WhatsApp-Konten, Betrüger

WhatsApp-Konten gekapert: Betrüger fordern bis zu 980 Euro von Freunden

Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 08:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Behörden melden Kontoübernahmen durch Phishing und Geräte-Kopplung; PIN-Schutz und Vorsicht bei Links können Nutzerkonten absichern.
Ein minimalistischer, schattiger Raum mit einer schlichten Holzbank vor einer Betonwand. Illustration mit AI erstellt.

Kriminelle übernehmen zunehmend WhatsApp-Konten von Freunden und Bekannten, um in deren Namen um Geldüberweisungen oder um Unterstützung für angebliche Projekte zu bitten.

Vor dieser Betrugsfalle warnte das Schweizer Konsumentenmagazin Espresso von SRF unter der Moderation von Stefan Wüthrich in einer aktuellen Sendung um 08:10 Uhr. Die Täter nutzen das bestehende Vertrauensverhältnis zwischen Kontakten gezielt aus, um finanzielle Notlagen vorzutäuschen oder schädliche Links zu verbreiten.

Behörden ermitteln nach Überweisungen im Bekanntenkreis

Wie reale Schadensfälle ablaufen, zeigt ein Fall aus Italien: Die Carabinieri in Sesto Pusteria in der Provinz Bozen (Trentino-Alto Adige) zeigten einen 26-jährigen Mann mit Wohnsitz in der Emilia-Romagna wegen Betrugs, unbefugten Zugriffs auf IT-Systeme und Identitätstäuschung an. Das dortige Opfer hatte 760 Euro per Banküberweisung auf eine in einer WhatsApp-Nachricht genannte IBAN transferiert.

Zuvor war eine dringende Bitte um finanzielle Hilfe über das Profil einer Bekannten aus Rom eingegangen. Die Ermittler konnten den Fall aufklären, indem sie die Anzeige der Geschädigten mit der fast zeitgleich erstatteten Anzeige der tatsächlichen Profilinhaberin in Rom verknüpften, die den Zugriff auf ihr Benutzerkonto verloren hatte.

Auch in anderen Ländern schlagen Behörden Alarm. Das Schweizer Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) verzeichnete im Oktober 2026 über 40 Meldungen zu gekaperten Konten bei dem Messengerdienst. Bereits am 14.10.2026 stufte die spanische Cybersicherheitsbehörde INCIBE eine Warnung mit der hohen Priorität Niveau 4 ein.

Demnach nutzen Angreifer Schwachstellen in iPhones mit dem Betriebssystem iOS 16 oder älter aus, um über WhatsApp Geld im Namen der Opfer zu fordern. Die Betroffenen sehen die verschickten Nachrichten oft selbst nicht im eigenen Chatverlauf. Gefordert werden laut INCIBE Beträge zwischen 970 und 980 Euro mit dem falschen Versprechen einer Rückzahlung am Folgetag.

Täuschende Abstimmungen und fremde Gerätekopplung

Die Methoden zur Kontoübernahme sind vielfältig. Die irische Polizei Gardaí Kildare warnte vor Nachrichten, in denen zur Stimmabgabe für ein Kind namens Mia in einem angeblichen Wettbewerb aufgerufen wird.

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Ein Klick auf den mitgesendeten Link führt auf gefälschte Abstimmungsseiten. Geben Empfänger dort ihre Rufnummer und einen per SMS übermittelten sechsstelligen Code ein, ermöglichen sie den Kriminellen die Neuregistrierung des Profils auf einem fremden Gerät.

Zudem warnt Mahmoud Al-Maghayra, Leiter der Cybercrime-Einheit der jordanischen Generaldirektion für öffentliche Sicherheit, vor Betrügern, die Opfer über gestohlene Konten kontaktieren und unter dem Vorwand einer Aufnahme in eine Chatgruppe nach Verifizierungscodes fragen.

Neben der Code-Weitergabe nutzen Angreifer das sogenannte Ghost Pairing, bei dem fremde Geräte unbemerkt mit dem Konto verknüpft werden. Nach dem unbefugten Zugriff auf den WhatsApp-Account des stellvertretenden Generalstaatsanwalts von Zypern, Savvas Angelidis, erläuterte ein Cybersicherheitsexperte, dass Betrüger die Nutzer oft dazu verleiten, ein fremdes Gerät zu autorisieren. Dadurch erhalten die Angreifer Zugriff auf synchronisierte Nachrichten und können Texte versenden, ohne dass das Opfer den Zugang verliert oder die eigentliche Verschlüsselung gebrochen wird.

Laut einem Sicherheitsexperten von Avast basieren über 90 Prozent dieser Fälle auf Manipulationstechniken wie Phishing. Auch die pakistanische FIA in Karatschi berichtete über Social-Engineering-Angriffe, bei denen gezielt Konten von Frauen attackiert wurden.

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Empfohlene Schutzmaßnahmen für Nutzer

Bereits am 06.10.2026 hatte die Verbraucherzentrale Niedersachsen gewarnt, dass ohne ein zusätzliches Passwort die Handynummer und ein abgefangener Bestätigungscode genügen, um Konten bei Messengern wie WhatsApp, Telegram oder Signal zu übernehmen. Neben Täuschung zählen auch der Abgriff von Mailboxen oder Schwachstellen im Mobilfunknetz zu den Einfallstoren.

Sicherheitsbehörden und Verbraucherschützer raten dringend dazu, niemals Verifizierungscodes mit Dritten zu teilen und keine verdächtigen Links anzuklicken. Zur Absicherung empfiehlt sich die Aktivierung der Zwei-Schritt-Verifikation unter den Kontoeinstellungen mittels persönlicher PIN und optionaler E-Mail-Adresse.

Nutzer sollten zudem regelmäßig unter den Einstellungen die Liste der gekoppelten Geräte kontrollieren und unbekannte Sitzungen umgehend abmelden. Kommt es zu einer Übernahme, muss die eigene Rufnummer neu registriert und das persönliche Umfeld über alternative Kanäle gewarnt werden.

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