Wero, Decathlon

Wero startet durch: Decathlon und Kassel machen den Anfang

Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 05:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der europÀische Zahlungsdienst Wero startet in Deutschland mit Decathlon und der Stadt Kassel durch. Die EPI treibt die Ablösung von iDEAL voran.

Wero-Start in Deutschland: Decathlon und Kassel als Vorreiter
Smartphone zeigt digitales Bezahlinterface bei Transaktion im Einzelhandel. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Decathlon und die Stadt Kassel machen den Anfang: Das europÀische Bezahlsystem Wero kommt in Deutschland an.

Der europĂ€ische Zahlungsdienst Wero hat in dieser Woche einen entscheidenden Durchbruch auf dem deutschen Markt erzielt. Gleich zwei Großprojekte zeigen: Das Konto-zu-Konto-System ist bereit fĂŒr den Massenmarkt.

Decathlon setzt auf Wero

Am 20. Juli 2026 schaltete der SportartikelhĂ€ndler Decathlon als erster großer EinzelhĂ€ndler in Deutschland die neue Zahlungsmethode frei. Kunden können im deutschen Online-Shop nun direkt ĂŒber ihre Banking-App bezahlen – ohne ihre Kartendaten beim HĂ€ndler zu hinterlegen. Das ist nicht nur bequemer, sondern auch sicherer.

Der digitale Start ist nur der Auftakt. Decathlon bereitet bereits die EinfĂŒhrung an rund 110 Filialen vor. Ein genauer Termin fĂŒr die Laden-EinfĂŒhrung steht noch nicht fest. Um die neue Zahlungsmethode bekannter zu machen, plant die European Payment Initiative (EPI) fĂŒr Oktober 2026 eine Aktion: Wer mit Wero bezahlt, erhĂ€lt Gutscheine.

Kassel wird zur Pilotstadt

Noch am selben Tag startete Kassel ein Pilotprojekt, das Schule machen könnte. Die nordhessische Stadt rĂŒstet 70 Parkscheinautomaten mit dynamischen QR-Codes aus. Autofahrer können die GebĂŒhren kĂŒnftig in Echtzeit per Banking-App bezahlen. Das System, umgesetzt von der Firma Hectronic, soll auf ĂŒber 360 Automaten ausgeweitet werden.

Kassel ist damit die erste deutsche Kommune, die Wero in die öffentliche Infrastruktur integriert. Weitere StĂ€dte ziehen nach: In Bayern ermöglicht S-Public Services ĂŒber den Dienstleister komuna bereits die Wero-Anbindung fĂŒr lokale Behörden.

Politik mischt sich ein

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Auch die Landespolitik hat das Thema entdeckt. Der nordrhein-westfĂ€lische Landtag diskutierte am 21. Juli 2026 einen Antrag zur Förderung europĂ€ischer Zahlungsdienste wie Wero in Kommunen. Ziel: die digitale SouverĂ€nitĂ€t stĂ€rken – bei gleichzeitiger Sicherung der Bargeldversorgung.

Der große Plan: iDEAL weicht Wero

Die Expansion in Deutschland ist Teil einer umfassenden europÀischen Strategie. Die EPI treibt derzeit die Ablösung des niederlÀndischen Systems iDEAL durch Wero voran. Ab dem 14. September 2026 beginnt der Zahlungsdienstleister Pay.nl schrittweise damit, den iDEAL-Verkehr auf die Wero-Infrastruktur umzuleiten.

FĂŒr HĂ€ndler und Verbraucher soll sich die Funktion nicht Ă€ndern. GeschĂ€ftskunden können jedoch widersprechen. Bis Oktober 2026 sollen alle niederlĂ€ndischen Banken auf der Wero-Plattform sein.

Zeitplan gerÀt ins Rutschen

Allerdings gibt es Verschiebungen bei wichtigen Funktionen. Der KĂ€uferschutz – also die Möglichkeit, Zahlungen zurĂŒckzuholen – kommt in den Niederlanden erst Ende 2028 statt wie geplant Ende 2026. Bis dahin bleiben die aktuellen GebĂŒhren fĂŒr HĂ€ndler unverĂ€ndert. Abo-Zahlungen sollen im Sommer 2027 möglich sein.

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Kampf gegen die US-Dominanz

Wero zÀhlt bereits rund 56 Millionen Nutzer in Deutschland, Frankreich und Belgien. Das System tritt als private Initiative gegen die etablierten internationalen Netzwerke an. Die Zahlen zeigen, warum das nötig ist: 2025 wickelten US-Anbieter rund 77 Prozent des digitalen Zahlungsverkehrs in der Eurozone ab. Visa und Mastercard allein kamen auf 47 Prozent aller Kartenzahlungen.

Die EPI will Wero bis 2027 zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten fĂŒr diese Anbieter machen.

Digitaler Euro als zweite Spur

Parallel zu Wero arbeitet die EuropĂ€ische Zentralbank (EZB) am digitalen Euro – einer staatlichen Alternative. Die EZB hat kĂŒrzlich 36 Zahlungsdienstleister ausgewĂ€hlt, darunter Raiffeisen Bank International und BAWAG, fĂŒr ein Pilotprojekt. Der Testlauf soll in der zweiten JahreshĂ€lfte 2027 beginnen, eine EinfĂŒhrung frĂŒhestens 2029.

Manche beteiligte Banken zeigen sich skeptisch gegenĂŒber dem staatlichen Projekt. Viele sind jedoch auch Mitglied der EPI. Die Botschaft ist klar: Europa fĂ€hrt zweigleisig, um bei digitalen Zahlungen unabhĂ€ngiger von US-Konzernen zu werden.

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