WhatsApp-Betrügereien: 3,1 Millionen Euro in Hongkong gestohlen
Veröffentlicht am: 31.07.2026 um 01:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Weltweit schlagen Sicherheitsbehörden Alarm: Cyberkriminelle nutzen zunehmend Künstliche Intelligenz, um WhatsApp-Nutzer zu täuschen und Millionenbeträge zu erbeuten. Allein in den letzten Julitagen 2026 wurden mehrere großangelegte Betrugswellen dokumentiert.
Hongkong und Pakistan: Kontenübernahmen mit System
Besonders drastisch zeigt sich die Lage in Hongkong. Dort verzeichnete die Polizei in den zwei Wochen bis zum 29. Juli Verluste von umgerechnet über 3,1 Millionen Euro durch WhatsApp-Kontoübernahmen. 150 Accounts wurden in diesem kurzen Zeitraum geknackt. Ein Einzelfall sticht heraus: Ein Opfer verlor umgerechnet rund 1,2 Millionen Euro – die Täter hatten mit KI die Stimmen von Angehörigen imitiert. Die Behörden warnen: Selbst vertraute Sprachnachrichten sind kein sicherer Identitätsnachweis mehr.
Parallel dazu melden Ermittler aus Abbottabad, Pakistan, dass dort täglich durchschnittlich fünf WhatsApp-Konten gehackt werden. Die Masche ist altbekannt, aber effektiv: Die Täter erschleichen sich per Social Engineering die Verifikationscodes und betteln dann bei den Kontakten der Opfer um Geld. Der Schaden geht in die Millionen Rupien.
Indien: Steuerfrist als Einfallstor für Schadsoftware
Eine besonders dreiste Kampagne läuft parallel zur indischen Steuersaison. Sicherheitsforscher von CloudSEK deckten am 30. Juli auf, dass Steuerzahler gefälschte „Amtsschreiben" per WhatsApp erhalten. Die Nachricht droht mit einer 72-Stunden-Frist für Strafzahlungen – und fordert zum Download infizierter Dateien auf.
Die angeblichen „ITD.zip"-Dateien (2 bis 35 Megabyte groß) enthalten entweder Android-Banking-Trojaner oder Windows-Schädlinge. Diese Programme fangen Einmalpasswörter (OTPs) ab und tarnen sich als legitime Systemprozesse. Die technische Analyse zeigt: Die Hintergrund-Infrastruktur läuft über Alibaba Cloud, genutzt werden dubiose Domains wie .lol und .xin.
Noch spektakulärer: Die Mumbai Police zerschlug am 30. Juli eine „Fake-APK-Fabrik". Ein mutmaßlicher Täter aus Westbengalen soll 91 schadhafte Apps produziert haben. Das Netzwerk hatte fast 3.000 Opfer, der Schaden liegt bei umgerechnet rund 7,5 Millionen Euro. Die Ermittler stellten hunderte gefälschte SIM-Karten sicher und identifizierten über 37.000 verknüpfte Bankkonten.
Prominente Opfer und globale Phishing-Welle
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Die Angriffe zielen auch auf hochrangige Persönlichkeiten. Am 29. Juli wurden die WhatsApp-Konten von Sambit Patra, einem nationalen Sprecher der Regierungspartei BJP, und dem Bezirksratsvorsitzenden Ravikant Patel geknackt. In beiden Fällen versuchten Hacker, Geld von den Kontakten der Politiker zu erpressen.
International sorgt eine Phishing-Kampagne für Aufsehen, die seit dem 29. Juli mit gefälschten Geschäftsdokumenten per WhatsApp operiert. Die enthaltene VBScript-Schadsoftware ermöglicht Fernzugriff über die Verwaltungssoftware ManageEngine Endpoint Central. Sicherheitsexperten sehen Parallelen zu früheren, mit China in Verbindung gebrachten Schadprogrammen wie ValleyRAT und Gh0st RAT.
Europa und Deutschland: Neue Maschen im Umlauf
Auch in Deutschland ist die Lage angespannt. Die Polizei in Bielefeld und Mecklenburg-Vorpommern warnte am 29. Juli vor einer Zunahme von Account-Übernahmen. Die neuen Tricks: gefälschte Umfragen, manipulierte QR-Codes und betrügerische Hotelbuchungs-Nachrichten.
Plattform-Reaktionen und neue Sicherheitsfeatures
Die indische Regierung reagiert mit verschärfter Kontrolle. Nachdem sich die Cybercrime-Fälle im Land 2024 auf über 123.000 verdreifacht hatten, stoppte Neu-Delhi die Einführung von WhatsApps neuer Benutzernamen-Funktion – aus Sorge vor Identitätstäuschung.
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WhatsApp selbst arbeitet an Gegenmaßnahmen. Berichten vom 30. Juli zufolge testet der Messenger eine passwortbasierte Zwei-Faktor-Authentifizierung als Ersatz oder Ergänzung zur bisherigen 6-stelligen PIN. Weitere Neuerungen: die Ablösung von Telefonnummern durch Benutzernamen sowie neue Mikrofon-Kurzbefehle für iPhone-Nutzer.
Die Hyderabad Cybercrime Police lud am 28. Juli Meta-Vertreter vor, nachdem KI-generierte Betrugsvideos mit prominenten Politikern und Stars aufgetaucht waren. Die Behörde verlangte Aufklärung über die Schutzmaßnahmen gegen gefälschte Investment-Werbung.
Sicherheitsexperten raten weiterhin: Aktivieren Sie die Zwei-Faktor-Authentifizierung. Und: Hinterfragen Sie jede dringende Geldforderung – selbst wenn die Stimme am anderen Ende vertraut klingt. Ein zweiter Anruf über einen anderen Kanal kann vor dem finanziellen Desaster bewahren.
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