Wiederbelebung, Leben

Wiederbelebung: Bis zu 10.000 Leben könnten jährlich gerettet werden

Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 20:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bei jedem zweiten außerklinischen Herzstillstand beginnt die Erste Hilfe erst mit Verzögerung; sofortige Herzdruckmassage kann Leben retten.
Ein leerer, sonnendurchfluteter Flur in einem Wohngebäude, der die Bedeutung von Erster Hilfe im häuslichen Umfeld symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Außerklinische Herz-Kreislauf-Stillstände zählen weltweit zu den häufigsten medizinischen Notfällen. Anlässlich des Welttags der Wiederbelebung, der vom Deutschen Rat für Wiederbelebung am 16. Oktober als Tag der kardiopulmonalen Wiederbelebung ausgerufen wurde, informieren Rettungskräfte und Hilfsorganisationen über die zentrale Bedeutung sofortiger Reanimationsmaßnahmen.

Statistiken der Johanniter verdeutlichen das Problem: Bei jedem zweiten Herz-Kreislauf-Stillstand leistet niemand Erste Hilfe, bevor professionelle Einsatzkräfte am Einsatzort eintreffen.

Schnelles Handeln entscheidet über die Überlebenschancen

In Deutschland ereignen sich laut Angaben von Hilfsorganisationen jährlich 120.000 Herz-Kreislaufstillstände außerhalb eines Krankenhauses – rechnerisch alle vier Minuten ein Vorfall. Bis zu 10.000 Menschenleben könnten hierzulande jedes Jahr zusätzlich gerettet werden, läge die Laien-Reanimationsquote höher.

Im Jahr 2024 lag diese Quote in Deutschland bei 55 Prozent und damit unter dem europäischen Durchschnitt. Andere Erhebungen des Ortenau Klinikums beziffern die Zahl der jährlichen Fälle in Deutschland auf rund 70.000.

Auch im internationalen Vergleich sind die Fallzahlen hoch:
- In Österreich treten jährlich etwa 12.000 Herz-Kreislauf-Stillstände außerhalb einer Klinik auf, mehr als 60 Prozent davon im häuslichen Umfeld.

Alle 80 Minuten erleidet dort ein Mensch einen Stillstand, von denen nur jeder zehnte überlebt.
- In Spanien registrieren Rettungsdienste jährlich rund 30.000 außerklinische Herzstillstände.
- In den USA verzeichnet die American Heart Association jährlich über 350.000 Fälle außerhalb von Spitälern; rund 90 Prozent der Betroffenen überleben nicht.

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Bei jedem zweiten Herz-Kreislauf-Stillstand leistet niemand Erste Hilfe, bevor die Rettungskräfte eintreffen — dabei sinkt die Überlebenschance mit jeder Minute um rund 10 Prozent. Wer die Herzdruckmassage beherrscht, kann den Unterschied machen: Brustkorb 5 bis 6 Zentimeter tief eindrücken, 100 bis 120 Mal pro Minute. Kostenlosen Reanimations-Leitfaden jetzt anfordern

Ohne Wiederbelebung sinkt die Überlebenschance laut Rettungsdiensten mit jeder Minute um rund 10 Prozent.

Basismaßnahmen: Herzdruckmassage und Beatmung

Rettungskräfte und Hilfsorganisationen betonen, dass die Herzdruckmassage stets Priorität hat. Der Brustkorb muss dabei 5 bis 6 Zentimeter tief eingedrückt werden, bei einer Frequenz von 100 bis 120 Kompressionen pro Minute. Für den Rhythmus eignet sich unter anderem der Takt des Liedes „Stayin' Alive“. Die Johanniter heben hervor, dass eine Beatmung im Zweifelsfall unterbleiben kann, falls sich Ersthelfer diese nicht zutrauen.

Wird beatmet, gilt der Standardrhythmus von 30 Kompressionen gefolgt von zwei Beatmungen. Eine im Journal of Emergency Nursing veröffentlichte Untersuchung der Universitäten Castilla-La Mancha und Alcalá, die sechs Arbeiten aus Japan und Europa mit insgesamt 386.766 außerklinischen Herzstillständen auswertete, stützt diesen Ansatz: Bei der Kombination aus Herzdruckmassage und Beatmung überlebten rund 67 von 1.000 Betroffenen, verglichen mit etwa 47 von 1.000 bei reiner Herzdruckmassage. Zudem zeigte sich eine Tendenz zu einem besseren neurologischen Zustand.

Besonderheiten bei Kindern und Einsatz von Defibrillatoren

Von den außerklinischen Stillständen in Deutschland entfallen 1,4 Prozent auf Personen unter 18 Jahren. Hilfsorganisationen empfehlen bei Kindern ein angepasstes Schema: Vor der Herzdruckmassage erfolgen fünf initiale Atemspenden, danach 30 Kompressionen und zwei Beatmungen bei einer Frequenz von 100 bis 120 pro Minute. Die Drucktiefe liegt bei Säuglingen bei 4 Zentimetern und bei älteren Kindern bei rund 5 Zentimetern.

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Ein automatisierter externer Defibrillator (AED) sollte nach Angaben der Johanniter nur dann herbeigeholt werden, wenn mehrere Helfende vor Ort sind, damit die Herzdruckmassage nicht unterbrochen wird. Grundsätzlich besteht eine gesetzliche Pflicht zur Hilfeleistung, es sei denn, es liegt eine Selbstgefährdung oder eine vorrangige Pflicht wie die Aufsicht kleiner Kinder vor. Mindestens muss umgehend die Notrufnummer gewählt werden.

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