WhatsApp-Chatbot, Versteckte

WhatsApp-Chatbot: Versteckte Anweisungen sollten Beschwerdewege verschweigen

Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 20:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Redact fand Vorgaben gegen Hinweise auf Datenschutzbehörden; Meta entfernte die Textblöcke nach einem Hinweis von Wired.
Modernes, minimalistisches Serverraum-Interieur mit schwarzen ServerschrÀnken in einem dunklen, architektonisch schlichten Flur. Illustration mit AI erstellt.

Der Meta-Konzern hat seinen KI-Chatbot auf der Plattform WhatsApp angewiesen, Nutzern keine Beschwerdewege bei zustÀndigen Datenschutzbehörden nahezulegen. Dies geht aus einer Untersuchung des Dienstleisters Redact hervor, deren Ergebnisse am 19. Oktober 2026 veröffentlicht wurden.

Im Quelltext zahlreicher offizieller Hilfeseiten fanden sich verborgene Handlungsanweisungen, die das Verhalten des KI-Assistenten bei rechtlich sensiblen Themen steuern sollten.

Versteckte Direktiven im Quelltext der Hilfeseiten

Dan Saltman von Redact untersuchte am 8. Oktober 2026 insgesamt 545 WhatsApp-Hilfeseiten und entdeckte dabei auf 80 Seiten 102 unsichtbare Textblöcke. Die Anweisungen fĂŒr den Chatbot waren im Seitencode unter dem Bezeichner „HelpContentGalaxyLLMInclude“ hinterlegt.

Ein gefundener Textblock auf der Seite zur Kontolöschung wies das System ausdrĂŒcklich an, betroffenen Nutzern weder die Kontaktaufnahme mit einer Aufsichts- oder Regulierungsbehörde noch mit einer Datenschutzbehörde zu empfehlen.

Des Weiteren durfte der Bot nicht suggerieren, WhatsApp könne eine manuelle Kontolöschung durchfĂŒhren. Den regulĂ€ren Angaben der Hilfeseiten zufolge werden deaktivierte Konten nach 30 Tagen und inaktive Profile nach 120 Tagen gelöscht; fĂŒr Konten in den USA gilt eine Frist von 365 Tagen.

Auf einer Hilfeseite zum Thema Beschwerden und Blockieren untersagte ein weiterer Block jegliche Zitate oder Auslegungen relevanter Datenschutzgesetze, darunter die europÀische DSGVO, das brasilianische LGPD sowie der kalifornische CCPA.

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Dieses Verbot galt selbst dann, wenn Hilfesuchende diese Regelwerke ausdrĂŒcklich ansprachen oder rechtliche Schritte, AnwĂ€lte und Gerichte erwĂ€hnten. Weitere Anweisungen verboten dem Chatbot Aussagen zur Haftung, die Interpretation der Allgemeinen GeschĂ€ftsbedingungen und der Datenschutzrichtlinie sowie die ErwĂ€hnung nicht verfĂŒgbarer Community-Funktionen.

Meta begrĂŒndet Vorfall mit Softwarefehler

WhatsApp-Sprecher Joshua Breckman erklĂ€rte gegenĂŒber dem Magazin Wired, es habe sich um einen Softwarefehler gehandelt, durch den die Texte ĂŒberhaupt erst sichtbar geworden seien. Die Vorgaben hĂ€tten dem eigenen Support-Chatbot gegolten, dessen Aufgabe darin bestehe, bei Bedienfragen zu WhatsApp zu unterstĂŒtzen, anstatt Rechtsberatung zu erteilen.

Nach dem Hinweis von Wired leitete Meta Gegenmaßnahmen ein: Bis zum 18. Oktober 2026 um 02:08 UTC waren sĂ€mtliche 102 Textblöcke aus den Hilfeseiten entfernt worden, wĂ€hrend die Hilfetexte selbst unverĂ€ndert online blieben. Ein Abgleich ĂŒber das Internet Archive zeigt die Änderung: WĂ€hrend ein Abzug vom 9. Oktober 2026 die entsprechenden Passagen noch enthielt, fehlten sie in einer archivierten Fassung vom 18. Oktober 2026.

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Reichweite der Datenlieferung an Suchmaschinen

Die Server von WhatsApp lieferten die Seiten samt den internen Anweisungen an Web-Crawler von Suchmaschinen wie Google und Bing aus. Bei gezielten Abfragen am 9. Oktober 2026 mit den Crawler-Kennungen von OpenAI, Anthropic und Perplexity wurden die Textteile hingegen nicht ĂŒbertragen.

VollstĂ€ndig unklar blieb bislang, ĂŒber welchen Zeitraum die Anweisungsblöcke öffentlich abrufbar waren und ob fremde KI-Systeme die Inhalte fĂŒr ihr Training erfasst haben. Redact beschrĂ€nkte seine PrĂŒfung zudem auf englischsprachige Hilfeseiten und untersuchte nicht, ob der Chatbot die hinterlegten Vorgaben in der direkten Interaktion mit Anwendern tatsĂ€chlich umsetzte.

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