WHO, Süßstoffen

WHO zu Süßstoffen: Kein überzeugender Langzeitnutzen für die Gewichtskontrolle

Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 10:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Honig und Sirupe liefern weiterhin Zucker, während Süßstoffe teils Blutzucker und Kalorien sparen, aber mögliche Risiken aufweisen.
Eine Schale mit frischen Beeren auf einer minimalistischen Küchenarbeitsplatte bei natürlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle ernährungsmedizinische Ratgeber thematisieren verstärkt die gesundheitlichen Auswirkungen eines hohen Zuckerkonsums und stellen gängige Alternativen wie Stevia, Xylit oder Honig auf den Prüfstand. Besonders für Personen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder Herz-Kreislauf-Problemen spielt die Wahl des richtigen Süßungsmittels eine wesentliche Rolle im Alltag.

Richtwerte und Risiken eines übermäßigen Zuckerkonsums

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) und das Bundeszentrum für Ernährung empfehlen, maximal zehn Prozent der täglichen Gesamtenergiezufuhr über freien Zucker abzudecken. Diese Obergrenze schließt neben gewöhnlichem Haushaltszucker auch Honig, Sirupe, Fruchtsäfte sowie Fruchtsaftkonzentrate ein. Der Berufsverband für Kinder- und Jugendärzte nennt einen Grenzwert von höchstens 25 Gramm Zucker pro Tag.

Nach Angaben der klinischen Ernährungsberaterin Olga Bezugla wird dieser empfohlene Wert von rund 25 Gramm bereits durch den Konsum einer einzelnen Dose Cola oder eines Schokoriegels erreicht.

Bezugla bringt einen dauerhaft übermäßigen Zuckerkonsum mit Erkrankungen wie Bluthochdruck, einem gesteigerten Herzinfarktrisiko, Übergewicht und Magen-Darm-Beschwerden in Verbindung. Bei einer angestrebten Ernährungsumstellung benötigten die Geschmacksknospen etwa drei bis vier Wochen zur Anpassung.

Die gesundheitlichen Folgen einer zuckerreichen Ernährung wiegen schwer: Marco Witkowski vom Deutschen Herzzentrum der Charité verweist darauf, dass Adipositas bei rund 19 Prozent der Erwachsenen in Deutschland vorliegt und als zentraler Risikofaktor für Diabetes mellitus Typ 2, Atherosklerose, arterielle Hypertonie, Herzinfarkt und Schlaganfall gilt.

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Natürliche Alternativen zwischen Kaloriengehalt und Blutzuckeranstieg

Beim Griff zu vermeintlich gesünderen Naturprodukten raten Fachleute zu genauer Differenzierung. Ratgeber-Vergleiche heben hervor, dass Honig zu etwa 80 Prozent aus Zucker besteht und mit rund 300 Kilokalorien pro 100 Gramm zu Buche schlägt. Weißer Zucker enthält im Vergleich fast 400 Kilokalorien pro 100 Gramm.

Zwar werden für die gleiche Süßkraft 20 bis 25 Prozent weniger Honig benötigt, doch bleibt das Produkt kalorienreich. Zudem variiert der glykämische Index je nach Sorte; Akazienhonig weist beispielsweise einen niedrigeren Wert auf als Rapshonig. Für Säuglinge unter einem Jahr ist Honig wegen des Botulismusrisikos ungeeignet.

Ahornsirup besteht überwiegend aus Saccharose und weist rund 260 Kilokalorien pro 100 Gramm auf, während Agavensirup trotz eines niedrigen glykämischen Index sehr reich an Fruktose ist. Die Ernährungsberaterin Julia Orlova erinnert daran, dass Haushaltszucker rund 4 Kilokalorien pro Gramm liefert und den Blutzuckerspiegel rasch anhebt, Fruktose jedoch ebenfalls echter Zucker bleibt.

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Süßstoffe und Zuckeralkohole im wissenschaftlichen Urteil

Auf der Suche nach kalorienfreien Optionen rücken künstliche Süßstoffe und Zuckeralkohole in den Fokus. Stevia zeichnet sich laut Ratgeber-Vergleichen durch eine 200- bis 350-fache Süßkraft gegenüber herkömmlichem Zucker aus, liefert keine Kalorien und beeinflusst den Blutzuckerspiegel nicht.

Auch Erythrit besitzt mit einer EU-Kennzeichnung von null Kalorien keinen Einfluss auf Blutzucker oder Insulin, erreicht jedoch lediglich 60 bis 70 Prozent der herkömmlichen Süßkraft.

Orlova betont, dass die Bezeichnung „ohne Zucker“ keineswegs mit Kalorienfreiheit gleichzusetzen sei. Produkte mit dem Zuckeralkohol Maltit seien etwa für Diabetiker relevant, da sich die einzelnen Alkohole bei Kaloriengehalt und Glukosewirkung teils stark unterscheiden.

Zudem betrachten Experten Ersatzstoffe mit Vorbehalt: Laut Witkowski stehen Substanzen wie Erythrit und Xylit im Verdacht, kardiovaskuläre Ereignisse zu begünstigen, wenngleich entsprechende Beobachtungsstudien bislang ohne abschließende Ergebnisse blieben.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Nicht-Zucker-Süßstoffe nicht als primäre Langzeitstrategie zur Gewichtskontrolle, da ein überzeugender Langzeitnutzen fehle. Zudem können hohe dosen von Zuckeralkoholen Beschwerden wie Blähungen und Durchfall provozieren.

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