Copernicus-Klimabericht, Niedrigwasser in Europa

Westeuropa erlebt wärmsten September seit Messbeginn

Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 04:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Copernicus meldet für Westeuropa einen Temperaturrekord und für mehrere große Flüsse historische September-Niedrigstände. Betroffen sind Schifffahrt, Wasserversorgung und Landwirtschaft.

Auch viele deutsche Flüsse hatten sehr niedrige Pegelstände. (Symbolbild)  - Bild: Oliver Berg/dpa
Auch viele deutsche Flüsse hatten sehr niedrige Pegelstände. (Symbolbild) - Bild: Oliver Berg/dpa

Flusspegel erreichen neue September-Tiefstände

  • Westeuropa verzeichnete gemeinsam mit September 2023 den wärmsten September seit Messbeginn.
  • Die Temperatur lag 2,51 Grad über dem Mittel der Jahre 1991 bis 2020.
  • Rhein, Donau und Weichsel führten abschnittsweise so wenig Wasser wie in keinem September zuvor.

Der EU-Klimawandeldienst Copernicus meldet für Westeuropa einen außergewöhnlich warmen und trockenen September.

Trockenheit verschärft sich

In weiten Teilen West- und Mitteleuropas sowie in Teilen Osteuropas nahm die Trockenheit gegenüber August weiter zu. Die niedrigen Wasserstände beeinträchtigten nach Angaben von Copernicus Schifffahrt, Wasserversorgung und Landwirtschaft.

Regen zum Monatsende brachte örtlich Entlastung. In Frankreich und Spanien führte er zugleich zu Überschwemmungen, während Teile Nord- und Nordosteuropas nasser als üblich blieben.

Global zweitwärmster September

Europa insgesamt erlebte den drittwärmsten September seit Beginn der Aufzeichnungen. Weltweit war der Monat der zweitwärmste; die globale Durchschnittstemperatur lag 1,63 Grad über dem vorindustriellen Niveau.

Damit überschritt die globale Temperatur den zweiten Monat in Folge die Marke von 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau. Die Meeresoberflächen außerhalb der Polarregionen waren im September so warm wie nie zuvor.

El Niño könnte die Wärmephase verlängern

Copernicus erwartet wegen des erstarkenden El Niño, dass sich die Serie ungewöhnlich warmer Monate bis 2027 fortsetzt. Der Klimadienst-Direktor Carlo Buontempo erklärte, die Überschreitung der langfristigen Grenze des Pariser Klimaabkommens sei nur eine Frage der Zeit.

Das 1,5-Grad-Ziel bezieht sich auf einen langjährigen Durchschnitt, nicht auf einzelne Monate. Im Pariser Abkommen vereinbarten rund 200 Staaten 2015, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad und möglichst auf 1,5 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen.

Trockenheit trifft Europas Wasserwege

Die aktuellen Messwerte verbinden zwei Entwicklungen: eine außergewöhnliche Wärme und anhaltenden Wassermangel. Niedrige Pegelstände begrenzen die Binnenschifffahrt, erschweren Fährverbindungen und können Lieferketten verteuern. Für Landwirtschaft und Wasserversorgung steigt der Druck, wenn Niederschläge nicht ausreichen, um Böden und Grundwasserspeicher nachhaltig zu füllen.

Regen am Monatsende kann die Lage regional entspannen, beseitigt ein langfristiges Defizit aber nicht sofort. An Flüssen wie dem Rhein müssen zunächst ausgetrocknete Böden Wasser aufnehmen; außerdem hängt der Abfluss im Oberlauf auch von Niederschlag, Schnee und Gletscherschmelze in den Alpen ab. Deshalb können sich Pegel trotz einzelner Regentage nur langsam erholen.

El Niño erhöht globale Risiken

Das erwartete starke El-Niño-Ereignis wirkt als zusätzlicher natürlicher Klimafaktor. Es kann weltweit Dürren, Überschwemmungen und Ernteausfälle verstärken. Für Europa sind die saisonalen Folgen weniger eindeutig: Ein El Niño kann im Winter häufiger milde und niederschlagsreiche Bedingungen begünstigen, liefert aber keine verlässliche Prognose für den folgenden Sommer.

Entscheidend bleibt der menschengemachte Erwärmungstrend. Einzelne Monate über 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau verfehlen das Pariser Ziel noch nicht, zeigen aber, wie stark sich die Ausgangslage für Extremwetter verändert. Für die Bevölkerung werden daher robuste Wasserbewirtschaftung, anpassungsfähige Landwirtschaft und belastbare Verkehrswege wichtiger.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

WDR: „Niedrigwasser am Rhein: Warum Regen noch nicht hilft“ (10.10.2026)

Der Bericht bestätige die Folgen der Trockenheit für Schifffahrt, Fährbetrieb und Wirtschaft am Rhein. Er hebe zugleich hervor, dass mehrere Regentage für eine rasche Erholung nicht ausreichten und Hydrologen mit einer längeren Erholungsphase rechneten.

Euronews: „El Niño: Wann erreicht das Wetterphänomen seinen Höhepunkt und klingt ab?“ (10.10.2026)

Der Artikel bestätige die erwartete Verstärkung von El Niño und verweise auf mögliche globale Folgen wie Dürren, Überschwemmungen und Ernteausfälle. Anders als die aktuelle Meldung richte er den Schwerpunkt auf die weltweiten regionalen Auswirkungen und betone, dass Europas saisonale Reaktion nicht eindeutig vorherzusagen sei.

Medienübergreifend werde die Verbindung aus außergewöhnlicher Wärme, Trockenheit und niedrigen Flusspegeln als Belastung für Wasserwege und Versorgung beschrieben. Unterschiede gebe es vor allem beim Blick auf die Zukunft: Während der WDR die kurzfristige Erholung der Flüsse problematisiere, konzentriere sich Euronews auf die globale Entwicklung unter El Niño.

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