WindRelay-Malware: Android-Virus klont Bankkarten in Echtzeit
Veröffentlicht am: 15.08.2026 um 07:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Sicherheitsanalysten des Unternehmens Group-IB haben eine neuartige Android-Malware namens WindRelay identifiziert, die eine schwerwiegende Bedrohung für das kontaktlose Bezahlen darstellt. Die Schadsoftware ist in der Lage, NFC-Daten von Bankkarten in Echtzeit an externe Angreifer weiterzuleiten. Das Besondere an diesem Verfahren ist, dass der Datendiebstahl erfolgt, während die Opfer ihre physischen Karten noch in den Händen halten.
Funktionsweise und Kombination mit Fernzugriffstrojanern
Nach Erkenntnissen von Group-IB wird WindRelay häufig in Kombination mit dem bekannten Fernzugriffstrojaner SpyNote-RAT eingesetzt. Der Infektionsprozess erfolgt dabei meist zweistufig: In einem ersten Schritt werden die Opfer durch Social-Engineering-Methoden dazu verleitet, den SpyNote-RAT selbst auf ihrem Smartphone zu installieren. Sobald dieser Zugriff etabliert ist, können die Angreifer WindRelay per Fernzugriff auf dem Gerät nachinstallieren.
Die Malware verwandelt das infizierte Smartphone effektiv in eine Maschine zum Klonen kontaktloser Karten. Wenn ein Nutzer seine Bankkarte an die NFC-Schnittstelle des Mobiltelefons hält, werden die Kartendaten unmittelbar an ein gefälschtes Terminal der Betrüger übertragen. Dieser Prozess ermöglicht es den Tätern, Transaktionen oder andere Finanzoperationen so durchzuführen, als fänden sie direkt am Ort des Opfers statt.
Dokumentierter Schadensfall und technische Details
Die Experten von Group-IB berichteten über einen konkreten Vorfall, der die Effizienz dieser Methode verdeutlicht. Während eines nur 13-minütigen Anrufs gelang es den Angreifern, das Opfer zur Installation des SpyNote-RAT zu bewegen. In dieser kurzen Zeitspanne wurde nicht nur die Malware WindRelay aktiviert und Kartendaten gestreamt, sondern es wurde zudem ein Kredit im Namen des Opfers aufgenommen.
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Die technische Analyse ergab, dass zwischen November 2025 und Juli 2026 insgesamt 23 verschiedene Samples von WindRelay auf die Analyseplattform VirusTotal hochgeladen wurden. Die Infrastruktur der Hintermänner basiert laut den Untersuchungen auf vier spezifischen Command-and-Control-IP-Adressen (C2). Aktuell konzentrieren sich die Angriffe primär auf Nutzer in Tschechien, der Slowakei und Slowenien.
Massiver Anstieg von NFC-Angriffen auf Android-Systeme
Die Entdeckung von WindRelay fügt sich in einen breiteren Trend zunehmender Cyberkriminalität im Bereich mobiler Bezahlsysteme ein. Daten des Sicherheitsunternehmens Kaspersky belegen eine deutliche Verschärfung der Bedrohungslage. Demnach stiegen NFC-basierte Angriffe auf Android-Geräte in den ersten vier Monaten des Jahres 2026 im Vergleich zum Vorjahr um 188 %.
Insgesamt wurden in diesem Zeitraum bereits 35.600 Angriffsversuche durch Sicherheitssysteme blockiert. Fachleute weisen darauf hin, dass die Kombination aus klassischem Telefonbetrug und hochspezialisierter Malware wie WindRelay die Hürden für herkömmliche Sicherheitsmaßnahmen der Banken erhöht, da die Transaktionen für die Systeme zunächst wie legitime, kontaktlose Zahlungen des Kunden wirken.
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Nutzer werden daher zu erhöhter Vorsicht bei der Installation von Apps aufgefordert, die außerhalb offizieller Quellen oder nach Aufforderung durch unbekannte Anrufer angeboten werden.
