Windows-Server: Jahrzehntealte SQL-Injection ermöglicht volle Kontrolle
Veröffentlicht am: 07.08.2026 um 20:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Sicherheitsforscher haben eine jahrzehntealte SQL-Injection-Schwachstelle aufgedeckt, die es Unbefugten ermöglicht, vollständige Kontrolle über Windows-Server zu erlangen. Die Lücke nutzt eine Datenbank-Technik, um Sicherheitsprotokolle zu umgehen und Angreifern Administratorzugriff auf das Betriebssystem zu verschaffen.
Angriff über Datenbank-Toolkits
In einem dokumentierten Vorfall nutzten Angreifer eine SQL-Injection-Schwachstelle in einer Java/Tomcat-Anwendung, um über eine Oracle-Datenbank einen Windows-Server zu kompromittieren. Die Angreifer versteckten ein Fernwartungs-Toolkit namens „khunt" erfolgreich in der Datenbankumgebung.
Nach dem ersten Einbruch weiteten die Angreifer ihre Zugriffsrechte auf SYSTEM-Ebene aus. Dadurch konnten sie hochsensible Dateien kopieren – darunter die kritischen SAM-, SECURITY- und SYSTEM-Dateien, die für die Serversicherheit und Authentifizierung unerlässlich sind. Die Sicherheitsfirma Huntress entdeckte die Aktivität.
Schwachstellen bei Serververwaltung und Updates
Weitere Forschungsergebnisse zeigen: Hacker können Microsoft Windows Server Update Services (WSUS) missbrauchen, um schädliche Updates zu verteilen. Durch NTLM-Relay-Angriffe auf WSUS-Server mit separatem SQL-Server führen Angreifer bösartige gespeicherte Prozeduren aus, um unautorisierte Softwarepakete zu verbreiten.
Im Cloud-Sektor wurde eine kritische Privilegienausweitung-Schwachstelle (CVE-2026-62830) im Azure SRE Agent identifiziert. Der Fehler erhielt einen CVSS-Score von 9,9. Bemerkenswert: Ein Patch auf Kundenseite war nicht erforderlich, da der Anbieter den Fehler serverseitig behoben hat.
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Angriffslandschaft im Wandel
Die Entdeckung dieser Server-Schwachstellen fällt mit dem 2026 Verizon Data Breach Investigations Report zusammen. Der Bericht analysierte 31.000 Vorfälle und 22.000 Sicherheitsverletzungen zwischen Oktober 2024 und November 2025. Ergebnis: Schwachstellen-Ausnutzung ist der häufigste initiale Zugangsvektor für Cyberangriffe in 145 Ländern.
Auch staatliche Einrichtungen bleiben nicht verschont. Das Schweizer Bundesamt für Informatik (BIT) entdeckte am 28. Juli 2026 einen Einbruch in seine SharePoint-Umgebung. Rund 200 Konten wurden kompromittiert. Der externe Zugriff wurde blockiert, Systeme gepatcht. Forscher untersuchen mögliche Verbindungen zu den Schwachstellen CVE-2026-56164 oder CVE-2026-50522.
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Laufende Patch-Bemühungen
In den Tagen vor der SQL-Injection-Offenlegung wurden mehrere kritische Patches veröffentlicht. WordPress schloss am 6. August 2026 die Lücke CVE-2026-64638 – eine Pre-Authentication-Cross-Site-Scripting-Schwachstelle, die PHP-Codeausführung ermöglichen konnte. Apache veröffentlichte ebenfalls Sicherheitshinweise mit 19 Schwachstellen, darunter neun kritische Fehler, die hauptsächlich Apache CXF und APR-util betreffen.
Die US-Cybersicherheitsbehörde CISA hat mehrere prominente Schwachstellen in ihren Katalog bekannter ausgenutzter Sicherheitslücken aufgenommen. Dazu gehören ein Authentifizierungs-Bypass in N-able N-central (CVE-2026-18577) und ein Denial-of-Service-Fehler in SolarWinds Serv-U (CVE-2026-28318). Bundesbehörden wurden angewiesen, den N-able-Fehler bis zum 6. August zu beheben.
