Beschwerden und Schmerzsyndrome im Fokus

Nach Angaben des IMS-Weißbuchs sind Frauen auf globaler Ebene 50 bis 70 Prozent hĂ€ufiger von chronischen Schmerzen betroffen als MĂ€nner. In der Phase der menopausalen Transition leiden demnach etwa 71 Prozent der Frauen unter Schmerzen des Muskel- und Skelettsystems.

IMS-PrĂ€sidentin Rossella Nappi von der UniversitĂ€t Pavia verwies in einem Fachbeitrag darauf, dass Schmerzen in dieser Lebensphase hĂ€ufig unterschĂ€tzt und von Medizinern vorschnell als rein emotionale Reaktionen abgetan wĂŒrden.

Ihren Erhebungen zufolge treten Muskel- und Gelenkbeschwerden bei 57 Prozent der Frauen in der Perimenopause und bei 59 Prozent in der Postmenopause auf. Nappi plĂ€diert daher fĂŒr eine multidisziplinĂ€re Betreuung sowie eine intensivere Erforschung biologischer, psychologischer und sozialer Schmerzursachen.

Auch die Taiwanische Menopause-Gesellschaft berichtet, dass etwa die HĂ€lfte der Frauen mittleren Alters von chronischen Beschwerden wie Gelenk- und Muskelschmerzen, MigrĂ€ne, Fibromyalgie oder Beckenschmerzen betroffen sei. Halten Symptome lĂ€nger als drei Monate an oder verschĂ€rfen sie sich rund um die Menopause, sei eine grĂŒndliche Ă€rztliche AbklĂ€rung erforderlich.

Anzeige

Wer sich mit dem Thema Gelenk- und Muskelschmerzen in der Lebensmitte befasst, findet in diesem bebilderten Ratgeber eine natĂŒrliche Methode zur Selbsthilfe. Der kostenlose Guide zeigt Schritt fĂŒr Schritt, wie Sie 101 gezielte Druckpunkte zur Schmerzlinderung nutzen können. 101 Druckpunkte gegen Arthrose-Schmerzen jetzt kostenlos entdecken

Zudem stellt die Fachgesellschaft klar, dass eine Hormontherapie kein allgemeines Schmerzmittel darstellt und bei Beschwerden wie MigrĂ€ne, insbesondere mit Aura, vorab genau untersucht werden muss. Als begleitende Maßnahmen empfehlen Experten Bewegung, ein aktives Stress- und Schlafmanagement sowie eine Regulierung des Körpergewichts.

Physiologische VerÀnderungen und kardiovaskulÀre Risiken

Über die Schmerzsymptomatik hinaus gehen die Wechseljahre mit tiefgreifenden körperlichen Umstellungen einher. Die GynĂ€kologin Petra Stute vom Inselspital Bern beziffert den Anteil der Frauen mit Hitzewallungen auf rund 80 Prozent, wobei diese Beschwerden im Durchschnitt 7,4 Jahre anhalten.

Zudem litten 50 bis 60 Prozent unter Schlafstörungen. Tritt eine Blutungslosigkeit bereits vor dem 45. Lebensjahr ein, steigen laut Stute die Risiken fĂŒr kardiovaskulĂ€re Erkrankungen wie Herzinfarkte, KnochenbrĂŒche und Demenz deutlich an.

Eine im Fachjournal Nature Medicine am 12. Oktober 2026 veröffentlichte Forschungsarbeit eines Teams um Uri Alon vom Weizmann-Institut in Rehovot verdeutlicht das Ausmaß dieses Umbruchs. Anhand von ĂŒber 300 Millionen Laborbefunden von mehr als einer Million Frauen aus den USA und Israel (1999–2024) analysierten die Wissenschaftler den Übergang.

Anzeige

Um die tiefgreifenden physiologischen VerĂ€nderungen wĂ€hrend dieser Lebensphase besser einzuordnen, ist ein VerstĂ€ndnis der eigenen Laborwerte essenziell. Dieser kostenlose 25-Seiten-Report erklĂ€rt verstĂ€ndlich, welche Werte wirklich wichtig sind und wie Sie Ihre Vitalstoffe gezielt schĂŒtzen. Kostenlosen Laborwerte-Selbstcheck jetzt anfordern

Bei 52 von 90 Laborwerten zeigten sich im Jahr der letzten Monatsblutung – bei einem mittleren Menopausenalter von 50 Jahren im US-Datensatz – abrupte VerĂ€nderungen, die bei MĂ€nnern gleichen Alters nicht zu beobachten waren. WĂ€hrend der Marker AMH bereits rund 15 Jahre vor der Menopause abfĂ€llt, steigt FSH ab etwa 14 Jahren vorher an und Estradiol sinkt rund 12 Jahre vor der letzten Regel blutung.

Fachleute wie der GynÀkologe Peyman Hadschi von der Deutschen Menopause-Gesellschaft und die Hormonexpertin Kathrin Schaudig wenden jedoch ein, dass die Menopause kein plötzlicher Absturz sei, da hormonelle Prozesse bereits viele Jahre vor der letzten Menstruation einsetzen.

Wirtschaftliche Belastungen und betriebliche Rahmenbedingungen

Die gesundheitlichen Belastungen schlagen sich auch in der Arbeitswelt nieder. Eine österreichische Erhebung aus dem Jahr 2024 unter 1.720 erwerbstÀtigen Frauen ergab, dass rund 23 Prozent der Befragten bereits mindestens einmal wegen menopausaler Beschwerden krankgeschrieben waren.

Etwa jede fĂŒnfte Befragte reduzierte aufgrund der Belastungen die eigene Arbeitszeit. Gleichzeitig sprachen sich 69 Prozent fĂŒr eine wechseljahresfreundlichere Arbeitskultur aus, und 72 Prozent wĂŒnschten sich ein stĂ€rkeres Problembewusstsein bei FĂŒhrungskrĂ€ften.

Auch auf volkswirtschaftlicher Ebene sind die Auswirkungen spĂŒrbar: Eine deutsche Studie bezifferte die ökonomischen Gesamtkosten durch Wechseljahresbeschwerden fĂŒr das Jahr 2023 auf rund 9,4 Milliarden Euro jĂ€hrlich, begleitet von fast 40 Millionen verlorenen Arbeitstagen.

Auf europĂ€ischer Ebene dringt der EuropĂ€ische Gewerkschaftsbund darauf, die spezifischen Anforderungen der Wechseljahre im EU-Arbeitsrecht zu berĂŒcksichtigen, da starke Beschwerden die ArbeitsfĂ€higkeit erheblicher Teile der weiblichen Erwerbsbevölkerung direkt beeintrĂ€chtigen.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70352864 |