WhatsApp-Betrug: Neue Masche nutzt Gerätekopplung ohne Passwort
Veröffentlicht am: 06.08.2026 um 00:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Tausende WhatsApp-Nutzer weltweit wurden in dieser Woche Opfer von Kontosperrungen und einer neuen Betrugsmasche. Während ein technischer Fehler für massenhafte Sperren sorgte, nutzen Kriminelle eine Schwachstelle der Gerätekopplung aus.
Die erste Augustwoche 2026 hat für viele WhatsApp-Nutzer böse Überraschungen gebracht. Plötzliche Kontosperrungen ohne Vorwarnung sorgten weltweit für Verunsicherung – auch in Deutschland. Betroffene konnten plötzlich keine Nachrichten mehr senden oder empfangen. Der Grund: Ein technischer Fehler in der automatisierten Moderation des Meta-Konzerns.
Massenhafte Sperren durch technischen Fehler
Seit dem 3. August gegen 20 Uhr indischer Zeit wurden zahlreiche Konten in eine 24-stündige Überprüfung geschickt. Dabei prüft das System, ob die Nutzer gegen die Nutzungsbedingungen verstoßen haben. Während dieser Zeit bleiben die Messaging-Funktionen blockiert.
Meta hat inzwischen eingeräumt, dass viele dieser Sperren auf einen Fehler zurückzuführen sind. Die meisten zu Unrecht gesperrten Konten wurden innerhalb von 24 bis 48 Stunden wiederhergestellt. Ein Sprecher betonte, dass die automatisierten Systeme gelegentlich Fehler machten, Teams aber an der Wiederherstellung arbeiteten.
Sicherheitsexperten weisen jedoch darauf hin, dass nicht alle Sperren auf den technischen Fehler zurückzuführen sind. Wer inoffizielle WhatsApp-Versionen nutzt, Massennachrichten verschickt oder wiederholt gemeldet wird, riskiert weiterhin eine echte Sperre.
Neue Betrugsmasche: „Vote for my friend"
Neben den technischen Problemen sorgt eine neue Übernahme-Kampagne für Alarm. Seit dem 4. August beobachten Sicherheitsforscher eine Masche, die als „Vote for my friend" bekannt geworden ist. Kriminelle nutzen zuvor kompromittierte Konten, um Nachrichten an die Kontaktlisten der Opfer zu senden. Darin bitten sie angeblich um eine Stimme für einen Wettbewerb.
Die Nachrichten enthalten Links, die über die Domain wa.me laufen. Wer darauf klickt, wird aufgefordert, einen sechsstelligen Code einzugeben. Genau dieser Code ist der Dreh- und Angelpunkt: Er autorisiert die Geräte der Angreifer als „verknüpftes Gerät". Damit erhalten sie vollen Zugriff auf Nachrichten und Kontakte – ohne Passwort oder klassische Verifikation.
Folgende betrügerische Domains wurden mit der Kampagne in Verbindung gebracht:
- ngdance.fun
- fokindenfo1.lol
- stardancer.fun
- thebestscollato.top
- vatiter.click
- megadencer.top
Angriffe auf die Privatsphäre und manipulierte Nachrichten machen vielen Smartphone-Nutzern zunehmend Sorgen. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt Ihnen, wie Sie Ihre Kommunikation absichern und sensible Daten wirksam vor fremdem Zugriff schützen. 5 sofort umsetzbare Schutzmaßnahmen entdecken
Besonders tückisch: Die Masche nutzt eine legitime WhatsApp-Funktion. Die üblichen Sicherheitswarnungen bei Passwortänderungen oder neuen Anmeldungen greifen hier nicht. Das Vertrauen zwischen etablierten Kontakten wird zur Waffe – Freunde werden so zu unfreiwilligen Angreifern.
Gefahren durch inoffizielle Apps
Ein weiteres Risiko bleibt die Nutzung von Drittanbieter-Modifikationen. Wer WhatsApp-Modifikationen wie GhostPaired-Versionen oder andere inoffizielle Apps installiert, riskiert nicht nur sofortige Sperren. Die Sicherheitsforscher warnen auch vor Malware-Kampagnen, die über solche Kanäle verbreitet werden.
Zusätzlich wurden Anfang August internationale Spam-Wellen gemeldet. Unbekannte Nummern versenden dabei oft arabischsprachige Nachrichten, die behaupten, eine Telefonnummer sei mit einem ausländischen Facebook-Konto verknüpft. Ziel ist es, Nutzer auf Phishing-Seiten zu locken. Meta stellt klar: Offizielle Sicherheitswarnungen zu Facebook-Verknüpfungen werden niemals über WhatsApp versendet.
Schutzmaßnahmen für Profis und Privatnutzer
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Über 60 Prozent der Sicherheitsvorfälle im Jahr 2026 beinhalten menschliche Faktoren wie Social Engineering oder den Missbrauch von Zugangsdaten. Sicherheitsexperten empfehlen daher konkrete Maßnahmen:
- Codes niemals teilen: Sechsstellige Autorisierungscodes sollten grundsätzlich nicht weitergegeben werden – egal wie dringend die Bitte erscheint.
- Verknüpfte Geräte prüfen: Ein wöchentlicher Blick in die Einstellungen unter „Verknüpfte Geräte" hilft, unbefugte Sitzungen zu erkennen und zu entfernen.
- Zwei-Faktor-Authentifizierung aktivieren: Eine zusätzliche PIN schützt das Konto, selbst wenn Angreifer ersten Zugriff erlangen.
- Offizielle Software nutzen: Nur die offizielle WhatsApp-Version aus den App-Stores verwenden, um Sperren und Malware-Risiken zu vermeiden.
Wer sich vor Hackern und Viren schützen möchte, sollte nicht nur bei Messenger-Diensten vorsichtig sein, sondern das gesamte Gerät absichern. Erfahren Sie in diesem gratis PDF-Ratgeber, wie Sie Ihr Android-Smartphone in wenigen Minuten gegen Kriminelle wappnen. Kostenlosen Sicherheits-Ratgeber jetzt herunterladen
Auch die indische Regierung beobachtet die Entwicklungen aufmerksam. Sie prüft derzeit die Einführung einer Nutzernamen-Funktion und will dabei Phishing- und Identitätsdiebstahl-Risiken berücksichtigen. Für deutsche Nutzer gilt: Wachsamkeit ist der beste Schutz – insbesondere bei unerwarteten Nachrichten mit Bitten um Codes oder Abstimmungen.
