WWF-Report, Leben

WWF-Report: «Wir zerstören, was uns am Leben hÀlt»

10.10.2024 - 01:01:37 | dpa.de

Weltweit schwinden immer mehr TierbestĂ€nde. Eine WWF-Untersuchung zeigt nun, wie es um viele Populationen weltweit steht. Dabei laufen ökologische Kipppunkte Gefahr, ĂŒberschritten zu werden.

  • Die Berggorillas im Virunga-Bergmassiv erholen sich - Foto: Uncredited/AP/dpa
    Die Berggorillas im Virunga-Bergmassiv erholen sich - Foto: Uncredited/AP/dpa
  • Die Population der Amazonas-Flussdelfine ging um 65 Prozent zurĂŒck. - Foto: Jeon Heon-Kyun/EPA/dpa
    Die Population der Amazonas-Flussdelfine ging um 65 Prozent zurĂŒck. - Foto: Jeon Heon-Kyun/EPA/dpa
  • Der Regenwald wird weiter zerstört. - Foto: epa efe Marcelo Sayao/EFE/dpa
    Der Regenwald wird weiter zerstört. - Foto: epa efe Marcelo Sayao/EFE/dpa
  • In freier Wildbahn gibt es wieder Wisente - Foto: Bernd WĂŒstneck/dpa
    In freier Wildbahn gibt es wieder Wisente - Foto: Bernd WĂŒstneck/dpa
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Die BestÀnde von Wildtieren nehmen weltweit drastisch ab. Das geht aus dem heute erschienenen «Living Planet Report 2024» der Umweltstiftung WWF und der Zoologischen Gesellschaft London mit Daten zu mehr als 5.500 Wirbeltierarten weltweit hervor. Demnach schrumpften die insgesamt 35.000 untersuchten Populationen - darunter SÀugetiere, Vögel, Fische, Amphibien und Reptilien - in den vergangenen 50 Jahren um durchschnittlich 73 Prozent.

Den stĂ€rksten RĂŒckgang verzeichnen nach WWF-Angaben die SĂŒĂŸwasserökosysteme mit 85 Prozent, gefolgt von Land- (69 Prozent) und Meeresökosystemen (56 Prozent). Geografisch am stĂ€rksten betroffen sind Lateinamerika und die Karibik (95 Prozent), gefolgt von Afrika (76 Prozent) und der Asien-Pazifik-Region (60 Prozent). 

«Wir zerstören, was uns am Leben hÀlt»

«Der Living Planet Index zeigt: Wir zerstören, was uns am Leben hĂ€lt», sagte WWF-VorstĂ€ndin Kathrin Samson. «Unsere Gesundheit, unsere Lebensmittelversorgung, unser Zugang zu sauberem Wasser, die StabilitĂ€t der Wirtschaft und ertrĂ€gliche Temperaturen sind abhĂ€ngig von intakten Ökosystemen und gesunden WildtierbestĂ€nden.» 

Laut WWF sind alle Ursachen fĂŒr das Artensterben menschengemacht. Die Zerstörung der LebensrĂ€ume vieler Tiere und Pflanzen, die Umweltverschmutzung und die Klimakrise könnten fĂŒr viele Arten das Aus bedeuten. 

Ursachen fĂŒr das Artensterben menschengemacht

Dramatisch sehe es beispielsweise fĂŒr den Atlantischen Kabeljau/Dorsch im Nordatlantik und der westlichen Ostsee aus. Sein Bestand brach zwischen 2000 und 2023 um 77 Prozent ein. Die Populationen der Amazonas-Flussdelfine und die der kleineren Tucuxi-Delfine im brasilianischen MamirauĂĄ-Schutzgebiet gingen von 1996 bis 2016 um 65 Prozent und um 75 Prozent zurĂŒck. 

Dass Artenschutzmaßnahmen wirken, zeige sich hingegen beim Wisent. Die Art war in freier Wildbahn ausgestorben und sei wieder auf etwa 6.800 Tiere angewachsen. Auch die Berggorillas im Virunga-Bergmassiv im Grenzgebiet von Kongo, Ruanda und Uganda erholten sich, ihr Bestand sei auf rund 700 Tiere gestiegen.

Doppelkrise aus BiodiversitÀtsverlust und Klimakrise

«Die Doppelkrise aus BiodiversitĂ€tsverlust und Klimakrise bringt nicht nur einzelne Arten an ihre Grenzen, sondern gefĂ€hrdet die StabilitĂ€t ganzer Ökosysteme», sagte Samson. Die Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes und die globale Massenbleiche von Korallenriffen seien nur zwei Beispiele dafĂŒr. «Die Kipppunkte, auf die wir zusteuern, markieren die Grenze des Unumkehrbaren», mahnte Samson.

Die nĂ€chsten fĂŒnf Jahre seien entscheidend fĂŒr die Zukunft des Lebens auf der Erde. «Noch können wir das Ruder herumreißen und den Verlust der biologischen Vielfalt aufhalten. DafĂŒr muss aber die Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft schneller gehen», forderte Samson.

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